Immobilienmarkt Leben mit dem Boom

Seite 3 von 4:
Wichtig für Anleger

Anleger dürfen allerdings nicht außer Acht lassen, dass Immobilienmärkte mitunter volatil, also nicht risikolos sind. Viele Anleger verbinden mit Immobilien ein zumindest risikoarmes Investment. Dies ist aber tatsächlich nicht immer so, wie die Beispiele USA, Spanien und Irland schmerzhaft gezeigt haben. Und auch die massiven Wertverluste in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung lassen ahnen: Investments in Immobilien können sich auch als Verlustgeschäfte erweisen.

Häuser und Wohnungen sind nun einmal standortgebunden, ihr Erwerb ist mit hohen Transaktionskosten verbunden und erfordert meistens eine Fremdfinanzierung. All dies kann gerade für private Anleger gefährlich werden, auch bei Käufen in Toplagen und Universitätsstädten.

Bei den Immobilienmärkten in Universitätsstädten kommen zwei weitere Faktoren hinzu: Der aktuelle Aufschwung ist durch zwei vorübergehende Sondereffekte geprägt - die Verkürzung der Abiturausbildungszeit von neun auf acht Jahre und die Umstellung der Wehrpflicht auf eine Freiwilligenarmee. Beide Maßnahmen sorgen nur vorübergehend für zusätzliche Wohnungsnachfrage.

Auch die niedrigen Geburtenraten in Deutschland werden nicht für alle Zeiten durch Zuwanderer kompensiert werden. Diese demografische Last umfasst nicht nur das Risiko rückläufiger Einwohnerzahlen, sondern auch die Herausforderung eines notwendigen Umbaus zu einer seniorengerechten Wohnung. Ein solcher altersgerechter Umbau von Millionen Wohnungen dürfte ein milliardenschweres Investitionsprogramm erfordern. Ein Teil dieses Programms werden natürlich die privaten Investoren schultern müssen - ihnen entstehen also erhebliche Kosten.

Nicht zuletzt hat der Boom im Markt für privat genutztes Wohneigentum besondere Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen zählt: Wenn mehr junge Menschen in die eigene Immobilie investieren, können sie gleich auf zwei Wegen ihre private Altersvorsorge stützen: Sie sparen in der Regel einen höheren Teil ihres Einkommens - und könnten gleichzeitig auch einen höheren Anteil ihrer Ersparnisse in risikoreichere und damit auch renditeträchtigere Anlagen investieren.

Wo der Bauboom grassiert
Platz 10: Ortenaukreis
1 von 10

Der Landkreis in Baden-Württemberg profitiert vom Europa-Park im badischen Rust. Der Freizeitpark erweist sich als Jobmotor, dementsprechend werden im Ortenaukreis neue Wohnungen benötigt. Im ersten Quartal 2015 wurde der Bau von fast 400 neuen Wohnungen genehmigt. Dadurch wird eine zusätzliche Wohnfläche von 50.000 Quadratmeter entstehen. Kostenpunkt: 141,4 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2014 wurden 412 neue Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 48.000 Quadratmetern genehmigt. Die veranschlagten Kosten betrugen 108,5 Millionen Euro. 2010 war noch etwas weniger los: Es wurden 380 Wohnungen im ersten Quartal genehmigt.

Quelle für alle Daten: Statistisches Bundesamt

Platz 9: Mainz-Bingen
2 von 10

Im rheinland-pfälzischen Landkreis Mainz-Bingen betrug das Genehmigungsvolumen zum Bau neuer Wohnungen im ersten Quartal 2015 rund 143 Millionen Euro – und damit doppelt so viel im Vorjahresquartal. Für das Geld sollen 245 neue Wohnungen mit einer zusätzlichen Wohnfläche von 33.000 Quadratmetern entstehen. In Rheinland-Pfalz lagen die Bauausgaben im Vorjahresquartal bei 625,6 Millionen Euro. Damit ist Mainz-Bingen hinsichtlich der Immobilienwirtschaft einer der größten Wachstumsregionen des Bundeslandes.

