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Model 3

Die bisher größte Herausforderung für Tesla ist der Hochlauf der Produktion für das Model 3.

(Foto: Reuters)

Aktie im Höhenflug 30 Prozent Plus in vier Wochen – deshalb dominiert Tesla die Tech-Märkte

Während die US-amerikanischen Tech-Riesen schwächeln, legt Tesla an der Börse einen Höhenflug hin. Dafür gibt es fünf handfeste Gründe.
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Düsseldorf An der Nasdaq ist Tesla ein Außenseiter: Acht Prozent hat die weltweit wichtigste Technologiebörse in den vergangenen vier Wochen verloren. Mehr als eine halbe Billion US-Dollar Börsenwert sind einfach verschwunden. Prominente Highflyer wie Apple und Netflix verloren 20 Prozent.

Im selben Zeitraum legte die Aktie des von Elon Musk geführten Elektroautobauers jedoch um 30 Prozent zu. Kein anderes Unternehmen an der Nasdaq mit den 100 größten amerikanischen Technologie-Aktien ist so erfolgreich. Dafür gibt es fünf gute Gründe.  

1. Die Skeptiker sind mittlerweile überzeugt

Viele Anleger und prominente Investoren haben in den vergangenen Monaten gegen Tesla gewettet. Rund ein Viertel der frei handelbaren Tesla-Aktien waren im Sommer und Frühherbst leer verkauft. Das heißt, Anleger haben sich bei Banken Tesla-Aktien geliehen, diese in Erwartung fallender Kurse sofort verkauft, um sie später zu vermeintlich niedrigeren Kursen zurückzukaufen. Die Differenz, abzüglich der Gebühren an die Banken, ist der Gewinn.

Diese Wette ging zeitweise gut auf. Als aber der wohl bekannteste Leerverkäufer-Spekulant Andrew Left mit einem Mal Tesla vor gut einem Monat in den höchsten Tönen lobte, sprang die Aktie um mehr als zehn Prozent nach oben. Seitdem löst sich die Front der Leerverkäufer mehr und mehr auf. Die Shortseller decken sich ein, um ihre geliehenen Aktien zurückzugeben. Dieser Effekt verstärkt den Kurssprung nach oben.

2. Tesla ist endlich profitabel

Doch es gibt auch handfeste, fundamentale Gründe für den Erfolg Teslas inmitten der Technologie-Baisse. Der Autobauer hat Gewinn gemacht. Das hatten die vielen skeptischen Anleger und Analysten nicht erwartet. Pro Aktie verdiente Tesla 2,90 Dollar.

Die 312 Millionen Dollar zwischen Juni und September waren der erste Quartalsgewinn seit zwei Jahren – und überhaupt erst der dritte Nettogewinn in einem Quartal, seitdem Tesla vor acht Jahren an die Börse ging. Noch vor einem Jahr hatte Tesla einen Quartalsverlust von 619 Millionen Dollar bilanziert.  

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Richtig ist zwar, dass in nur fünf Jahren die Verschuldung des Unternehmens von 443 Millionen auf 10,1 Milliarden Euro gestiegen ist. Die Eigenkapitalquote schmolz in diesem Zeitraum von 30 auf 15 Prozent, der Nettoverlust vergrößerte sich von 30 Cent auf knapp 5,5 Euro – je Aktie wohlgemerkt.

Doch die Börse spekuliert nicht auf die vergangenen, bilanzierten Zahlen, sondern auf die Zukunft: Auf einen Weltmarktführer, der mit seinen Elektroautos Milliarden verdienen wird.

3. Tesla baut erstmals ein Finanzpolster auf

Nach neun Geschäftsmonaten steht unter dem Strich zwar immer noch ein satter Verlust von 1,1 Milliarden Dollar. Im Tagesgeschäft erzielten die Kalifornier aber ein deutliches Plus. Der operative Cashflow nach drei Quartalen beträgt 863 Millionen Dollar. Das Unternehmen verbrennt also keine Milliarden mehr. Im Gegenteil: Die zugeflossenen Mittel erhöhen das angegriffene Finanzpolster.

