Wohnungsbau „Wir hinken enorm hinterher“

Der Bau von bezahlbarem Wohnraum soll angekurbelt werden. Dazu hat sich die deutsche Immobilienwirtschaft einige Maßnahmen überlegt. Das Bundesbauministerium räumt ein, der Nachfrage aktuell nicht nachzukommen.
Baustelle in Dresden im Sommer 2015. Quelle: dpa
Wohnungsbau

Baustelle in Dresden im Sommer 2015.

(Foto: dpa)

MünchenDie deutsche Immobilienwirtschaft hat sich für ein Bündel von Maßnahmen ausgesprochen, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum in Deutschland anzukurbeln. Neben Steuererleichterungen und Investitionsförderungen sprachen sich Branchenvertreter am Dienstag auf der Immobilienmesse Expo Real in München auch für bessere baurechtliche Bedingungen aus. Auf der Messe zeigen bis Donnerstag fast 1800 Aussteller neue Lösungen und Produkte für die Immobilien- und Investmentindustrie.

In vielen Kommunen fehle bezahlbares Bauland und gegen Bauprojekte formiere sich rasch Widerstand in der Bevölkerung, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko. Die geplante Baugesetzbuch-Novelle müsse hier Abhilfe schaffen.

Pro Jahr werden nach aktuellen Schätzungen in Deutschland rund 350 000 bis 400 000 neue Wohnungen benötigt. Experten glauben aber, dass erst 2017 die Marke von 300 000 fertig gestellten Wohnungen überschritten wird.

Wo die Deutschen wohnen wollen – und wo lieber nicht
So nicht!
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Ein zerstörtes Haus an einem abgelegenen Waldweg in Mirow an der Mecklenburgischen Seenplatte: Das dürfte so ziemlich das letzte Objekt sein, nach dem deutsche Immobilieninteressenten suchen. Laut einer gemeinsamen Studie des Baufinanzierers Interhyp und dem Immobilienportal Immobilienscout24 zieht es die Deutschen in die Städte – und in deren Speckgürtel. Abgesehen von der Lage achten potenzielle Hauskäufer demnach auch auf die ärztliche Versorgung und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Doch was schreckt Interessenten ab? Die fünf „No-Gos“ bei Immobilien.

Platz 5: Fehlende Garage/kein Parkplatz
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Erst einmal drei Kilometer laufen, bis man vom Parkplatz nach Hause gefunden hat? Für 22 Prozent der befragten Immobilieninteressenten kommt das nicht infrage. Eine Immobilie ohne angeschlossenen Stellplatz stellt damit für mehr als jeden Fünften ein absolutes Ausschlusskriterium dar.

Platz 4: Dunkle Räume/wenig Licht
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Was für diese beiden Störche gut genug ist, reicht vielen Hausbesitzern nicht: Immobilien mit schlechter Beleuchtung oder zu dunklen Räumen finden häufig keinen Käufer. Immerhin 25 Prozent der Befragten gaben an, eine Immobilie allein deshalb nicht kaufen zu wollen.

Platz 3: Kein Garten
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Ein Balkon mag schön sein, auf einen Garten wollen die meisten Hauskäufer trotzdem nicht verzichten. 27 Prozent der Immobilieninteressenten gaben an, bei fehlendem Garten von einem Hauskauf Abstand nehmen zu wollen.

Platz 2: Problematische Nachbarschaft
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Der AfD-Politiker Alexander Gauland sagte im Mai, er glaube nicht, dass eine Mehrzahl der Deutschen den Nationalspieler Jérôme Boateng gern in ihrer Nähe wohnen hätte. Viele antworteten darauf empört, neben Gauland wollten sie auch nicht wohnen. Das aktuelle Immobilienbarometer aber zeigt: Die Nachbarschaft ist Immobilienkäufern weniger wichtig geworden. Nur rund 36 Prozent gaben an, bei einer problematischen Nachbarschaft lieber ein anderes Objekt kaufen zu wollen. Im Immobilienbarometer 2010 waren es noch 64 Prozent.

Platz 1: Lärm
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Ärger mit den Nachbarn, keine Garage, zu wenig Licht – alles verschmerzbar, solange eines stimmt: die Lautstärke. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) will auf den Kauf einer Immobilie verzichten, wenn sie nahe einer großen Straße oder einer anderen Lärmquelle liegt. Damit verdrängt der Lärm die problematische Nachbarschaft von Platz 1 der absoluten „No-Gos“ für Hauskäufer.

Wo die Deutschen wohnen wollen
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Wie die Umfrage des Baufinanzierers Interhyp und des Immobilienportals Immobilienscout24 ergab, wollen etwa die Hälfte der Deutschen Haus oder Wohnung am liebsten mitten in der Stadt kaufen. Die endgültige Entscheidung hängt aber von einer Reihe anderer Lagekriterien ab. Was Immobilienkäufern am wichtigsten ist.

Im ersten Halbjahr kletterte die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt zwar um 26 Prozent auf 213 600 Wohnungen – doch auf Mietshäuser mit drei und mehr Wohnungen entfielen davon nur knapp 95 000. „Wir hinken da enorm hinterher“, räumte der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Gunther Adler, bei der Veranstaltung ein. Gerade der Druck auf Familien mit mittlerem Einkommen durch Mietbelastungen sei sehr hoch.

Zu den konkreten Branchenforderungen gehört eine Erhöhung der linearen Abschreibung auf die Abnutzung von Wohngebäuden auf mindestens drei Prozent. Die Branche hatte bereits eine bundesweite Senkung der Grunderwerbsteuer sowie eine „Wohnungsfreizugsprämie“ für Bürger, die eine Eigentumswohnung zur eigenen Nutzung kaufen, ins Spiel gebracht.

  • dpa
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