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Zwischenvermietung Airbnb setzt mit eigenen Immobilien auf die Zukunft

Der Vermittler von Wohnungen auf Zeit will noch in diesem Jahr ins Baugeschäft einsteigen. Es wäre der nächste große Schritt für das Tech-Unternehmen.
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„Yoshino Cedar House 2“ gilt als Prototyp für die neuen Ambitionen von Airbnb. Quelle: airbnb
Airbnb in Japan

„Yoshino Cedar House 2“ gilt als Prototyp für die neuen Ambitionen von Airbnb.

(Foto: airbnb)

San FranciscoWer die Zukunft von Airbnb sehen will, muss nach Japan fahren. Im ländlichen Yoshino, gut eine Autostunde südöstlich der Metropole Osaka, schmiegt sich das kleine Dorf an das Nara-Gebirge. Yoshino ist berühmt für das naheliegende Yoshinoyama, eines der spektakulärsten Gebiete, um in einem Meer von Tausenden Bäumen die traditionelle Kirschblüte zu genießen. Hier steht an einem Flussufer das malerische Yoshino Cedar House 2. Es ist eine Kooperation des Tokioter Architekten Go Hasegawa, des Airbnb-Designstudios Samara und der Gemeinde Yoshino.

Die Gemeinde betreibt das Haus. Wenn Gäste kommen, steht immer ein einheimischer Gastgeber bereit, um die Schlüssel zu übergeben und zu helfen. Das 2016 in japanischer Tradition gebaute Haus ist das erste Airbnb-Objekt seiner Art. Es war der Versuchsballon für Airbnbs Zukunft.

Die Plattform für die Wohnungszwischenvermietung hat erst die Hotelindustrie auf den Kopf gestellt, jetzt ist der Markt für Bau und Vermietung von Wohnimmobilien dran. Es wäre eine Zäsur für das elf Jahre alte Unternehmen. Ein Beginn könnte sein, in aller Welt in kleinen Dörfern wie Yoshino Airbnb-Häuser zusammen mit den Gemeinden zu errichten, um Tourismus und Wirtschaft zu fördern – und natürlich das Geschäft mit Airbnb.

Ende 2018 folgte der zweite Schritt mit dem Start von „Backyard“, also Hinterhof. Zunächst wurde angenommen, Airbnb plane den Entwurf von kleinen zusätzlichen Häusern, die in einem Garten aufgestellt werden können. Solche Gartenhäuser, oft umgebaute Geräteschuppen, werden schon heute gerne zur Vermietung angeboten. Doch das sei so nicht der Fall, klärte Airbnb-Mitgründer und Projektleiter Joe Gebbia bei der Vorstellung des Projekts Ende 2018 auf. Vielmehr musste seine Projektgruppe aus Platzgründen in einem Gebäude außerhalb der Zentrale in San Francisco untergebracht werden – sozusagen im Hinterhof. Daher der Name.

Backyard soll Informationen über neue Baustoffe, Baukonstruktionen oder smarte Häuser sammeln und Pläne für Airbnb-Wohnungen, -Häuser oder -Wohnanlagen entwickeln. Nachdem man die Bauindustrie lange beobachtet und analysiert hatte, so Gebbia, gab es nur ein Fazit: „Wir müssen auf einem leeren Blatt Papier anfangen.“

Wie so etwas aussehen könnte, beschreibt Chris Lehane, Topmanager für die Kontakte zu Politik und Wirtschaft bei Airbnb, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er ist Airbnbs Partner für Kommunen, Regierungen und Behörden und soll die Interessen von Gemeinden mit denen von Airbnb in Einklang bringen.

Lehane schwärmt von Airbnb-Wohnanlagen, in denen Portiers die Gäste begrüßen, wenn die Gastgeber verreist sind. Die Wohnungen selbst sind alle mit vergleichbarem Basiskomfort und kleinen Sicherheitszimmern ausgestattet. Dort lagern wichtige Dokumente, Kunstwerke oder andere Wertgegenstände während der Abwesenheit der Eigentümer.

Airbnb übernimmt für die Gastgeber die Kommunikation mit den Tourismus- und Steuerbehörden, führt Abgaben ab. Servicepersonal übernimmt die Reinigung. Passiert etwas, sind Airbnb-Kunden und Gastgeber versichert. So, verspricht Lehane, sind alle zufrieden: Die Gemeinden bekommen ihre Steuern, die Vermieter zusätzliches Einkommen, Airbnb kassiert Gebühren. Sind die Einheiten Miet- statt Eigentumswohnungen, fließt ein Teil der Airbnb-Miete auch an die Eigentümer.

