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Wall Street Krise des Bürovermieters WeWork belastet Investmentbanken

Der verpatzte Börsenstart von WeWork und der Abgang des Chefs bringen auch Investmentbanken an der Wall Street in die Kritik. Das hat mehrere Gründe.
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Das Start-up expandierte in den vergangenen Jahren stark. Quelle: WeWork
WeWork-Büro in Mexiko City

Das Start-up expandierte in den vergangenen Jahren stark.

(Foto: WeWork)

New York In der schwersten Stunde seiner Karriere suchte Adam Neumann Rat bei Amerikas einflussreichstem Banker, Jamie Dimon. Am Sonntag traf sich der Mitgründer und Vorstandschef von WeWork mit dem Chef von JP Morgan, um über die Zukunft des Bürovermieters zu sprechen und um zu versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Noch im Frühjahr war WeWork, das sich kürzlich in „The We Comapany“ umbenannte, das wertvollste Start-up der USA, mit einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar.

Der für Ende September geplante Börsengang sollte die Krönung einer Erfolgsgeschichte werden – für Neumann und dessen 15.000 Mitarbeiter, aber auch für die großen Investmentbanken der Wall Street, für die WeWork schon seit Jahren ein großer Kunde ist. Doch es kam anders. Am Dienstagnachmittag kündigte Neumann seinen Rücktritt an.

Der charismatische und exzentrische Gründer, der mit WeWork in den vergangenen neun Jahren den Markt für Büroimmobilien umgekrempelt hat, trägt mit sofortiger Wirkung nur noch den Titel „Nonexecutive Chairman“. Er führt damit den Verwaltungsrat ohne jegliche Managementfunktion. Der Druck der Investoren war am Ende schlicht zu groß.

WeWork rutscht damit in eine existenzielle Krise. Die derzeitigen Vorstände Sebastian Gunningham und Artie Minson führen die Geschäfte übergangsweise, bis ein passender Nachfolger gefunden ist. Beobachter gehen davon aus, dass der Börsengang damit erst einmal auf unbestimmte Zeit aufgeschoben ist.

JP Morgan und Goldman Sachs, die die Emission betreuen sollten, konnten in den vergangenen Wochen schlicht nicht genügend Interesse bei den Anlegern generieren – auch nicht, als die Bewertung auf zehn bis 15 Milliarden Dollar gesenkt wurde und WeWork Zugeständnisse bei der stark auf Neumann zugeschnittenen Unternehmensstruktur machte.

Nach dem geplatzten Börsengang und der deutlich niedrigeren Bewertung rücken nun die hohen Verbindlichkeiten des schnell wachsenden, aber auch hochdefizitären Start-ups in den Fokus, genauso wie die Rolle der Banken, die das Ganze erst ermöglicht haben. Rund 120 Millionen Dollar an Gebühren hätten JP Morgan, Goldman und andere Wall-Street-Häuser unter sich aufgeteilt, wenn der Börsengang wie geplant stattgefunden hätte. Zudem haben die Institute dem Start-up Kredite in Höhe von sechs Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, falls WeWork mindestens drei Milliarden Dollar im Rahmen des Börsengangs hätte einsammeln können.

Millionen für Luxusvillen

Schon 2015 gewährte JP Morgan dem Unternehmen eine Kreditlinie von 1,2 Milliarden Dollar und war im vergangenen Jahr die führende Emissionsbank bei der Ausgabe von Unternehmensanleihen im Wert von 702 Millionen Dollar. JP Morgan und Goldman beteiligten sich zudem an WeWorks Finanzierungsrunden, um ihren vermögenden Kunden Zugang zu den Anteilen zu gewähren.

Auch als Privatmann war der einstige WeWork-Chef ein guter Kunde großer Banken. JP Morgan, UBS und Credit Suisse gewährten ihm Kredite über 500 Millionen Dollar, für die ein Teil von Neumanns WeWork-Anteilen als Sicherheit diente. Ende Juli hatte der 40-Jährige 380 Millionen Dollar davon in Anspruch genommen. Da die Sicherheiten stark an Wert verloren haben, hätten die Banken zuletzt versucht, die Konditionen des Kredits zu verändern, berichtete der Informationsdienst Bloomberg vergangene Woche.

Neumann und seine Frau Rebekah sind für ihren glamourösen Lebensstil bekannt. Laut Medienberichten gaben sie mehr als 80 Millionen Dollar für fünf Luxus-Immobilien aus, darunter 21 Millionen für ein Haus in der Nähe von San Francisco mit einem Zimmer, das geformt sei wie eine Gitarre. Rebekah Paltrow Neumann hat WeWork mit ihrem Mann und dessen Geschäftspartner Miguwel McKelvey gegründet und war zuletzt Markenvorständin. Zudem führte sie die Privatschule „WeGrow“, die ebenfalls zu We gehörte. Berichten zufolge soll auch sie ihre Ämter niederlegen.

Branchenkenner beobachten die Rolle der Banken beim Hype um ehrgeizige Start-ups längst skeptisch. Das gilt für WeWork, aber auch für den Fahrdienst Uber, der im Mai an die Börse ging und zuvor ebenfalls Abschläge beim Unternehmenswert hinnehmen musste. „Die Investmentbanken hätten viel früher signalisieren können, dass die hohen Bewertungen nicht tragbar sind.

Doch niemand wollte offenbar die Tech-Unternehmen als Kunden vergraulen“, meint Silicon-Valley-Investor Sven Weber, der den Risikokapitalfonds Knightsbridge Advisers berät. „Manche Dinge ergeben einfach keinen Sinn“, stellte Stephen Schwarzman, Chef der Private-Equity-Firm Blackstone klar.

WeWork arbeitet unterdessen an einer bescheideneren Zukunft. Töchter wie WeGrow und der WG-Anbieter WeLive könnten eingestellt und die Mitarbeiter entlassen werden, heißt es in Branchenkreisen. Dass der Börsengang noch in diesem Jahr stattfindet, gilt als unwahrscheinlich.

Mehr: Der Fall WeWork zeigt: Die schnelle Jagd nach Rendite kann auch schaden. Die Börse hat kein Interesse an defizitären Unternehmen mit aufgeblähten Bewertungen.

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