Abgas-Affäre bei VW Kompletter Rückzug aus den USA?

Schwache Umsätze und rote Zahlen in Amerika können laut einem Autoexperten einen Rückzug von VW auf dem US-Markt zur Folge haben. Die Aktie jedenfalls kratzt nach den deutlichen Verlusten wieder an der 100-Euro-Marke.

Nach VW-Schock und China-Sorgen: Neuer Monat, neues Glück?

Wolfsburg/HannoverNach dem Abgas-Skandal bringt ein Autoexperte einen Rückzug der Marke Volkswagen aus dem US-Markt ins Gespräch. „Ein Komplettausstieg der Marke Volkswagen-Pkw in den USA sollte in Erwägung gezogen werden“, schrieb Nord-LB-Analyst Frank Schwope am Donnerstag.
Da der Konzern nach Jahren mit Verlusten seit 2007 keine Gewinnkennzahlen mehr für Nordamerika veröffentliche, könne man annehmen, dass in den vergangenen 15 Jahren insgesamt „eher (deutliche) Verluste als Gewinne in den USA angefallen sind.“

Das sind die neuen mächtigen Männer bei VW
Der Vorstandschef
1 von 8

Matthias Müller steht vor einem fast unentwirrbaren Knäuel von Problemen: Der neue Chef von Volkswagen muss nicht nur die Aufklärung der Abgas-Affäre vorantreiben, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und den finanziellen Schaden durch drohende Strafzahlungen und Schadensersatzklagen begrenzen. Der bisherige Porsche-Chef muss nach Ansicht von Konzerninsidern auch die zentralistischen Strukturen im Wolfsburger Machtapparat aufbrechen, die ihm Martin Winterkorn hinterlassen hat. Vor allem die Kultur der Angst, die nach Ansicht vieler Experten den Abgas-Skandal begünstigt hat, muss weg. Und schließlich muss der 62-Jährige den weltgrößten Autobauer fit für die Digitalisierung machen, um gegen IT-Giganten wie Google und Apple zu bestehen.

Der Vorstand
2 von 8

BMW kehrte er den Rücken, als er nicht Vorstandschef wurde. Jetzt ist Herbert Diess auch im VW-Konzern nur die Nummer zwei – vorerst. Der Münchener ist ein brillanter Ingenieur und ein guter Netzwerker. Diess braucht keine Seilschaften, er sucht sich seine Verbündeten situativ. Schon vor seinem Amtsantritt im Juli inspizierte er die Werke und knüpfte enge Bindungen mit Betriebsratschef Osterloh. Diess wird die Modellpalette entrümpeln und die Kosten bei den Zulieferern drücken. Macht er seinen Job gut, kann er Müller eines Tages ablösen.

Der Audi-Chef
3 von 8

Beim Autorennen in Le Mans bekämpften sich Porsche und Audi bis aufs Messer. Jetzt müssen Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Boss Matthias Müller eng zusammenstehen. Denn ohne die Gewinne von Audi wird die Mutter VW die kommenden Belastungen nicht stemmen können. Anders als Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg gilt Stadler in der Abgasaffäre als eher unverdächtig. Stadler ist gut vernetzt im VW-Konzern und kennt die Entscheidungswege. Als ehemaliger Bürochef von Ferdinand Piëch genießt Stadler zudem das Vertrauen des gestürzten Patriarchen.

Der Nordamerika-Chef
4 von 8

Für Volkswagen war Winfried Vahland in vielen Ecken der Welt unterwegs. In den neunziger Jahren baute er die Region Asien-Pazifik mit auf, dann ging es nach Brasilien und Argentinien, nach China und nach Tschechien. Dort führte der 58-jährige Westfale in den vergangenen fünf Jahren die Marke Skoda zu ertragreicher Blüte. Jetzt soll er es jenseits des Atlantiks richten, wo die drei Märkte in den USA, Mexiko und Kanada zur Region Nordamerika zusammengefasst wurden. Vahland hat den Ruf des kommunikativen Machers. Gerade so einen brauchen sie dort jetzt.

Der (politische) Aufseher
5 von 8

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nimmt eine Schlüsselposition bei der Neuordnung von Volkswagen ein. Schon bei der Attacke des früheren Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch auf VW-Boss Martin Winterkorn war der Sozialdemokrat einer der Protagonisten, die sich des Problems annahmen. Führungsstärke zeigte der Landesvater auch in der Dieselaffäre. Als Erster aus dem Aufsichtsrat forderte er eine lückenlose Aufklärung der Manipulationsvorwürfe. Die vergangenen sechs Monate haben dem Politiker Weil eine Seite von VW gezeigt, die er wohl nicht für denkbar gehalten hatte. Sein Amt als Kontrolleur von Europas größtem Industriekonzern will er daher mit größter Sorgfalt weiter wahrnehmen. Den Konzernumbau, der vom neuen VW-Chef Matthias Müller forciert werden muss, wird er genau verfolgen.

Der künftige Aufsichtsratschef
6 von 8

Zwölf Jahre war Hans Dieter Pötsch Finanzvorstand. Immer galt der 64-jährige Österreicher als geradlinig. Und doch fällt jetzt auch ein Schatten auf ihn. Während der gesamten Zeit der Manipulation an Dieselmotoren war er der direkte Mann hinter Martin Winterkorn. Experten halten es für denkbar, dass hier auch das Finanzressort eingebunden war. Pötsch wird deshalb einige Fragen beantworten müssen. Als künftiger Aufsichtsratschef muss sich der groß gewachsene Mann, der bisher eher im Hintergrund die Fäden gezogen hat, an die Spitze der Aufklärung stellen. Die Voraussetzungen sind gut: Pötsch ist erfahren und hat das Vertrauen von Aufsichtsrat und Präsidium. Am 9. November soll er in Berlin auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Der Eigner
7 von 8

Letztlich hat sich Wolfgang Porsche durchgesetzt. Sein Wunschkandidat Matthias Müller wurde zum Nachfolger von VW-Chef Martin Winterkorn berufen. Es war die bequemste und naheliegende Lösung; schließlich kennt er den bisherigen Porsche-Chef seit Jahren. Diese Entscheidung, die von den anderen Aufsichtsräten unterstützt wurde, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Wolfgang Porsche vor allem weggeduckt hat. Auch wenn Porsche für die Öffentlichkeit unauffällig bleibt, so fällt ihm doch eine wichtige Rolle zu. Er muss die nächste Generation von Piëchs und Porsches in die Welt von Volkswagen einführen. Einige dieser sogenannten vierten Generation sind bereits in den Aufsichtsräten des Unternehmens vertreten.

Die Marken Audi und Porsche dürften laut Schwope hingegen deutliche Gewinne auch in den USA einfahren. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte, der Konzern veröffentliche grundsätzlich keine Gewinnkennziffern zu einzelnen Ländermärkten.

Die Schwäche auf dem US-Markt war dem Vernehmen nach ein Grund, warum VW-Patriarch Ferdinand Piëch Anfang des Jahres „auf Distanz“ zu Ex-VW-Chef Martin Winterkorn gegangen war und damit einen Machtkampf bei Europas größtem Autobauer angezettelt hatte. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte das US-Geschäft im vergangenen Jahr als „Katastrophenveranstaltung“ bezeichnet.

Dreistelligkeit im Blick
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%