Aktie im Fokus Heftige Kursturbulenzen bei Wincor Nixdorf

Der Aktienkurs des Geldautomaten-Herstellers Wincor Nixdorf erlebt eine rasante Berg- und Talfahrt. Nach plus 14 Prozent am Mittwoch, geht es heute über 15 Prozent nach unten. Experten liefern gegensätzliche Analysen.
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Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf musste am Freitag seine Jahresprognose nach unter schrauben. Quelle: dpa - picture-alliance
Wincor Nixdorf:

Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf musste am Freitag seine Jahresprognose nach unter schrauben.

(Foto: dpa - picture-alliance)

DüsseldorfIn Deutschland stehen über 56.000 Geldautomaten. 2013 wurden mit ihnen über zwei Milliarden Transaktionen getätigt. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt – die Automaten spucken Tag und Nacht Geld aus. Wincor Nixdorf – Hersteller zahlreicher Geldspender in Deutschland – kann davon derzeit jedoch nur träumen.

Dem Paderborner Konzern schießt das Geld nicht entgegen wie den Nutzern der Geldautomaten. Wincor Nixdorf musste am Freitagabend seine Jahresprognose kassieren. Die Reaktion der Aktionäre fiel dramatisch aus. Die im MDax verzeichneten Papiere rutschten heute zeitweise über 15 Prozent ins Minus auf 38,66 Euro. Das ist der größte Tagesverlust seit der Lehman-Pleite.

Was spricht für, was gegen Aktien?
Pro: Kursgewinne
1 von 8

Wer zum richtigen Zeitpunkt einsteigt, dessen Einsatz lohnt sich allein dank steigender Kurse. Wer zum Beispiel Anfang 1997 zur Rückkehr des Firmengründers Steve Jobs 1000 Dollar in Papiere des am Boden liegenden Computerbauers Apple steckte, ist heute mehr als 200 000 Dollar reicher. Apple ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt.

Pro: Dividenden
2 von 8

Viele Unternehmen beteiligen ihre Anteilseigner am Geschäftserfolg. Bei Europas größtem Versicherer Allianz fällt die Gewinnbeteiligung für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 besonders üppig aus: Der Münchner Dax-Konzern schüttet 6,85 Euro Dividende je Aktie aus. Viele andere Dax-Konzerne heben ihre Dividende an. K+S hebt sie um 25 auf 90 Cent, Continental will statt 2,50 nun 3,25 Euro je Aktie ausschütten.

Pro: Miteigentümer
3 von 8

Wer Aktien kauft, kauft einen Unternehmensanteil. Mit dem Geld werden neue Geschäftsideen oder der Ausbau des bestehenden Geschäfts finanziert. Das trägt im Idealfall auch dazu bei, dass Arbeitsplätze geschaffen werden oder zumindest erhalten bleiben. Angesichts des schwachen Euros und der damit verbundenen verbesserten Ausgangslage des Exportgeschäfts, kann man als Miteigentümer eines Exportunternehmen Geld verdienen.

Pro: Anlagenotstand
4 von 8

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Davon profitieren zwar Kreditnehmer, andererseits wird die bei vielen Deutschen so beliebte Geldanlage auf Sparbuch, Tagesgeld- oder Festgeldkonten kaum noch belohnt. Dass die Menschen zunehmend selbst fürs Alter vorsorgen müssen, zwingt sie dazu mehr Risiko einzugehen. Für ein annehmbares Risiko bekommen sie auf dem Aktienmarkt akzeptable Renditen.

Kontra: Aufs falsche Pferd setzen
5 von 8

Die „Volksaktie“ Telekom startete im November 1996 bei 28,50 Deutsche Mark (14,57 Euro) und kletterte bis März 2000 auf umgerechnet knapp über 100 Euro. Aktuell ist die T-Aktie noch gut 17 Euro wert. Fachleute raten ohnehin dazu, Geld nicht nur in einen Titel zu stecken, sondern möglichst breit zu investieren und die Aktien mehrerer Unternehmen ins Depot zu nehmen, um Schwankungen ausgleichen zu können. Ein zu breite Streuung ist allerdings ebenfalls nicht erbaulich für das Depot, da sonst Gewinne durch Verluste anderer Titel vernichtet werden können.

Kontra: Zum falschen Zeitpunkt einsteigen
6 von 8

Gerade Kleinanleger lassen sich oft von einem Börsenhype mitreißen und steigen ein, wenn die Kurse schon vergleichsweise hoch sind – etwa, weil dann viel darüber berichtet wird. Profi-Investoren machen dann längst schon wieder Kasse und sorgen durch Verkäufe dafür, dass die Kurse wieder sinken. Daher sollten Kleinanleger sich über die Aktienmärkte nicht erst informieren, wenn viel auf ihnen los ist, sondern bereits vorher.

Kontra: Gebühren
7 von 8

Börsenbetreiber und Banken verdienen beim Kauf und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen mit. Verbraucherschützer kritisieren, die Gebührenstruktur sei bisweilen unübersichtlich – zulasten der Kunden.

Noch am Mittwoch waren die Aktien um über 13 Prozent gestiegen. Insider-Informationen, wonach der Konzern die Hilfe eines finanzstarken Investors suche, haben die Aktien derart stark ins Plus katapultiert. Laut der Nachrichtenagentur Reuters habe Wincor Nixdorf Investmentbanken um Unterstützung bei der Suche nach Möglichkeiten gefragt, sein Geschäft voranzutreiben. Dabei werde auch die Übernahme durch einen Finanzinvestor nicht ausgeschlossen. Ein Berater sei aber noch nicht mandatiert und eine endgültige Entscheidung noch nicht gefasst, sagten die Insider. Weitere Informationen zum beschleunigten Konzernumbau seien bei der Veröffentlichung der endgültigen Halbjahreszahlen am 23. April zu erwarten.

Schwache Zahlen und pessimistischer Ausblick

Die Ziele für Umsatz und operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2014/2015 würden nicht erreicht, teilte das Paderborner Unternehmen am späten Freitagabend mit. Bisher hatte Wincor ein moderates Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr sowie eine überproportionale Gewinnsteigerung angepeilt.

In den ersten sechs Monaten sei der Umsatz nach vorläufigen Zahlen aber um zwei Prozent auf 1,21 Milliarden Euro und der Betriebsgewinn (Ebita) um 31 Prozent auf 47 Millionen gesunken. Hauptursache sei eine Schwäche im Hardware-Geschäft, die Kapazitäten dort würden nun reduziert. Die Software- und IT-Service-Sparte werde dagegen ausgebaut. Eine Übernahme durch einen Finanzinvestor könnte einen solchen Ausbau erleichtern.

Analysten raten zum Kauf, Verkauf und zum Halten
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