Vorfälligkeit Bauherren winken Erleichterungen bei der Finanzierung

Die deutschen Banken blicken mit Sorge auf den 16. März. Dann legt die EU-Kommission einen Gesetzentwurf zur "verantwortungsvollen Vergabe von Hypothekarkrediten" vor. Das Regelwerk könnte die in Deutschland übliche festverzinsliche Hypothek in ihren Grundfesten erschüttern.
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Hypothekarkredite: Mit ihrem neuen Regelwerk wirbelt die EU die deutsche Immobilienfinanzierung durcheinander. Quelle: gms

Hypothekarkredite: Mit ihrem neuen Regelwerk wirbelt die EU die deutsche Immobilienfinanzierung durcheinander.

BRÜSSEL/BERLIN. Mit der Richtlinie sollen Kunden das Recht bekommen, eine Hypothek bereits vor Ablauf der Zinsbindung abzulösen. Eine Sprecherin des zuständigen EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier bestätigte entsprechende Überlegungen. "Entschieden ist aber noch nichts", sagte sie auf Anfrage.

Völlig unklar ist bislang, ob und wie die EU-Behörde die vorzeitige Rückzahlung im Detail regeln will - und das macht die deutschen Banken nervös. Denn hierzulande verlangen die Geldhäuser bei vorzeitiger Rückzahlung einer Hypothek vom Kunden einen Ausgleich für den entgangenen Zinsgewinn. Diese sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung könnte begrenzt oder gar ganz verboten werden, befürchten die deutschen Banken. "Dies hätte gravierende Folgen für die Hypothekarkreditvergabe in Deutschland", mahnte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes. Festzinskredite würden teurer und manche Kreditangebote womöglich ganz vom Markt verschwinden. Kritik kommt auch aus dem Europaparlament. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Abgeordneten, Werner Langen, schrieb einen Protestbrief an Barnier. Er habe "massive Bedenken" gegen eine derartige Regulierung, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Alarmiert sind die Banken, weil Barnier seinen bereits fertigen Gesetzentwurf überraschend noch einmal überarbeiten lässt. Im bisherigen Text, der dem Handelsblatt vorliegt, ist das Recht auf vorzeitige Kündigung noch nicht enthalten. Auf Weisung des Kommissars sollen es die Fachbeamten jetzt nachträglich einfügen.

Dabei wird behördenintern auch über Details diskutiert. So wird erwogen, die Produktvorschriften der EU-Richtlinie zum Konsumentenkredit einfach auf den Hypothekarkredit zu übertragen. Das wäre das Ende der deutschen Vorfälligkeitsentschädigung. Doch es wird auch über eine Alternative diskutiert: Demnach würde die EU das vorzeitige Rückzahlungsrecht zwar prinzipiell vorschreiben, alle weiteren Einzelheiten aber den nationalen Gesetzgebern überlassen.

Mit der Lösung könnten die deutschen Banken gut leben. Spanische und französische Geldinstitute würden aber dagegenhalten, heißt es in Brüssel. Festverzinsliche Hypotheken sind in Spanien und Frankreich bei weitem nicht so verbreitet wie hierzulande. In Deutschland machen sie 90 Prozent des gesamten Hypothekenmarktes aus.

Die EU wirbele die ganze deutsche Immobilienfinanzierung durcheinander, wenn sie die Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) antaste, warnen Experten. Es käme zu "Instabilität und unnötiger Preistreiberei", meint Professor Heinrich Bockholt vom Koblenzer Institut für Finanzwirtschaft. Nicht nur die Banken, sondern auch die Kunden würden vom derzeitigen System profitieren. Deutschland könne einen zinsgünstigen Markt für Baufinanzierungen vorweisen, und die Banken hätten geringe Ausfälle für schlechte Kreditrisiken zu verzeichnen. Bockholt sagt: "Dieses hohe volkswirtschaftliche und gesellschaftspolitische Gut darf nicht durch eine unsachgemäße EU-Gesetzgebung aufs Spiel gesetzt werden."

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13 Kommentare zu "Vorfälligkeit: Bauherren winken Erleichterungen bei der Finanzierung"

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  • Nein, die Kündigungsoptionalität hat einen heute schon bestimmbaren Preis (in Prozent vom Kreditvolumen), den kann/muß die bank einfach auf den Sollzins draufschlagen. Die bank ist damit genauso (zins-, nicht kreditausfall-)risikoneutral wie heute auch. Es wird sich nur der Markt für bermudan Swaptions (siehe mein Postting unten) deutlich vergrößern. Und Festzins wird natürlich teurer, wie gesagt. in jedem Fall gilt: Die bank sichert ihre Risiken ab und stellt Kosten dafür in Rechnung. Genau wie z.b. eine Versicherung auch.

  • nur kurz:

    bank leiht einem Kunden Geld für 10 Jahre. bank refinanziert sich für 10 Jahre. Kunde nutzt Sondertilgung zu 100 % nach z.b. 5 Jahren. bank hat ein Refinanzierungsrisiko für die letzten 5 Jahre.

    Problem für Verbraucher:

    Das Risiko wird zukünftig auf den Zins aufgeschlagen. Die Darlehen werden teurer. Das heißt: Jeder zahl höhere Zinsen, obwohl er sehr wahrscheinlich NiE zu 100 % sondertilgen wird.

    Schlimmere Möglichkeit:

    banken bieten garkeine Festzinsvereinbarungen mehr an, da das Risiko unüberschaubar wird. Will man das als Verbraucher??

