Zukunftsvision für Deutschland? Schweden kämpft mit überhitzten Immobilienpreisen

Schweden hat das, was man in Deutschland fürchtet: überhitzte Immobilienpreise und hoch verschuldete Privathaushalte. Die Regierung hat reagiert – nur ob die Maßnahmen ausreichen, ist mehr als fraglich.
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Für die eigene Immobilie sind Schweden bereit, sich hoch zu verschulden. Zu hoch, meint ihre Regierung.
Trügerische Idylle

Für die eigene Immobilie sind Schweden bereit, sich hoch zu verschulden. Zu hoch, meint ihre Regierung.

StockholmEs waren ungewöhnlich deutliche Worte, die der schwedische Zentralbankchef Stefan Ingves Ende vergangener Woche aussprach. „Die Immobilienpreise und die Verschuldung der Haushalte steigen weiterhin“, erklärte er mit sorgenvoller Mine. „Dadurch sind sowohl Haushalte als auch Banken verletzbarer geworden.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der schwedische Zentralbankchef vor der hohen Privatverschuldung warnt. Immer wieder hatte Ingves die Politik aufgefordert, Maßnahmen gegen die seiner Meinung nach zu großzügige Kreditvergabe seitens der Banken vorzugehen und die Steuervorteile für Kreditnehmer abzubauen. Tatsächlich hat die rot-grüne Minderheitsregierung in Stockholm nun reagiert: Seit dem 1. Juni müssen Immobilienkredite bis hinunter zu einer Beleihungsquote von70 Prozent mit zwei Prozent jährlich getilgt werden. Beträgt die Hypothek nur noch die Hälfte des Immobilienwertes, sinkt die jährliche Tilgung auf ein Prozent.

Wo die Preise besonders stark steigen
Wohneigentum wird teurer
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Egal ob Hamburg, Berlin oder München: Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen in deutschen Großstädten steigen jedes Jahr aufs Neue – mancherorts allerdings stärker als woanders. Das Immobilienportal „Immowelt“ hat aktuelle Preise für Wohnungen aus dem eigenen Angebot in den 14 größten Städten des Landes miteinander verglichen. Im Schnitt stiegen die Kaufpreise seit der letzten Erhebung 2015 von 2506,43 Euro pro Quadratmeter auf 2879,14 Euro – also um rund 14,9 Prozent.

Platz 14: Hamburg
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Absolut betrachtet gehört die Hansestadt mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3839 Euro eher zu den teureren Pflastern der Bundesrepublik. Doch im Vergleich zum Vorjahr, als der Wert bei 3677 Euro lag, ist der Preisanstieg in Hamburg noch am geringsten – er beträgt lediglich vier Prozent.

Platz 13: Dortmund
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Mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 1278 Euro pro Quadratmeter liegt Dortmund im unteren Drittel der 14 größten deutschen Städte. Ein Jahr zuvor kostete der Quadratmeter noch 1193 Euro. Der Preis stieg also um sieben Prozent.

Platz 12: Düsseldorf
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Im Regionalvergleich ist Düsseldorf etwas teurer als nahegelegene Städte wie Dortmund oder Essen. National betrachtet liegt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt mit 2875 Euro jedoch ziemlich nahe am Durchschnittswert. 2015 war das noch anders: Da lag Düsseldorf mit einem Quadratmeterpreis von 2679 Euro fast 200 Euro darüber. Entsprechend gering ist die Preissteigerung: Sie beträgt sieben Prozent.

Platz 11: Berlin
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Teurer als in Düsseldorf sind die Eigentumswohnungen in Berlin. Für einen Quadratmeter müssen Käufer hier einen Preis von 3353 Euro bezahlen. Vor einem Jahr waren das noch 3048 Euro – und damit rund zehn Prozent weniger.

Platz 10: Dresden
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Frauenkirche, Schloss und Semperoper ziehen konstant Tausende Touristen an. Doch wer in Dresden eine Wohnung kaufen will, der hätte besser schon vor einem Jahr zugeschlagen. Lag der Quadratmeterpreis damals noch bei 1866 Euro, sind es heute 2057 Euro – und damit rund zehn Prozent mehr.

