Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wohneigentum DIW-Studie: Drei Wege, um aus Mietern Eigentümer zu machen

Das Immobilienvermögen der Deutschen ist ungleich verteilt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung macht Vorschläge, wie sich das ändern ließe.
07.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Rund die Hälfte der Haushalte in Deutschland hat kein Immobilienvermögen. Quelle: imageBROKER/Getty Images
Reihenhaussiedlung in Nordrhein-Westfalen

Rund die Hälfte der Haushalte in Deutschland hat kein Immobilienvermögen.

(Foto: imageBROKER/Getty Images)

Berlin Beim Thema Wohneigentum klaffen politischer Wunsch und gelebte Wirklichkeit auseinander: Während verantwortlich Regierende beständig den Willen bekunden, mehr Menschen von der Miete ins Eigentum zu bekommen, zweifeln Menschen bis in die Mittelschicht hinein zunehmend, sich je eine eigene Wohnung oder gar ein Häuschen mit Garten zulegen zu können.

Claus Michelsen, der bisherige Konjunkturchef am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der das Institut vor ein paar Tagen verlassen hat, sagt dazu: „Rund die Hälfte der Haushalte in Deutschland hat kein Immobilienvermögen, und diese Haushalte können auch kein Immobilienvermögen bilden, weil die Kosten des Einstiegs in den Markt zu hoch geworden sind.“ Die steigenden Mietpreise in Ballungsräumen nähmen einen immer größeren Anteil am zur Verfügung stehenden Haushaltseinkommen ein – mit der Folge, dass die Menschen weniger ansparen.

Gleichzeitig klettern die Preise für Grundstücke, Baumaterialien und fertig gebaute Häuser und Wohnungen in fast allen Gegenden Deutschlands weiter. Insgesamt verschärft das die Ungleichheit in Deutschland, kritisiert Michelsen: Zwei Drittel der privaten Vermögen steckten in Immobilien – konzentriert auf die gut und sehr gut verdienenden Haushalte. Das DIW hat nun Vorschläge ausgearbeitet, wie man die Wohneigentumsquote steigern könnte und was diese Maßnahmen kosten würden.

In einer Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, verweisen die Ökonomen auf drei Stellschrauben: Korrekturen bei der Vermögensverteilung über das Steuersystem, Anreize setzen zum Sparen und zum Einstieg in den Immobilienkauf sowie eine optimierte staatliche Förderung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Steuern anders ausrichten

    „Es geht darum, gewisse Privilegien zu streichen und die Besteuerung so zu verändern, dass es mehr Menschen gelingt, ins Wohneigentum einzusteigen“, erklärt Michelsen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Logik dahinter: Die oberen 50 Prozent der Deutschen, bei denen sich das Immobilienvermögen konzentriert, profitieren von zahlreichen Steuerschlupflöchern und -erleichterungen, das sei nicht fair.

    Das DIW bringt deswegen den immer wieder diskutierten Wertbezug bei der Grundsteuer ins Spiel, der letztlich auf eine jahrzehntealte Idee des SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel zurückgeht. Damit würde die Wertorientierung beim Bodenpreis berücksichtigt, für den Eigentümer nichts tun mussten, ein „leistungsloses Einkommen“, das höher besteuert werden könnte, erläutert Michelsen.

    Wenn man dann auch noch die Steuerbefreiung für Veräußerungsgewinne von Kapitalgesellschaften abschaffen würde, Veräußerungsgewinne höher besteuern und die Begünstigungen für Wohnungsunternehmen bei der Erbschaftsteuer streiche, könnte der Staat allein im kommenden Jahr etwa 27 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Das entspräche 0,73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, schätzen die Wissenschaftler.

    Das Geld könnte der Staat verwenden, um beispielsweise Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer zu ermöglichen. Denn diese macht einen erheblichen Betrag der Immobilienkäufer aus: In den 15 Jahren, in denen die Länder diese Steuer selbst ausgestalten dürfen, ist das Aufkommen dem DIW zufolge von sechs auf knapp 16 Milliarden Euro gestiegen.

