Aktie unter der Lupe Aktien des US-Tech-Unternehmens Box sind nichts für schwache Nerven

Der US-Tech-Wert Box gehört in diesem Jahr zu den Top-Titeln an der Wall Street. Zuletzt jedoch brach der Kurs ein. Analysten bleiben zuversichtlich.
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Der Chef setzt auf künstliche Intelligenz. Quelle: MATT EDGE/The New York Times/Red/Redux/laif
Box-Mitgründer Aaron Levie

Der Chef setzt auf künstliche Intelligenz.

(Foto: MATT EDGE/The New York Times/Red/Redux/laif)

San Francisco Seit Jahresanfang hatte sich der Kursgewinn der Box-Aktie auf satte rund 32 Prozent summiert, während der S&P-500-Index kaum zulegte. Dann wurden Mitte der ersten Juni-Woche die Zahlen zum abgelaufenen ersten Quartal 2018 veröffentlicht.

Sie fielen zwar sogar gut und auch besser als erwartet aus, aber der Ausblick auf das laufende zweite Quartal war eher verhalten. Prompt sackte der Aktienkurs des Online-Dokumentenmanagers am vergangenen Donnerstag um bis zu elf Prozent ab und schloss mit einem Minus von sieben Prozent bei knapp über 25 Dollar. Seitdem arbeitet sich die Aktie an der Marke von 26 Dollar ab.

Gleichwohl halten Analysten an dem US-Unternehmen fest: Rob Owens von KeyBank Capital Markets sieht den Kursrutsch als „Kaufgelegenheit“. Er bleibt bei seiner Empfehlung „Übergewichten“ und nennt ein Kursziel von 33 Dollar. Solche Schwankungen gehören nach seiner Auffassung zum Geschäftsmodell. Für Anleger heißt das: Wer auf die Kurschancen solcher Tech-Werte setzen will, braucht starke Nerven.

Box bietet seit seiner Gründung 2009 Online-Dokumentenmanagement in der Cloud. Die Kunden speichern ihre Dateien in Box und können sie von überall auf der Welt per Internet abrufen, teilen oder verwalten.

Im ersten Quartal 2018 erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 140,5 Millionen Dollar, was einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Der Umsatz liegt im Rahmen der Analystenerwartungen. Wie viele jüngere Tech-Unternehmen macht Box allerdings keinen Gewinn: Der Nettoverlust betrug 36,6 Millionen Dollar – nach 40 Millionen Dollar im Vorjahr –, was ebenfalls erwartet worden war.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun einen Umsatz von 603 bis 608 Millionen Dollar, was einem Wachstum von 19 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Typisch sind auch ehrgeizige Ziele: Bis 2020 will Box die Milliardenmarke beim Umsatz überschreiten.

Dateien im Internet speichern, das hört sich erst einmal langweilig an. Doch Tech-Investorenlegende Chamath Palihapitiya sieht da ganz anderes Potenzial. Und wenn der Venture-Capital-Investor spricht, lauscht die Investmentgemeinde ergriffen, so auch am 23. April auf der elitären Konferenz „The Sohn Investment Conference“ in New York. Der Cloud-Dateimanagementdienst Box.com sei seine bevorzugte Idee, wenn es darum gehe, den Trend zur künstlichen Intelligenz zu spielen, ließ der frühere Facebook-Topmanager wissen. Das Unternehmen sitze „auf einem riesigen Berg von Forschung und Entwicklung“, den die Giganten Google, Microsoft und Amazon quasi für es gemacht hätten. Und „jetzt profitieren die davon“.

Tech-Legende schwärmt

Die Rede ist von Datenanalyse mit künstlicher Intelligenz. Sie ermöglicht etwa, Bild-, Video- oder Audiodateien durchsuchbar zu machen und zu analysieren. Videos brauchen Schlagworte oder Anmerkungen, damit Inhalte wiedergefunden werden können, etwa: „Chef spricht ab Minute 4:32.“ In Zukunft ermöglicht automatisierte Bildanalyse die Suche nach einzelnen Szenen, Personen, Produkten, Details oder Worten.

Genau das hatte Box auf seiner Hausmesse Boxworks in San Francisco wenige Monate zuvor angekündigt. Box will so Millionen von vergessenen Unternehmensdateien neues Leben einhauchen. Sie müssen nur über Box gespeichert sein.

