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Aktie unter der Lupe Die Aktie der Deutschen Post ist eine riskante Zukunftswette

Der Konzern darf das Porto erhöhen, Analysten versprechen sich mehr Gewinn und deutliche Kurszuwächse. Doch so einfach geht die Gleichung nicht auf.
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Streng reguliertes Briefgeschäft. Quelle: dpa
Deutsche Post

Streng reguliertes Briefgeschäft.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Kommt die Portoerhöhung nun, oder kommt sie nicht? Und wenn ja, in welcher Höhe? Seit nahezu einem Jahr hatten sich die Einschätzungen dazu fast im Monatsrhythmus geändert – und mit ihnen der Aktienkurs der Deutschen Post. Am letzten Börsentag vor Ostern lichtete sich der Nebel: Zehn Prozent mehr Porto ab Juli 2019, so teilte die Bundesnetzagentur mit, darf es geben. Für den Standardbrief also voraussichtlich eine um sieben Cent höhere Frankierung. Deutschlands Verbraucher werden es im eigenen Portemonnaie kaum spüren. Anteilseigner der Deutschen Post dagegen hoffen auf deutliche Zuwächse des Aktienkurses.

Am meisten Freude bereitete die Großzügigkeit der Bonner Regulierungsbehörde, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) untersteht, dessen Kabinettskollegen Olaf Scholz (SPD). Die 20,6-prozentige Post-Beteiligung, die der Finanzminister indirekt über die bundeseigene KfW-Bank hält, gewann nach dem Bescheid aus Bonn binnen weniger Stunden einen zusätzlichen Wert von 150 Millionen Euro.

Nur: Fundamental scheint die Kursrally der letzten Tage reichlich übertrieben zu sein. Der Deutschen Post, deren 61,55 Milliarden Euro schwerer Umsatz nur noch zu einem Zwanzigstel aus dem regulierten Briefgeschäft besteht, füllt der jetzt genehmigte Spielraum für die Preiserhöhung des Portos quasi nur die Portokasse. Mehr aber nicht.

Schöpft das Unternehmen den genehmigten Rahmen komplett aus, worüber voraussichtlich Ende Mai Klarheit bestehen wird, vergrößert das den Umsatz im Jahr 2019 rechnerisch um gerade einmal 145 Millionen Euro.

Der jüngste Kursanstieg ist daher wohl eher vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Anleger erleichtert sind. Denn lange Zeit hatte es danach ausgesehen, dass ein Portoplus von mehr als 4,8 Prozent nicht zu genehmigen sei. Und ohne die von Altmaier angestoßene Änderung der Entgeltverordnung wäre es dabei wohl auch geblieben.

Die bis dahin trüben Aussichten hatten die Aktie der Deutschen Post 2018 um 40 Prozent einbrechen lassen. Zunächst hatte Post-Chef Frank Appel im Juni eingestehen müssen, dass seine Brief- und Paketsparte die angepeilten Ertragsziele wegen mangelnder Investitionen nicht erreichen werde. Im Anschluss daran hatte er die Anleger mit einem Sanierungsprogramm schockiert, das 2018 über 620 Millionen Euro kostete.

Dass sich die Bundesnetzagentur Ende 2018 weigerte, die fest eingeplante Portoerhöhung um zehn Cent pro Standardbrief durchzuwinken, verstärkte den Pessimismus der Anleger. Denn auch für die folgenden Jahre sind Zusatzausgaben für die Brief- und Paketsparte in Höhe von jeweils 150 Millionen Euro eingeplant.

Nur: Angesichts der überschaubaren Mehreinnahmen, die sich aus der Portoanhebung ab Juli ergeben, scheint die Euphorie mancher Analysten nach der Mitteilung kurz vor Ostern wenig nachvollziehbar.

So glaubt Christian Obst von der Baader Bank an ein Kursziel von 46 Euro und rät deshalb bei dem aktuellen Wert von knapp über 30 Euro zum Kauf. Wegen der genehmigten Portoerhöhung habe die Post einen weiteren wichtigen Schritt gemacht, um ihre Ziele für 2020 zu schaffen, begründet er seine Empfehlung.

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs nennt „mit Blick auf höhere Portogebühren“ ein Kursziel von 45 Euro. Nun könne der für 2019 in Aussicht gestellte Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) am oberen Rand der Prognosespanne liegen, meint Goldman-Analyst Matija Gergolet. Für die Brief- und Paketsparte hatte Appel für 2019 einen Betriebsgewinn von 1,0 bis 1,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Die Portoanhebung ab 1. Juli falle deutlicher als erwartet aus, meint auch David Kerstens vom Analysehaus Jefferies. Sein Kursziel liegt mit 36 Euro fast 20 Prozent über dem aktuellen Aktienwert.

Vielen Beobachtern aber scheint das Kleingedruckte im Bescheid der Bundesnetzagentur entgangen zu sein, mit der sie den Nachschlag genehmigte. So drängt Behördenchef Jochen Homann auf das Einhalten von Appels Zusage, 5 000 zusätzliche Zusteller einzusetzen, um die Qualität im Briefgeschäft zu verbessern. Das ist nur ein Aspekt, der den Zusatzertrag schmälern wird.

Weil das Briefvolumen angesichts von E-Mail- und SMS-Kommunikation weiter schrumpft, rechnet die Bundesnetzagentur bis Ende 2021 zudem mit einer sinkenden Produktivität im klassischen Postgeschäft.

Ob Appel sein Ziel schafft, im Geschäftsjahr 2020 einen konzernweiten Betriebsgewinn von fünf Milliarden Euro zu erzielen, nachdem es 2018 gerade einmal für 3,2 Milliarden reichte, scheint Branchenexperten wie Sven Diermeier von Independent Research deshalb fraglich zu sein.

Allenfalls den Verkauf der Konzerntochter Streetscooter, die vergangenes Jahr 4000 Elektro-Lieferwagen auf die Straße brachte, sieht Diermeier noch als Hoffnungswert.

Ein Schnäppchen ist die Aktie der Deutschen Post für Anleger schon heute nicht mehr – auch wenn Analysten eine Aktiendividende von 3,9 Prozent erwarten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,2 für 2019 liegt die Deutsche Post gerade einmal im Branchenschnitt. Wettbewerber UPS kostet derzeit das 15,1-Fache des erwarteten Gewinns, Fedex ist bereits für das 12,6-Fache zu haben.

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1 Kommentar zu "Aktie unter der Lupe: Die Aktie der Deutschen Post ist eine riskante Zukunftswette"

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  • Ich bin bei der Post ! Geld(Portoerhöhung) kann keine Firma gesund machen. Überall in der Post fehlt es an qualifizieren Arbeitskräften bis hoch in den Chefetagen. Es gibt unter den Zustellern Kollegen die so manch Job oben besser ausüben könnten, wenn man sie nur lassen würde. Die Post wird gerne als Uhrwerk bezeichnet . Manchmal muß man eben auch mal ein abgenutztes Zahnrad austauschen das die Uhr weiter tickt. Genau das ist hier nicht der Fall. Automatisierungen werden nur halbherzig umgesetzt.

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