Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wohnen in Berlin und Wien Zwei Hauptstädte, ein Problem

Seite 2 von 3:
„75 Prozent der Mieten sind reguliert“

Auf der anderen Seite steht Wien, dessen Immobilienmarkt eine ganz besondere Struktur aufweist: „75 Prozent der Mieten sind in Wien reguliert“, erklärt Daniel Riedl, CEO des Immobilienentwicklers Buwog mit Sitz in Wien. Die Buwog ist sowohl in Berlin als auch Wien aktiv. Die starke Regulierung hat Riedl zufolge Auswirkungen auf die Rendite. „In Österreich liegt die durchschnittliche Rendite im Buwog-Portfolio bei 4,4 Prozent und in Deutschland bei 7,4 Prozent“.

Woher kommt diese extreme Regulierung? In Wien ist sie tatsächlich historisch bedingt. 1917 wurden die Mieten eingefroren, um den Markt vor Überhitzung zu schützen. Bekannt wurde die Maßnahme unter dem Begriff „Friedenszins.“ Während des Ersten Weltkriegs waren die Wohnungen in der Stadt hoffnungslos überbelegt und um Soldaten und Bürger vor steigenden Mieten zu schützen, fror die Stadt mit dem „Friedenszins“ die Mieten ein.

Wo die Mieten steigen werden
Frühling in der Stadt
1 von 15

Wo die Mieten am stärksten steigen werden
Platz 5: Berlin
Die Bundeshauptstadt hat etwa 3,5 Millionen Einwohner. Der Wohnungsmarkt von Berlin ist zweigeteilt. Im ehemaligen DDR-Gebiet der Hauptstadt findet man günstigere Wohnungen, als im Westbereich der Stadt – noch. Mittlerweile verwässern die Unterschiede immer mehr. Das erkennt man auch an den Quadratmeterpreisen, die seit Jahren steigen.
Preis pro Quadratmeter (2014): 7,70 Euro
Erwarteter Anstieg 2015: + 4,9 Prozent
Quelle: Immobilienscout24.

(Foto: dpa)
Augsburg
2 von 15

Platz 4: Augsburg

Mit knapp 280.000 Einwohnern ist Augsburg hinter Nürnberg und München die drittgrößte Stadt in Bayern. Die geografisch günstige Lage und der gute Zustand der Infrastruktur machen die Stadt zu einem beliebten Unternehmensstandort, unter anderem für Osram, MAN und Fujitsu. Die Arbeitslosenquote liegt bei nur vier Prozent.

Preis pro Quadratmeter (2014): 7,71 Euro
Erwarteter Anstieg 2015: + 5,1 Prozent

(Foto: dpa - picture-alliance)
8762294
3 von 15

Platz 3: Heilbronn

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung stiegen die Mieten in den vergangenen Jahren in Heilbronn nur moderat. Nun allerdings setzen in der 120.000-Einwohner-Stadt Nachholeffekte ein. Der Preis pro Quadratmeter wird 2015 laut Immobilienscout-Prognose voraussichtlich um 5,2 Prozent steigen. Absolut gesehen bleibt der Preis allerdings noch auf einem erträglichen Niveau. Im Vergleich zu anderen Großstädten besteht noch ein Abstand von knapp zwei Euro.

Preis pro Quadratmeter (2014): 7,73 Euro
Erwarteter Anstieg 2015: + 5,2 Prozent

Semperoper Dresden
4 von 15

Platz 2: Dresden

Semperoper, Frauenkirche und viele andere architektonisch wertvolle Bauwerke säumen die Innenstadt in Dresden. Seit dem Mauerfall erlebt die Stadt einen wirtschaftlichen Aufstieg. Zusammen mit Leipzig gehört Dresden zu den am stärksten prosperierenden Städten im ehemaligen Staatsgebiet der DDR. Daher verwundert es nicht, dass die Immobilienpreise in Dresden von Jahr zu Jahr steigen.

Preis pro Quadratmeter (2014): 6,89 Euro
Erwarteter Anstieg 2015: + 5,4 Prozent

(Foto: dpa)
Braunschweiger Rathaus
5 von 15

Platz 1: Braunschweig

In der Nachbarschaft von Wolfsburg und Salzgitter hat sich Braunschweig als Industriestandort etabliert. Der wirtschaftliche Aufstieg geht mit einem Anstieg der Einwohnerzahl in Braunschweig einher. Die zunehmende Zahl an Erwerbstätigen in der Stadt hat zur Folge, dass Immobilienbesitzer höhere Preise für ihre Objekte verlangen können. 2015 wird in keiner anderen Stadt Deutschlands der Quadratmeterpreis so stark steigen wie in Braunschweig.

Preis pro Quadratmeter (2014): 7,16 Euro
Erwarteter Anstieg 2015: + 5,5 Prozent

(Foto: dpa)
Deutscher Steinkohlebergbau
6 von 15

Wo die Mieten stagnieren

Bottrop

Der Steinkohleabbau in Bottrop würde ohne Subventionen wirtschaftlich kaum noch einen Sinn haben. Die Stadt befindet sich deswegen in einem langsamen Strukturwandel. Arbeitnehmer in der Stadt, vor allem die älteren, müssen sich an die Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erst einmal anpassen. Eine Steigerung der Immobilienpreise ist daher kaum möglich.

