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Torre Reforma in Mexiko Der innovativste Wolkenkratzer der Welt sieht aus wie ein offenes Buch

Der Internationale Hochhauspreis geht an den Torre Reforma in Mexiko. Hinter grauen Mauern verberge sich ein innovatives Meisterwerk, lobt die Jury.
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Der Torre Reforma in Mexico-Stadt von Architekt Bejamín Romano wurde mit dem Internationalen Hochhauspreis ausgezeichnet. Quelle: Pressebild IHP Moritz Bernoully
Torre Reforma in Mexiko-Stadt

Der Torre Reforma in Mexico-Stadt von Architekt Bejamín Romano wurde mit dem Internationalen Hochhauspreis ausgezeichnet.

(Foto: Pressebild IHP Moritz Bernoully)

FrankfurtDas innovativste Hochhaus der Welt sieht auf den ersten Blick aus wie ein massives, aufgeschlagenes Buch. Und Massiv ist der Torre Reforma in Mexiko-Stadt im wahrsten Sinne des Wortes: Auf zwei seiner drei Flanken strecken sich 246 Meter hohe Betonwände mit wenigen Lichtdurchbrüchen in den Himmel.

Im Volksmund wird der Turm aufgrund der besonderen Struktur bereits „Tetris“ genannt. Nur die zum Chapultepec-Park geöffnete Seite lässt Licht ins Innere fluten.

In einer Zeit der begrünten Wolkenkratzer-Fassaden wirkt der Torre Reforma fast schon wie ein Antagonist. Hinter grauen Mauern verberge sich ein innovatives Meisterwerk, lobt das Deutsche Architekturmuseum. Eine mit renommierten Architekten besetzte Jury hat den Torre Reforma mit dem Internationalen Hochhauspreis 2018 ausgezeichnet.

Der Architekt Benjamín Romano habe ein „kluges Tragwerkskonzept“ entwickelt, das das Hochhaus selbst in einem Erdbebengebiet wie dem von Mexiko-Stadt sicher stehen lässt, sagt das Gremium. „Torre Reforma beeindruckt durch seinen kreativen Umgang mit Baumaterialien, ein ausgefeiltes Tragwerkskonzept und hohe Energieeffizienz“, lobt Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand des Preis-Sponsors Dekabank.

Mit seinem Projekt hat sich Romano gegen vier weiter Finalisten durchgesetzt. Rein äußerlich eint diese Gebäude kaum etwas: Der Torre Reforma hat schlichte, klare Formen. Wie ein Gegenentwurf wirkt das Oasia Hotel Downtown in Singapur mit aus allen Fassadenritzen sprießenden Pflanzen.

In den klassischen Wolkenkratzern früherer Jahre kamen die Menschen morgens zur Büroarbeit. Wenn sie abends gingen, erlosch das Leben in den Gebäuden.

Die Finalisten eint, dass keines ihrer Gebäude so eindimensional genutzt wird. Mischnutzung heißt der Trend, der bei den Finalisten unterschiedlich ausgeprägt ist. Schließlich hatte der Juryvorsitzende, Kai-Uwe Bergmann von der Bjarke Ingels Group, die Frage in den Mittelpunkt gerückt: „Was gibt das Gebäude zurück?“

Wohnen in Hochhäusern liegt im Trend

Gerade Apartments sind immer häufiger in den Türmen zu finden. „Wohnungen besserer Qualität werden in Hochhäusern weltweit immer stärker als wichtiger Typus anerkannt“, beschreibt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, den Wandel. In der Wohnungsvermarktung ziehen glamouröse Namen – etwa Armani im Chaoyang Park Plaza von Mad Architects in Peking.

Das gleichfalls in die Endausscheidung vorgedrungene, 313 Meter hohe Maha Nakhon von Ole Scheeren in Bangkok beherbergt 200 Apartments der Luxushotelkette Ritz-Carlton.

Große Namen lohnen sich, stellt die Immobilienberatungsfirma Knight Frank fest. In Bangkok seien Käufer bereit, einen Aufschlag von 132 Prozent gegenüber Nicht-Marken-Wohnungen zu bezahlen. Der von Büroflächen geprägte und um Handelsflächen ergänzte Torre Reforma bleibt auch in diesem Punkt schlicht und verzichtet auf große Namen.