Bisher waren Zweifler davon ausgegangen, dass es so schlimm um Tesla bestellt sei, dass der Autobauer eher früher als später eine Kapitalerhöhung benötigen würde, um sich neues Geld zu beschaffen. Sie erwarteten, dass Tesla dafür hohe Zinsen angesichts der schlechten Beurteilung bei den Ratingagenturen zahlen muss.

Anleihen von Tesla bringen über fünf Prozent Jahreszins. Das ist eine hohe Belastung für den Konzern. Entsprechend groß waren die Sorgen, dass Tesla eine neue Anleihe auflegen muss. Diese Befürchtungen sind erst einmal vom Tisch.

4. Die Produktion des Model 3 nimmt Fahrt auf

Der Autohersteller machte im abgelaufenen Quartal Fortschritte in der Produktion seines Massenmodels „Model 3“. Im Schnitt fertigte Tesla 4300 Exemplare in der Woche, zum Quartalsende waren es sogar 5300. Der Newcomer holt dabei kräftig auf, vor allem gegenüber der mächtigen finanzstarken deutschen Konkurrenz. Während Tesla in den vergangen beiden Monaten jeweils mehr als 21.500 Autos in den USA absetzte, konnte Audi zuletzt 16.000 Neuwagen in den USA ausliefern. BMW lieferte im Oktober gerade einmal 1460 Neuwagen mehr aus als der kalifornische Newcomer.

„Der US-Markt ist ein Hinweis auf die zukünftige Bedeutung von Tesla“, erklärt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR). Für die europäischen Premiumhersteller werde es „eng“, wenn es ihnen nicht gelänge, zügig Fahrt bei ihrer Stromoffensive aufzunehmen. Zumal Tesla auch nach China drängt, dem wichtigsten Automarkt überhaupt.

Die bisher größte Herausforderung für Tesla ist der Hochlauf der Produktion für das Model 3. Nachdem es über Monate hinweg in der Fertigung hakte, scheint der Konzern die Probleme mittlerweile aber weitgehend im Griff zu haben. Auch in Deutschland steht das Auto mittlerweile in den Tesla-Stores.

Das Model 3 sei eine „absolute Rakete“, konstatierte Arndt Ellinghorst, Autoexperte vom Investmenthaus Evercore ISI, nach einer Testfahrt im Herbst. Die Autos würden sich klar von den Wettbewerbsprodukten abgrenzen. Denn die Limousinen der Amerikaner werden auf Plattformen gefertigt, die einzig und alleine für Elektroantriebe designt wurden.

Daimler und BMW produzieren hingegen ihre Elektroautos, mit denen sie gegen Tesla antreten wollen, mit den gleichen Baukästen, mit denen sie auch Diesel und Benziner zusammenschrauben. Ein neues, kompromissloses Elektroauto kann bei diesem Ansatz aus Sicht von Ellinghorst nicht entstehen.

5. Der Direktvertrieb zahlt sich aus

Mehr und mehr kristallisieren sich die Vorteile des Vertriebs in der neuen gegenüber der alten Welt heraus. Während etablierte Hersteller den Verkauf ihrer Modelle weitgehend über ihre Handelspartner abwickeln, spart sich Tesla diesen Weg. Konfiguriert und bestellt werden Model S und Model 3 online.

Der Vorteil: Tesla kommt nicht annähernd auf einen Kostenanteil von bis zu 30 Prozent für Vertrieb und Distribution, wie er bei Autobauern mit angeschlossenen Verkaufs-Glaspalästen Usus ist. Im Zeitalter der digitalen Plattformökonomie ist Tesla mit seiner Softwareexpertise den deutschen Autobauern meist überlegen.

Updates für ihre Elektroflitzer erhalten Kunden der Kalifornier etwa über die Datenwolke (Cloud), Lenker von deutschen Fabrikaten müssen dagegen meist umständlich einen Werkstatttermin vereinbaren. Die niedrigere Fixkostenbasis bei Tesla ist ein Plus für die Zukunft.

