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Studentenwohnheim in Bochum

Es gibt zu wenig Plätze in den Wohnheimen. Private Großinvestoren haben eine Marktlücke entdeckt.

(Foto: dpa)

Tool der Woche So viel zahlen Studierende in Deutschland für ihre Wohnung

Studenten klagen schon jetzt über hohe Mieten. Dennoch sind sie laut einer Studie bereit, für die optimale Wohnung noch etwas draufzulegen.
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DüsseldorfZimmer in Münchener Studenten-Wohngemeinschaft, vollmöbliert mit Kühlschrank, Kochutensilien und Geschirr sofort einsatzfähig. Geboten wird frische Bettwäsche. Schreibtisch und passender Stuhl stehen bereit. In den Pasing-Arcaden nebenan gibt es alles, was man zum täglichen Leben braucht. Busse und Bahnen halten fast vor der Haustür. Frei ist die Bude auch noch. Das Sommersemester in München kann beginnen.

Ob dieses von Medici Living im Internet angebotene Zimmer den Kriterien entspricht, für das Studenten oder Studentinnen bereit sind, an die Schmerzgrenze der finanziellen Belastbarkeit heranzugehen?

Nach einer Umfrage unter 15.000 Studierenden in Deutschland stellt der gemeinsame Marktreport „Studentisches Wohnen 2018“ von Immobiliendienstleister CBRE und Baufinanzierer Deutsche Kreditbank (DKB) fest, dass Studierende hierzulande 325 Euro Miete im Monat zahlen. Das sind 41 Prozent des verfügbaren Einkommens.

Für optimale Wohnverhältnisse wären Studierende bereit, noch einmal kräftig mehr zu zahlen, sagt die Studie aus. Konkret: Von den Befragten, deren Miete zwischen 300 und 500 Euro im Monat beträgt, wären etwa zwei Drittel bereit, bis zu 19 Prozent für höhere Wohnqualität zu zahlen. Dabei fressen 400 Euro Monatsmiete bereits die Hälfte ihres mittleren Einkommens von 800 Euro auf.

Im Wintersemester 2017/2018 studierten etwas mehr als 2,8 Millionen Menschen in Deutschland, so viel wie nie zuvor. Gut eine halbe Million waren Erstsemester. Zum Sommersemester beginnen meistens etwas weniger junge Menschen ihr Studium als im Wintersemester.

Trotzdem wird die Wohnungssuche kaum entspannter sein als zum Wintersemester. Denn in nahezu jeder Universitätsstadt herrscht Wohnungsnot. Folglich werden manche Erstsemester wie vor jedem Semesterbeginn einige Tage in Notunterkünften verbringen, bis sie etwas Passendes gefunden haben.

Vor allem finanziell muss es passen. Ein Studierender mit mittlerem Einkommen kann das eingangs beschriebene zwölf Quadratmeter große WG-Zimmer in München-Pasing schlicht vergessen. Es kostet 669 Euro im Monat und ist trotzdem nicht der teuerste WG-Platz, den Medici Living in München anbietet.

Das Angebot des nach eigenen Angaben „größten professionellen WG-Anbieters in Deutschland“ reicht bis zu 839 Euro im Monat nach oben. Aber scheinbar gibt es genügend Eltern, die ihrem hoffnungsvollen Nachwuchs hochpreisige Buden finanzieren können. Schließlich zeigt die Studie auch, dass von den Studenten, die 600 Euro und mehr für ihre Wohnung bezahlen, gut 14 Prozent bereit wären, für mehr Komfort bis zu 19 Prozent draufzulegen.

Gibt es denn wirklich keine WG-Zimmer in München für 325 Euro im Monat oder sogar weniger? Doch, einige wenige listet www.studenten-wg.de tatsächlich auf. Eines wird in einer Achter-WG in einer alten Münchener Villa von einer Burschenschaft angeboten. Frauen können sich in diesem Fall die Bewerbung sparen.