    Lesen Sie auch zum Thema:

    Mit einer Prognose, auf wie viel Geld die Länder verzichten müssten, halten sich die Wissenschaftler zurück. Sie verweisen aber auf eine Schätzung der Bundesregierung, wonach bei Einführung eines Freibetrags in Höhe von 250.000 Euro jährlich 5,5 Milliarden Euro weniger in die Landeskassen gespült würden. Einen solchen Betrag könnte man nach Ansicht des DIW aber gut wieder hereinholen, wenn man die umstrittenen Share-Deal-Regelungen einschränken würde.

    Sparanreize durch Wohnungsbauprämie

    Ein weitgehend positives Fazit zieht das DIW bei der Wohnungsbauprämie: Ungeachtet der geringen Summen sparen die geförderten Haushalte häufiger, mehr und länger – was dazu führt, dass sie früher oder überhaupt das Abenteuer Immobilienkauf wagen. Die Forscher setzen darauf, dass die zum Jahresanfang in Kraft getretene Reform die Sparquote bei geringen und mittleren Einkommen steigen lässt.

    In den zurückliegenden Jahren hätten sich die Summen nicht an der Einkommensentwicklung orientiert, wodurch die Prämie nahezu in die Bedeutungslosigkeit versunken war. Hochrechnungen des DIW zeigen, dass die Zahl der prämienberechtigten Haushalte, die bisher noch keinen Bausparvertrag abgeschlossen haben, mit der Reform um 6,9 Millionen steigen dürfte.

    Und: Die Sparquote bei den Neu-Einsteigern steigt, bei den unteren bis mittleren Einkommen mit 4,7 Prozentpunkten sogar überdurchschnittlich stark. Unter der Annahme, dass 238.000 Haushalte tatsächlich einen Bausparvertrag neu abschließen, würde das den Staat insgesamt 655 Millionen Euro kosten.

    Ganz zufrieden ist Michelsen mit der zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Reform trotzdem nicht: „Man müsste deutlich mehr Geld in die Hand nehmen“, sagt er und schlägt vor, die Prämie mit der Arbeitnehmerzulage zu kombinieren und insgesamt nach Einkommen zu staffeln.

    Kaufmodell für besondere Fälle

    Freilich reicht die Wohnungsbauprämie allein nicht, um Einkommensschwächere wirklich zum Bau oder Kauf zu bewegen. Deswegen legen die DIW-Experten mit einem „Sozialkaufmodell“ nach, einer nachjustierten Variante des Mietkaufmodells, das auch in den Wahlprogrammen mancher Parteien auftaucht: Der Staat verdoppelt einmalig und nur in bestimmten Situationen das Eigenkapital, mit dem die Bewohner von geförderten Wohnungen dann über die Zeit Eigentümer ihrer vier Wände werden sollen. „Wir glauben, dass wir etwa 5000 Haushalte pro Jahr so neu ins Eigentum bekommen würden“, sagt Michelsen.

    Zu den besonderen Situationen zählt für das DIW etwa, wenn ein Mehrfamilienhaus von Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt werden soll. Kombiniert man dann den Sozialkauf-Vorschlag mit einer Grunderwerbsteuerbefreiung, lägen die Kosten für den Staat bei 200 Millionen Euro pro Jahr. Gleichzeitig wären die Mitnahmeeffekte dank der konkret definierten Situationen geringer als bei manch anderer Subvention, die in den vergangenen Jahren über die Tische politischer Entscheider ging. Davon ist man jedenfalls am DIW überzeugt.

    Mehr: Chancen nach dem Boom: Wo sich Wohnimmobilien jetzt noch lohnen.

    Startseite
    Mehr zu: Wohneigentum - DIW-Studie: Drei Wege, um aus Mietern Eigentümer zu machen
    0 Kommentare zu "Wohneigentum: DIW-Studie: Drei Wege, um aus Mietern Eigentümer zu machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%