Im ersten Quartal 2014 wurden 169 neue Wohnungen genehmigt, bei 19.000 Quadratmetern mehr Wohnfläche mit einem Kostenpunkt von rund 70 Millionen Euro. 2010 war von einem Bau-Boom noch wenig zu sehen: Es wurden nur 68 Wohnungen mit einem Bauvolumen von 29,6 Millionen Euro genehmigt.

Der Hintergrund: Der Landkreis Mainz-Bingen zählt seit Jahren in Rankings zu den Top-Landkreisen der Republik und hat eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote.

Platz 8: Nürnberg
3 von 10

Neben München gehört Nürnberg zu den am stärksten boomenden Immobilienregionen Bayerns. In den ersten drei Monaten wurde der Bau neuer Wohnungen im Volumen von 194,8 Millionen Euro genehmigt. Für diese Summe sollen rund 703 neue Wohnungen errichtet werden. Allerdings hält sich der Wohnflächenzuwachs mit 50.000 Quadratmetern in Grenzen, was darauf schließen lässt, dass der Fokus der Bauherren auf kleineren Wohnungen liegt.

Im ersten Quartal 2014 wurden gerade einmal 116 neue Wohnungen genehmigt – für 43 Millionen Euro. Das genehmigte Bauvolumen hat sich damit innerhalb eines Jahres fast verfünffacht. 2010 wurde in Nürnberg noch etwas fleißiger gebaut: Im ersten Quartal wurden 258 neue Wohnungen bei einem Volumen von rund 85 Millionen Euro genehmigt.

Platz 7: Frankfurt am Main
4 von 10

Günstiger Wohnraum in Hessens Finanzmetropole ist knapp. Die Baumaßnahmen dürften daran wenig ändern. Zwar wurden im ersten Quartal 478 neue Wohnprojekte genehmigt. Allerdings wird dadurch nur eine zusätzliche Wohnfläche von 55.000 Quadratmeter geschaffen. Die Ausgaben dafür beliefen sich auf 202,5 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal lagen die Ausgaben von Gesamthessen in den ersten drei Monaten bei 724,6 Millionen Euro. Mehr als ein Viertel des hessischen Bauvolumens konzentriert sich damit auf Frankfurt.

2014 wurde in Frankfurt sogar noch mehr gebaut: Im ersten Quartal wurden 1455 Wohnungen genehmigt (Wohnfläche: 93.000 Quadratmeter). Die Kosten lagen bei rund 259 Millionen Euro.

Der Vergleich mit 2010 zeigt, dass die Investitionen Jahr für Jahr zurückgehen. Das Volumen betrug im ersten Quartal noch 372 Millionen Euro.

Platz 6: Hannover
5 von 10

Hannover hat im ersten Quartal 2015 für vergleichsweise wenig Geld den Bau von viel neuer Wohnfläche genehmigt. Für 233,3 Millionen Euro sollen 870 neue Wohnungen und damit 101.000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Mit diesen Ausgaben macht Hannover, verglichen mit den Zahlen aus 2014, mehr als ein Viertel der Gesamtausgaben Niedersachsens aus.

In Hannover werden überwiegend große Wohnungen gebaut: Im Schnitt hat jede genehmigte Wohnung 116 Quadratmeter Wohnfläche.

2014 sah das Bild noch anders aus: Im ersten Quartal wurden „nur“ 282 Wohnungen mit einem Volumen von 66,5 Millionen Euro genehmigt. Damit wurden 39.000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Das Bauvolumen hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. 2010 war auch noch deutlich weniger Baubetrieb als 2015: Es wurde ein Volumen von 78 Millionen Euro genehmigt (319 Wohnungen).

Platz 5: Dresden
6 von 10

Im Gegensatz zu Hannover werden in Dresden mit 667 neuen Wohnungen nur 52.000 Quadratmeter zusätzliche Wohnfläche geschaffen (Eine Wohnung hat im Schnitt 77 qm). Die Kosten sind mit etwas mehr als 233,3 Millionen Euro ähnlich hoch wie bei der sechsplatzierten Stadt aus Niedersachsen. Im strukturschwachen Sachsen ist Dresden fast der einzige Ort, an dem ein nennenswerter Wohnraumzuwachs verzeichnet werden kann. Im gesamten Bundesland lagen die Immobilienausgaben im ersten Quartal 2014 nämlich bei 360,3 Millionen Euro.