Die bayerische Hauptstadt ist seit Jahren der teuerste Wohnungsmarkt in Deutschland. Aber wirklich günstig wohnen Studenten nur in wenigen Städten, hat die Studie von CBRE ergeben. Ein Vergleich nach Monatsmieten für Wohnheimzimmer macht Frankfurt nach diesem Kriterium mit 425 Euro zum teuersten Studienstandort.

In ostdeutschen Universitätsstädten sind Studentenzimmer billiger als in westdeutschen. Quelle: dpa
Campus der Uni Jena

In ostdeutschen Universitätsstädten sind Studentenzimmer billiger als in westdeutschen.

(Foto: dpa)

In ostdeutschen Universitätsstädten sind Wohnheimplätze am günstigsten, etwa in Jena, Halle und Erfurt sind die Wohnungskosten nicht einmal halb so hoch wie in Frankfurt am Main. In Westdeutschland sind die Wohnheime in Dortmund und Würzburg mit 226 beziehungsweise 236 Euro Monatsmiete am günstigsten. Dort halten kirchliche Wohnheimbetreiber, so die Erklärung von CBRE, die Preise niedrig.

Die steigenden Mieten reizen Investoren, Studentenwohnheime zu bauen oder zu kaufen. Noch leben 70 Prozent der angehenden Akademiker in Wohnungen, die sie auf dem örtlichen Wohnungsmarkt gefunden haben oder bei ihren Eltern (elf Prozent). Die übrigen haben einen Platz in Studentenwohnheimen oder sogenannte Microapartments gefunden.

Wie heiß dieser Markt, ist zeigen die jüngsten Umsatzzahlen. Im vergangenen Jahr wechselten Studentenapartments für eine halbe Milliarde Euro den Besitzer. Dieser Wert wurde schon im Januar dieses Jahres fast erreicht. Ursache war der Kauf von 1.900 Studentenapartments durch die britische Global Student Accomodation für rund 330 Millionen Euro. Der US-Immobilieninvestor Harrison Street Real Estate kaufte von der deutschen MPC 1.000 Wohnungen, die unter dem Namen Staytoo an Studenten vermietet werden.

Aktuell zählt CBRE in den 50 untersuchten Städten 12.000 Wohnheimplätze im Bau oder in der Sanierung und weitere 19.500 in Planung. Dass Wohnen für sie billiger wird, sollten Studenten trotz der vielen Neubauprojekte nicht erwarten.

„Während wir im Hochpreissegment in der Zukunft einen Verdrängungswettbewerb nicht ausschließen können, sehen wir gerade im unteren und mittleren Preissegment ein signifikantes Wachstumspotenzial“, resümiert Silvio Hagemann, Leiter des Fachbereichs Wohnen bei der DKB. Anders ausgedrückt: Weil in diesem Segment besonders viele Wohnungen fehlen, werden darin auch die Mieten am stärksten steigen.

Eigentliches Ziel des Reports ist es, die für Investoren attraktivsten Standorte zu ermitteln. Nach Analyse sozioökonomischer Daten und dem örtlichen Hochschulumfeld stellte die Gesellschaft eine Hitliste von Standorten dazu auf. In der steht München als erste der 50 betrachteten Städte.

Unter den zehn erfolgversprechendsten kommen - nach München - Frankfurt, Köln, Berlin, Hamburg und Stuttgart - und damit fünf weitere der sieben deutschen Top-Städte, nur Düsseldorf fehlt. Dafür sind Darmstadt, Münster, Hannover und Freiburg unter den Top-Zehn-Städten. Darmstadt ist für Investoren in Studentenwohnheime attraktiv, weil von den 200.000 Einwohner der Studie zufolge 27 Prozent dort an einer Universität oder Fachhochschule eingeschrieben sind.

Aus der Liste lässt sich auch die Empfehlung ablesen, dort Studentenwohnungen zu bauen, wo die Preise hoch sind. Denn die für Wohnungssuchenden mietgünstigen Städte Halle und Erfurt kommen in der Liste erst auf den Plätzen 46 und 47.

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