  • Aber gern: Auch eine bank muß sich am Kapitalmarkt refinanzieren. Wenn der Kunde 10J möchte, muß die bank das Geld am Markt eben für 10J zum fixen(!) 10-Jahres-Satz einkaufen. Sie gibt das Kapital für 10 Jahre weiter an den Kunden zzgl. Marge für Kreditausfall, Verwaltung usw. Wenn der Kunde nach z.b. 7J den Kredit kündigen könnte, dann müßte die bank in der Lage sein, das zum damaligen 10-Jahres-Satz aufgenommene Kapital für die nächsten nur noch 3(!) Jahre zum damaligen(!) 10J-Satz wieder zu verleihen. Da kurze Zinsen typischerweise niedriger sind als lange, gibts hier tendentiell einen Kapitalmarktverlust, nicht "Verdienstausfall", wie Sie es nennen. Und wenn die Zinsen zwischenzeitlich stark gestiegen sind und die bank das Geld teurer für 3J weiterverleihen könnte? Nun, dann wird "a" der Kunde wohl den Kredit eher nicht kündigen (Geldanlage und den billigen Kredit laufen lassen wäre günstiger) und "b" würde auch heute schon die bank dann KEiNE Vorfälligkeitsentschädigung verlangen (dürfen). Alles klar? Die Kündigungsoptionalität kostet eben Geld, eine solche Option gibts am Kapitalmarkt eben nicht umsonst (es handelt sich übrigens um eine sog. "bermudan Swaption"), auch bei der Europäischen Kommission nicht. Mit Renditehunger hat das nichts zu tun. Das Ende vom Lied? Die banken werden die Kosten für die bermudan Swaption auf die Zinsen draufschlagen (müssen). Danke an die EU-Kommission, super Job!

    @Goldjunge: Wenn Sie soviel Vorfälligkeitsentschädigung zahlen mußten, dann haben Sie in einer ziemlichen Hochzinsphase eine schön lange Zinsbindung gewählt? Dann haben Sie sich klassisch "verspekuliert" und dürfen sich nicht beklagen. Für sowas gibts variable bzw. kurzlaufende Kredite. Kein Mensch zwang Sie dazu, sich die hohen Zinsen möglichst lange festzuschreiben.

  • ich leihe mir bei der bank Geld, die bank bekommt für die Zeit in der ich das Geld nutze Zinsen, wenn ich ihnen alles zurückgebe bekommen sie keine Zinsen mehr.
    Hört sich gerecht an. Von welchem"verdienstausfall" kann man denn hier reden? Die bank kann das Geld das ich zurückzahle doch gut und gern wieder jemandem anderen verleihen.
    Kann jemand meinen Gedanken wideregen und mir die negativwirkungen sachlich aufzeigen?

  • Nach § 489 bGb ist eine ordentliche Kündigung eines Hypothekenkredits nach zehn Jahren möglich, auch wenn die Zinsbindung länger vereinbart wurde. Steht zwar im Kleingedruckten, weiß aber kaum jemand, warum wohl?

  • Wir haben gerade unsere 20.000 Euro Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt. Aus rein subjektiver Sicht begrüße ich nachträglich eine Reform, egal wie die Logik dahinter aussieht und von wem sie kommt.

  • Es ist schon erschreckend welche Gesetze und Vorhaben von den "unwissenden Politikern" verabschiedet werden bzw. sollen.
    Haften muss ja eh keiner für den Käse.

    bzgl. der 10 jährigen Zinsen sollten die Politker einmal in den USA nachsehen. Es reicht auch schon in die Schweiz oder bei den Dt. welche z.b. über Franken meist variablel bzw. max 1 J. fest finanziert haben. Schon kleinesten Veränderungen am Markt bringen hier den Kunden nicht um ein paar tausend € Vorfälligkeit sondern um die gesamte Existenz. Mir ist kein Land bekannt welches trotz der Krise ein ähnlich stabiles Niveau im immobilienbereich hat. U.a. dafür verantwortlich ein stabiler kalkulierbarer Zinssatz für lange Zeiträume. Und zwar für beide Seiten.

  • Ohje ohje, das endet noch in einer Katastrophe.
    immer wenn sich die Politik und speziell die EU einmischt, ist es hinterher schlimmer, als vorher. Man beachte bloß die neuen Regelungen für die Effektivzinsberechnung von Hypothekenkrediten. Jetzt sind die Effektivzinsen niedriger, als die Sollzinsen. Und das soll dem Verbraucher einen Vergleich erleichtern?

  • Selbstredend werden die banken solche Vorfälligkeitsregelungen auch nicht einpreisen, liebe EUROkraten, nicht? Was für ein finanzieller Analphabetismus! Haben sich die EUROkraten schon mal gefragt, warum 15J-Zinsbindung deutlich teurer ist als 10J, hingenen die Unterschiede zwischen 15/20/30J gering sind? Kleiner Tip für verschnarchte brüsseler Drehstuhlakrobaten: Hat mit dem bGb-Kündigungsrecht nach 10J zu tun. Preist man ein derartiges Kündigungsrecht vom Jahr 0 an in den Kredit ein, wirds teurer. Deutlich teurer. Denn die dahinterstehende "bermudan Swaption" ließe sich die bank (völlig zu Recht - keine Abzocke hier) vom Kunden bezahlen.

  • Meine "lieben" EU-bürokraten, ich darf hier einfach mal zitieren: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Schnauze halten!".

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