2014 (Q1) gehörte Dresden auch schon zu den Top 20 der Bauboom-Städte mit einem Volumen von 111 Millionen Euro. Die Wohnfläche war im Durchschnitt noch etwas höher: 781 Wohnungen schufen 64.000 Quadratmeter Wohnfläche (81 qm pro Wohnung).

2010 gehörte Dresden zu den Top 30. Es wurden im ersten Quartal Wohnungen im Volumen von 78 Millionen Euro genehmigt. Im Laufe der Jahre wurden die Wohnungen immer kleiner: 2010 betrug der Durschnitt noch 91 Quadratmeter pro Wohnung.

Platz 4: Stuttgart
7 von 10

Daimler und Bosch sind die größten Arbeitgeber in Stuttgart. Die beiden Unternehmen sorgen dementsprechend für ein Bevölkerungs- und Wohnungswachstum. In den ersten drei Monaten des Jahres lagen die Bauausgaben in Stuttgart bei 246,4 Millionen Euro. Dafür sollen 742 neue Wohnungen und 65.000 Quadratmeter neue Wohnfläche entstehen.

Auch im ersten Quartal 2014 war in Stuttgart schon viel los: Es wurden 607 neue Wohnungen genehmigt, die 45.000 Quadratmeter neue Wohnfläche boten. Das Volumen betrug 154 Millionen Euro.

Stuttgart gehört seit Jahren zu den Regionen, in denen der Bauboom grassiert. Im ersten Quartal wurde ein Volumen von 124 Millionen Euro genehmigt und damit 381 Wohnungen und 38.000 Quadratmeter Wohnfläche. Das ohnehin schon hohe Volumen hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre verdoppelt.

Gesamtwirtschaftlich steht dem jedoch gegenüber, dass der Umzug aus einer Mietwohnung in die eigene Immobilie angesichts hoher Transaktionskosten die Mobilität von Arbeitnehmern verringern kann. Dies mag zwar gute nachbarschaftliche Verhältnisse fördern. Aber für die Arbeitsmärkte ist die eingeschränkte Mobilität der Arbeitnehmer eine Gefahr. Nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitgeber in vielen Fällen eine Mobilitätsprämie auf das Gehalt zahlen müssen.

Hinzu kommt: Verliert ein Arbeitnehmer in einer Stadt mit steigender Arbeitslosigkeit den Job, wird auch der Wert seiner Immobilie sinken. Wer solche Risiken scheut, für den bietet eine indirekte Immobilienanlage, also ein Immobilienfonds oder - aktienanlage, eine attraktive Alternative. Sie ermöglicht die Erhöhung der Immobilienquote, ohne dass der Anleger alles auf eine Karte setzen muss und sein Portfolio regelrecht zubetoniert.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Wichtig für Privatinvestoren
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Immobilienmarkt - Leben mit dem Boom

3 Kommentare zu "Immobilienmarkt: Leben mit dem Boom"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Immobilien sind ein gute Anlage, besonders fuer den Staat. Wenn der Geld braucht weiss er wo es was zu holen gibt, denn Immobilien koennen sich nicht verstecken oder ins Ausland fluechten. Bei den Rettungsorgien im Euro-Raum geht den Rettern irgendwann das Geld aus, dann kommt die Zwangsanleihe.

  • Neue Schuldner braucht das Land. Finden sich keine Deppen mehr stürzt das ganze Kartenhaus zusammen.

    Die margin debt sind schon beim 500 Mia angekommen und Immobilien werden noch ungesehen weggekauft. Eine hemmungslose Verschuldungsparty die ihren Kater schon noch bekommen wird.

  • Nach täglicher Werbung für Aktien nun tägliche Werbung für Immobilien?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%