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3 Kommentare zu "Aktie im Höhenflug: 30 Prozent Plus in vier Wochen – deshalb dominiert Tesla die Tech-Märkte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich stimme sowohl Herrn Dettenbach als auch Herrn Peter grundsätzlich zu. Aber Tesla ist mittlerweile technisch ausgereift und sehr gut aufgestellt und hat sich einen Namen gemacht in der E-KFZ Sparte. Es wird auch immer mehr überzeugte Nur-Stromer Anhänger geben. Und die Entwicklung bei der Batteriezellentechnik wird weitergehen. Beide Varianten, der nur Stromer und der Hybrid werden somit ihre Abnehmer haben. Aber warum sich innerhalb von nur ein paar Wochen die fundamentalen Finanzdaten bei Tesla so positiv verändert haben sollen, das wird wahrscheinlich nicht nur mir ein Rätsel bleiben. Sorgen macht mir auch, ob die Millionen von neuen Fahrzeugen, Verbrenner, Hybrid, Brennstoffzelle, LG oder Batterie die weltweit jährlich produziert werden müssen um als Anbieter rentabel zu sein, auch wirklich verkauft werden können, um die hochgesteckten Erwartungen der Finanzmärkte zu erfüllen. Schon jetzt haben wir weltweit Chaos im automobilen Verkehrswesen, da sind und werden jetzt einfach mal Grenzen aufgezeigt. Die jüngere Generation in den Ballungszentren und Großstädten setzt auch deshalb auf ÖPNV, E-Bike und Car-Sharing. Ich denke der Markt für Billigfahrzeuge hat sich irgendwann ganz schnell überholt. Die Premiumhersteller im oberen Preissegment werden überleben. Die ersten deutlichen Anzeichen kommen aktuell aus China. Automobile werden schlicht Luxusprodukte. Und der es sich zukünftig dann auch leisten kann und will, kauft Premium.

  • @Herr Niels Dettenbach
    schöne Analyse - sehe ich auch so. Der jüngste Kursanstieg stammt wohl von Shorties, die sich eindecken mussten.
    Aufgrund des enormen Aufwands (ökologisch, ökonomisch), um große Batterien mit großer Reichweite zu produzieren, wünschen sich viele einen Hybrid. In der Diskussion mit Freunden kamen wir zu den Ergebnis: Ideal wäre ein Hybrid mit 50-100 km reine elektrische Reichweite (für Fahrten zur Arbeit/Einkaufen) und einen Gas-Verbrennungsmotor - für Urlaubsfahrten oder Reisen. Solch ein Hybrid wäre ökologisch und ökonomisch die beste Lösung.

  • Für den langfristigen Erfolg von Tesla kommt es nicht auf die Überzeugung von Analysten sondern von Käufern an. Im Gegensatz zu z.B. Hybrid-KFZ sind E-KFZ vergleichsweise wenig komplex aufgebaut und Tesla verfügt über keine wirklich fundamentalen Patente. Selbst wenn E-KFZ in der heutigen und technologisch bisher absehbaren Konfiguration wirklich am Markt gekauft wird, stehen die Chancen gut, das Tesla für künftige Hersteller / Konkurrenz den Markt "aufbaut" - wenn es diesen überhaupt in Größenordnungen geben wird, die sich naive Politiker, Journaliisten und Analysten längst in das Papier eingepreist haben. Die aktuelle Gegenbewegung dürfte nicht unwesentlich durch Massen an Short-Gängern erheblich vorangetrieben worden sein. Langfristig aber sind die Risiken - freundlich ausgedrückt - "enorm".

    Die Preise für E-KFZ sind schlichtweg zu hoch in Relation dessen, was der Kunde dafür an Mobilität bekommt - selbst für jene, die zur Nische derer gehören, wo die Nachteile des E-KFZ Prinzips geringer ins Gewicht fallen.

    E-KFZ dürften - im Gegensatz zu Verbrennern - Nischenprodukt werden, welches gegen leistungsfähigere Konzepte wie sich abzeichnende Wasserstoff-Verbrenner oder Brennstoffzellen bestehen werden muß. Die klassischen großen KFZ-Bauer samt ihren statischen Zuliefererstrukturen wird es künftig immer weniger geben bzw. sich zu Assemblierern / Entwicklern verkleinern, von denen es künftig wahrscheinlich weitaus mehr / viele neue, kleinere geben wird.

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