Tool der Woche Wie die Italien-Krise Baugeld billig macht

Wegen der Unruhe an den Finanzmärkten kaufen Anleger Bundesanleihen. Deren Rendite sinkt, die Zinsen der Hypothekendarlehen fallen ebenfalls.
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Die Zinsen für Hypothekenkredite gehen für kurze Zeit runter. Quelle: dpa
Doppelhäuser in Frankfurt

Die Zinsen für Hypothekenkredite gehen für kurze Zeit runter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfManche Menschen ärgern sich über entgangene Gewinne mehr als über tatsächliche Verluste. Die Häuslebauer unter ihnen, denen im Moment das richtige Objekt oder das nötige Eigenkapital fehlt, müssen nun tapfer sein. Denn: „Kurzfristig werden die Baufinanzierungszinsen im Marktdurchschnitt etwas nachgeben“, ist Michael Neumann, Vorstand des Baugeldvermittlers Dr. Klein, überzeugt.

Es ist die Regierungskrise in Italien, die Häuslebauern unerwartete Zinsgeschenke macht. Sie lässt Baugeld in Deutschland billiger werden. Noch ist der Zinsrückgang gegenüber der vergangenen Woche erst an der zweiten Stelle hinter dem Komma ablesbar.

Doch die Baugeldzinsen gehen mit der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rauf und runter – wenn auch nicht taggleich. Diese Rendite betrug am 23. Mai noch ein halbes Prozent, sank bis zum 29. Mai auf die Hälfte und bewegte sich am Freitag um die Marke von 0,34 Prozent. Es ist also noch Luft nach unten für die Baugeldzinsen. Experten raten, bereits bestehende Angebote vor der Unterschrift neu zu verhandeln, wenn die Zeit bis zur ersten Kaufpreisrate dazu noch ausreicht.

Ein um 0,1 Prozentpunkte besserer Zinsabschluss sieht auf den ersten Blick nicht nach einem Riesenvorteil aus. Doch über die Laufzeit können Kreditnehmer ein paar Tausend Euro sparen. Ein Beispiel: Der Haus- oder Wohnungskäufer, der ein Darlehen über 250.000 Euro zu 1,8 Prozent Effektivzins und drei Prozent Tilgung aufnimmt, hat nach Auslaufen der Zinsbindung in 15 Jahren rund 179.250 Euro gezahlt. Schließt der Bauherr zu 1,7 Prozent ab, spart er 4400 Euro.

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Mit einer langen Zinsbindung und einer hohen Tilgung wie im Beispiel sichert sich der Häuslebauer die niedrigen Zinsen langfristig. Denn der nächste Zinsanstieg kommt so sicher wie der nächste Winter, nur nicht zwingend im Dezember.

Wann genau die Zinsen steigen und wie hoch, darauf legen sich die professionellen Beobachter der Finanzmärkte nicht fest. Zunächst erwartet Dr.-Klein-Vorstand Neumann, dass die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin darauf verzichtet, die expansive Geldpolitik zurückzudrehen, also weiter Anleihen in großem Stil kauft. Von einer Leitzinsanhebung ist sowieso noch keine Rede. Deswegen sagen Finanzmarktexperten zurzeit erst für Ende 2019 oder Anfang 2020 ein nennenswert höheres Zinsniveau voraus.

Um zu verstehen, wieso eine Regierungskrise in Italien Baugeld in Deutschland verbilligt, muss man ein wenig um die Ecke denken. Bundesanleihen gelten als sichere Anlagen, die ganz besonders stark gekauft werden, wenn Unruhe an den Finanzmärkten herrscht. Die Regierungskrise in Italien hat eine solche Unruhe ausgelöst. Mit ihrer steigenden Nachfrage treiben die Investoren die Kurse der Bundesanleihen hoch und die Renditen runter. Die Baugeldzinsen folgen dieser Entwicklung.

Experte Neumann erwartet, dass der jüngste Zinsrückgang nicht lange währen wird: „Ich denke, dass sich die Märkte und damit die Zinsen bald beruhigen werden.“ Wer sich nun ärgert, dass er womöglich das Zeitfenster für eine besonders günstige Baufinanzierung verpasst, der kann sich damit trösten, dass sich Unsicherheit an den Finanzmärkten nicht prophezeien lassen. Warum, brachte eine Finanzmarktanalyse der Helaba vor wenigen Tagen auf den Punkt. Sie schrieb, dass ein Tweet von US-Präsident Donald Trump „mehr Marktverwerfungen auslösen kann als ein noch so aussagekräftiger Indikator“.

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