Schon heute spricht Airbnb mit Bauträgern und hofft auf Kooperationen, vor allem während der frühen Vermittlungsphase, wenn noch viele Einheiten leer stehen. Sie könnten bis zum Verkauf oder der Vermietung als Kurzzeit-Mietobjekte genutzt werden. Es könnte ein gigantisches Geschäft werden, meint Gebbia, vielleicht sogar größer als das eigentliche Vermittlungsgeschäft. Der Markt ist riesig: Nach UN-Berechnungen könnten bis 2060 weltweit rund 230 Milliarden Quadratmeter neuer Wohnraum entstehen.

Zum Vergleich: Pro Jahr würden so mehr als anderthalb Mal so viele Quadratmeter Wohnung entstehen, wie es derzeit in Deutschland gibt. Nachhaltiges und smartes Bauen wird da zum Muss. „So veraltet, wie heute gebaut wird“, so Gebbia, „entsteht eine ungeheure Menge Abfall.“ Das sei ökologisch auf Dauer nicht vertretbar.

Ringen um Standards

Airbnb ist nicht der einzige Silicon-Valley-Riese, der neuerdings auf Betongold setzt. Bestes Beispiel ist die We Company, die über die Plattform WeWork Arbeitsplätze oder ganze Büros an Firmen und Freiberufler vermietet. Das Unternehmen wird derzeit mit 47 Milliarden Dollar bewertet und könnte einer der spektakulärsten Börsengänge von 2019 werden. WeWork mietet einen Großteil der Büroräume selbst und vermietet sie weiter. Zunehmend kauft das Unternehmen Flächen aber auch an.

Google plant mit seiner Tochter Sidewalk Labs derzeit einen ganzen Stadtteil in Toronto, vollgestopft mit smarter Technologie in allen Häusern, Plätzen und Straßen. Nachdem New York den Tech-Konzern Amazon mit seinen Bauplänen dieses Jahr spektakulär vor die Türe gesetzt hat, wächst mittlerweile aber auch die Opposition für das Riesenprojekt in Kanada, dessen Geschäftsmodell und Privatsphäreregeln vielen Bürgern zu intransparent sind.

In solchen Dimensionen denkt Airbnb deshalb lieber gar nicht. Da scheint dann doch wieder das kleine Airbnb-Haus im Garten durch oder die moderne Wohnanlage mit Community-Center, sozusagen ein Ferienressort mit Einliegerwohnungen.

Denn selbst bei Gartenhäusern droht Airbnb ein Problem. Seit Jahren versucht der Riese des Vermietungsmarktes, einheitliche Mindeststandards für die Mietobjekte durchzusetzen. Störend kommen da Angebote auf Amazon daher. Ab gut 7.000 Dollar werden Gartenhäuser zur Selbstmontage angeboten, die dann oft als Einkommensquelle im Garten das Rentenalter sichern sollen. Doch diesen Objekten mangelt es an allem, angefangen vom Fundament über Heizung, Isolierung oder Sanitär. Es bleibt dem Käufer und seinem Geldbeutel überlassen, wie gut die Hütte ausgestattet wird.

Das Problem: Fehlen Qualität und Komfort bei einem Aufenthalt, fällt der Ärger der Kunden auch auf Airbnb zurück. Noch in diesem Jahr sollen daher die ersten fertigen Projekte von „Backyard“ präsentiert werden, so Airbnb.

Wie das ungefähr aussehen soll, will das Unternehmen nicht verraten. Denkbar sind verschiedene Lösungen. Ein Beispiel wären von Airbnb geprüfte und vielleicht sogar finanzierte Mietunterkünfte, bei denen sich ein Käufer zu Mindeststandards verpflichten muss. Das Vorbild: Uber. Der Taxi-Konkurrent bietet Fahrern Kauf und Finanzierung von Autos an, wenn das eigene Gefährt nicht durch die Qualitätsprüfung kommt.

Wer sich in Yoshino selbst ein Bild vom Vorläufer der jüngsten Airbnb-Ambitionen machen will, muss sich sputen. Zum Redaktionsschluss waren bis Ende 2019 nur noch sechs Tage für Buchungen verfügbar. Bis Ende April 2018 hatten laut Airbnb 346 Gäste aus 30 Nationen in dem Haus übernachtet und 25.000 Dollar an Mieteinnahmen erbracht. Andere Airbnb-Gastgeber in der Nachbarschaft hätten noch einmal 50.000 Dollar eingenommen. Viel Geld für ein abgelegenes Dorf in Japan.

Mehr: Apples Einzelhandelschefin Angela Ahrendts stößt als neues Vorstandsmitglied zum Unterkünftevermittler. Die 58-Jährige soll Airbnb dabei helfen, das Geschäftsmodell breiter aufzustellen.

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