Wo Mischnutzung noch ein Trend ist, hat sich Nachhaltigkeit bereits als wichtiges Kaufkriterium etabliert. „Heute wird nicht mehr diskutiert, ob ein Gebäude ein Nachhaltigkeitszertifikat hat, sondern nur noch darüber, welches“, sagt Sven Bienert, Immobilienwissenschaftler, der an der Universität Regensburg lehrt.

Mehr als 50 verschiedene einschlägige Siegel zählte er und spricht vom „Zertifikatedschungel“. Zu den bekanntesten Siegeln zählen das nordamerikanische „Leadership in Energy and Environmental Design“ (LEED), im deutschsprachigen Raum das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) oder auch das britische BREEAM.

Eine historische Villa ist in die Architektur des Torre-Reforma-Hochhauses integriert. Quelle: Pressebild IHP Moritz Bernoully
Altes im Neuen

Eine historische Villa ist in die Architektur des Torre-Reforma-Hochhauses integriert.

(Foto: Pressebild IHP Moritz Bernoully)

Nachhaltiger Bau sei optisch nicht gleich erkennbar, sagt Matthias Fischer, Abteilungsleiter Ganzheitliche Bilanzierung am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. Die Wahrheit liege hinter der Fassade, beispielsweise in den verbauten Materialien und Bauprodukten, der Bauausführung sowie der technischen Gebäudeausrüstung. „Sie können in fast jeder Architektur nachhaltig bauen“, ist Fischer überzeugt.

Torre Reforma überzeugt mit Nachhaltigkeit

Der Torre Reforma hat mit LEED-Platin das höchste Prädikat dieses Nachhaltigkeitssiegels erhalten. Die Betonmauern und Aluminiumblenden vor der Glasfassade mindern die direkte Sonneneinstrahlung und sorgen dafür, dass das Gebäude weniger erhitzt. Regen- und Abwasser werden komplett für die Kühltürme der Klimaanlage wiederverwendet.

Welche Bedeutung die Nachhaltigkeitsauszeichnungen für die Vermarktung von Gebäuden haben, ‧zeigen zwei Beispiele: Allianz Real Estate versucht, ausschließlich nachhaltig zertifizierte Gebäude zu erwerben, auch wenn das nicht immer gelingt. Der österreichische Projektentwickler CA Immo sieht die Siegel für die „Verkaufsfähigkeit“ einer Immobilie als „definitiv erforderlich“ an. Dies gelte vor allem für hochwertige Büroimmobilien.

Eine Studie des Immobilienzweigs der Universität Regensburg, Irebs, zeigt, dass mehr als die Hälfte der Gebäude des Fonds‧anbieters Deka Immobilien zertifiziert ist. CA Immo gibt gar einen Anteil von 70 Prozent an. Romano, der Architekt des Torre Reforma, ist überzeugt: „Das Zertifikat hilft bei der Vermietung.“

Studien aus den USA zufolge erzielten Gebäude mit dem dort üblichen LEED-Siegel im Schnitt sieben Prozent höhere Mieten und lassen sich teurer verkaufen als solche ohne Zertifikat. „Wer ein Gebäude verkauft, das kein Zertifikat hat, muss mit einem Abschlag rechnen“, erklärt Thorsten Huff, Nachhaltigkeitsexperte des Immobilienberaters CBRE in Deutschland.

Letztendlich müsse der Investor rechnen, ob sich die Zertifizierung lohnt, gibt Experte Bienert zu bedenken. Höheren Mieten und Verkaufserlösen stehen höhere Baukosten und die Gebühren der Zertifizierung entgegen.

Beim Internationalen Hochhauspreises ist Nachhaltigkeit nur eines von vielen Kriterien. Beurteilt werden zudem zukunftsweisende Gestaltung, Funktionalität, innovative Bautechnik, städtebauliche Einbindung und Wirtschaftlichkeit der Gebäude. Letztlich muss ein Hochhaus seine Umgebung aufwerten, erklärt Schmal vom Deutschen Architekturmuseum. Der Torre Reforma stehe hier klar hervor.

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