Platz 9: Frankfurt
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Mit einem Quadratmeterpreis von 4184 Euro liegt die Bankenmetropole Frankfurt deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt für Eigentumswohnungen. Seit 2015 sind die Preise um elf Prozent angestiegen – damals kostete der Quadratmeter noch 3786 Euro.

Solche Zwänge gab es bislang nicht. Viele Schweden haben in den vergangenen Jahren Immobilienkredite aufgenommen, die in den ersten zehn Jahren nicht abbezahlt werden mussten. Dank der rekordniedrigen Hypothekenzinsen war das Schuldenmachen für viele Schweden äußerst attraktiv. Zudem fördert der Staat das Leben auf Pump auch noch steuerlich, da ein knappes Drittel der pro Jahr anfallenden Kreditzinsen von der Steuer abgesetzt werden können.

Insgesamt haben die neun Millionen Einwohner Schwedens zusammen 3.328 Milliarden Kronen (359 Milliarden Euro) an Schulden. Diese hohe Verschuldung ist nicht nur dem Zentralbankchef seit Längerem ein Dorn im Auge. Auch die schwedische Finanzaufsicht FI warnte vergangene Woche: „Hochverschuldete Haushalte sind in erster Linie ein Risiko für die ökonomische Stabilität, da sie ihren Konsum deutlich einschränken und so eine künftige konjunkturelle Schwäche noch verstärken können“, erklärte FI-Chef Erik Thedéen. Er will mit den Chefs der größten Banken des Landes in den kommenden Wochen beraten, wie der Haushaltsverschuldung beizukommen ist.

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15 Kommentare zu "Zukunftsvision für Deutschland?: Schweden kämpft mit überhitzten Immobilienpreisen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gegen Markt- bzw. Preisüberhitzung bei Dingen, die jeder braucht (z.B. ein Dach über dem Kopf) hilft nur eins:

    Angebot und Nachfrage wieder halbwegs ins Lot bringen.

    Das kurbelt übrigens auch die Wirtschaft an.

  • Natürlich wieder der Fink-Troll

  • Sehr lustig Delli-Troll
    aber das niedrige, bildungsferne Niveau entlarvt dich immer wieder.

  • Kredit zurück bezahlen, was für eine verrückte Idee. Kann nur von einer Regierung kommen.

  • Mir fällt wirklich nichts neues zu dem Artikel ein, aber alle 15 Minuten schaue ich hier alles durch, und das ist momentan die einzige freie Kommentarmöglichkeit :(

  • Laut UNO wird Schweden bis zum Jahre 2020 ein Entwicklungsland sein, kann jeder nachlesen, ob da Immobilien noch helfen scheint mir fraglich zu sein,

  • Falsch, Handelsblatt! Über 70% sind es 2% verbindliche Tilgung p.a., zwischen 70% und 50% 1% Tilgung p.a., darunter 0% p.a.

  • ...aus meiner Erinnerung ist die schwedische Finanzpolitik nicht ganz unschuldig an der hohen Verschuldung der schwedischen Bevölkerung.
    Haus, Einrichtung, Auto (aufs Auto extreme Luxussteuer) und Unterhaltungselektronik wurden alle auf Kredit gekauft, weil man in Schweden jede Art von Kredit steuerlich absetzen konnte und sich das bei den hohen schwedischen Steuerabgaben lohnte, damit vom Einkommen überhaupt noch etwas übrig blieb......
    Ob das noch so ist entzieht sich meiner Kenntnis, bis in die 90iger war es aber so.

  • Das ist schon widersprüchlich; auf der einen Seite befördern Staaten wie etwa Schweden die ungehemmte Aufnahme von Krediten z.B. durch steuerliche Absetzbarkeit eines Teils der Kreditzinsen.

    Auf der anderen Seite monieren genau diese Leute (Politiker) die damit einhergehenden finanziellen Risiken für Kreditgeber und -nehmer sowie der Gesamtwirtschaft, da der Konsum darunter leide.

    Solange es bei der gigantischen EU-Subventionspolitik bleibt und die Leute annehmen, ein Haus werde umso wertvoller je mehr Zeit ins Land geht, solange schwebt das Damoklesschwert der Immobilienblase sowie des Totalzusammenbruchs über allem ...

    Das dürfte Jedem klar sein; ist eine einfache Wirtschaftslogik.

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