Preis pro Quadratmeter (2014): 5,87 Euro
Veränderung 2015: - 1,2 Prozent

(Foto: dpa)
Atlantic Hotel und Havenwelten
7 von 15

Bremerhaven

Das Atlantic Hotel Sail City in Bremerhaven ist der Hingucker der Stadt. Es ähnelt in seiner Bauform dem Burj Al Arab Jumeirah in Dubai. Doch der imposante Bau kann die wirtschaftlichen Probleme der Region nicht verbergen. Immobilien kann man in Bremerhaven besonders günstig ergattern. In Zukunft soll die durchschnittliche Angebotsmiete sogar noch weiter fallen.

Preis pro Quadratmeter (2014): 5,17 Euro
Veränderung 2015: - 0,3 Prozent

(Foto: dpa)

Das führte auch dazu, dass viele Mietwohnungen an die Nachfahren vererbt wurden. Es entstand durch die Regulierung also eine Art Eigentumsverhältnis am Wiener Mietenmarkt. Die Situation, die sich heute durch diese auf die Moderne angepasste Maßnahme darstellt, unterstreicht vor allem die Prämisse „Bezahlbarer Wohnraum für alle.“ Die Stadt Wien, die fast 60 Prozent der Wohnungen im Gebiet besitzt, fördert daher sehr stark das soziale Wohnen. In der Realität bedeutet das, dass man selben Haus Mieter antreffen kann, die 1,50 Euro pro Quadratmeter zahlen und Mieter die 12 Euro pro Quadratmeter zahlen.

„Wiener Luxus für Proleten“

Die Debatte um das soziale Wohnen in der Stadt ist nicht neu, schon in den 60-Jahren nahm sie Fahrt auf. Der Architekt Harry Glück, der im Februar 90 Jahre alt geworden ist, baute insgesamt 18.000 soziale Wohnungen in Wien. Die Gemüter erregten sich aber an der Zahl 50, diese beschreibt die Anzahl der Pools, die Glück in seinen Sozialbauten realisieren konnte. Das Prinzip „schnell und billig“, was als Maxime für den sozialen Wohnungsbau bezeichnet werden darf, kehrte Glück damit um.

Er selbst wollte „das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl schaffen“, sagte er dazu. Von konservativen Politikern wurden die Projekte als „Luxus für Proleten“ verschrien. Um heute eine staatliche Förderung zum Wohngeld zu erhalten sind die Hürden nicht sehr groß, oft finden sich in den vermeintlichen „Sozialwohnungen“ auch mittelständische Familien. Das Angebot für die wirklich Bedürftigen sinkt somit.
Dennoch rücken die Wiener Politiker nicht von ihrem Modell ab. Eine Liberalisierung kommt nicht infrage.

Berlin und Wien stehen damit aktuell vor demselben Problem. Es entsteht nicht genug Mietraum. „Es gibt in Berlin keinen leistbaren Mietneubau“, sagt Riedl. Die Stadt Berlin versucht mit Regulierungsmaßnahmen wie der Mietpreisbremse, dem Milieuschutz und dem Umwandlungsverbot die steigenden Preise in den Griff zu bekommen und die Viertel vor der Gentrifizierung zu bewahren. Für Riedl der falsche Ansatz. Er sieht einen Nachfrageüberhang dem die Städte gerecht werden müssen.

„Wenn Sie in den Markt beim Preis eingreifen, entsteht nicht mehr Angebot“, stellt er klar. Die Diskussion um Mietpreisbremse und das Preisniveau in Deutschland findet Riedl zu extrem. „In Deutschland gibt es keine Immobilienblase, die Preisentwicklung ist im Vergleich immer noch moderat“, erklärt der Experte. Die Maßnahmen in Berlin führen nur zur „Unsicherheit bei den Investoren“, das könnte sich auch auf das Angebot auswirken.

Für Wien ist die Investorensicherheit kein so großes Problem, da die Regulierungen schon lange am Markt akzeptiert sind. „Lokale, meist private Investoren sind bereit hohe Preise zu bezahlen und niedrige Renditen zu akzeptieren“, sagt Riedl.

40.000 neue Sozialbauten
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wohnen in Berlin und Wien - Zwei Hauptstädte, ein Problem

3 Kommentare zu "Wohnen in Berlin und Wien: Zwei Hauptstädte, ein Problem"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Eine Kombi aus Mietpreisdeckelung in der Innenstadt und Neubau in den Randbezirken muss her.
    Denn in der Innenstadt ist in Berlin eine hohe Besiedlungsdichte erreicht und hier könnte aus reinem Mangel nur die Preise steigen ,und wenn die Innenstadt tabu ist,dann bauen Investoren aufgrund der Nachfrage auch in den Aussenbezirken.

  • Deutschland hat große Platzprobleme. Die Einwohnerdichte ist gigantisch, darum müssen fortschrittliche Technologien wie Vertical Farmin gefördert werden, um den notwendigen Platz für die Agrarwirschaft zu reduzieren! Der dardurch frei werdende Baugrund reduziert dann auch die Mietpreise.

  • In einem modernen Stadtbild muss es möglich sein auch in die Höhe zu bauen. In der Breite ist kein sinnvoller Wohnraum mehr zu schaffen. Die Argumentation für Sozialwohnung kann ich gut verstehen. Es gibt nun mal auch schlechte bezahlte Jobs in den Innenstädten, trotzdem sollten diejenigen nicht jeden Tag 2h im öffentlich Nahverkehr festhängen nur weil die Wohnung so weit außerhalb liegt.

Serviceangebote