Das Produkt „Box Skills“ soll Box-Kunden also die besten Werkzeuge der drei Giganten für künstliche Intelligenz zugänglich machen, ohne dass sie deren Cloud-Dienste generell einführen müssten. Box, schwärmte Investor Palihapitiya, sei „unglaublich billig und unterbewertet, mit einer geringen Kundenabwanderungsrate und unglaublicher Sicherheitsmarge“.

„Experten sehen bei Tech-Aktien noch mehr Potenzial nach oben“

„Experten sehen bei Tech-Aktien noch mehr Potenzial nach oben“

Noch während der Rede des Chefs des Hedgefonds „Social Capital“ sprang der Aktienkurs um zehn Prozent in die Höhe auf über 23 Dollar. Die folgende Rally trieb den Kurs dann bis auf ein Hoch von über 28,60 Dollar.

Der Absatz zieht an

Analysten wie Owens ziehen auch aus den Quartalszahlen Zuversicht: In seiner Kaufempfehlung verweist er vor allem auf die gestiegene Vertriebsdynamik. Im ersten Quartal wurden vier Neuverträge mit Unternehmenskunden über 500.000 Dollar Volumen hereingeholt, im Vorjahresquartal waren es erst zwei.

35 neue Box-Kunden spülen je über 100.000 Dollar in die Kasse, ein Kunde hat über mehr als eine Million Dollar gezeichnet. Insgesamt meldet Box aktuell 85.000 zahlende Businesskunden, 3.000 mehr als im Jahr zuvor. Dazu gehören Dubai Airports und der Baugeräteriese Komatsu, die jetzt ihre Dokumente über Box in der Cloud verwalten.

Unterm Strich sind die Analysten mehrheitlich optimistisch. Das Researchhaus Zacks listete zuletzt sieben Analysten mit einer „Strong Buy“-Empfehlung, drei mit „Buy“ und einen mit „Hold“. Doch einige Experten wie Marshall Senk von Rosenblatt Securitis warnen vor zu großen Erwartungen angesichts des erreichten Kursniveaus nach der starken Rally seit April und den jüngsten Zahlen. Er wandelte seine Empfehlung von „Kaufen“ in „Halten“ und nennt ein Kursziel von 25 Dollar.

Die langfristige Strategie von Mitgründer und Chef Aaron Levie begrüßt auch Senk. Doch er sieht potenzielle Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Generell ist das Geschäft der Dokumentenverwaltung im Internet ein Wachstumsmarkt, aber massiv umkämpft. Konkurrenten wie Microsoft mit OneDrive, Google mit GoogleDrive oder Dropbox bieten diesen Service teilweise kostenlos an.

Levie setzt auf zusätzliche Produkte wie künstliche Intelligenz sowie automatische Speicherung nach den Regeln des europäischen Datenschutzes, mit denen er Box attraktiver für Neukunden machen und mehr Umsatz mit bestehenden Kunden erzielen will.

Es ist aber eine Zahl, die aufhorchen lässt. Es sind die sogenannten „Billings“. Wie praktisch alle Unternehmen auf Abonnementbasis schließt Box Verträge, deren Umsätze nicht oder nur teilweise im Berichtsquartal fließen. Die Billings sind also schon abgerechnete künftige Eingänge.

Die Billings nun waren im Quartal um 17 Prozent gestiegen, schwächer als die Umsätze. Das lässt theoretisch für die Zukunft schwächeres Umsatzwachstum vermuten. Box-Finanzvorstand Dylan Smith erklärte das im Analystengespräch mit einer Verschiebung von großen Aufträgen mit mehr Produkten in die zweite Jahreshälfte.

Smith prognostiziert sogar ein leicht höheres Ergebnis als im Vorjahr. Dies auch, weil die Marketing- und Vertriebskosten – der größte Kostenblock von Box – von 60,3 Prozent des Umsatzes im Vorjahresquartal auf 54,8 Prozent gesenkt worden sind. Eine strikte Kostendisziplin gilt als wichtiger Faktor, damit Box mittelfristig die Gewinnschwelle erreichen kann. Bis dahin bleibt die Aktie eine Wette auf die Zukunft.

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