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Aktie unter der Lupe Die DWS muss kritische Investoren von ihrer Strategie überzeugen

Viele Analysten halten die Aktie der Deutsche-Bank-Fondstochter für nicht mehr günstig. Messbarer Erfolg wäre das beste Argument gegen die Kritiker.
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Von 19 beim Finanzdatenanbieter Bloomberg genannten Experten bewerten elf die DWS-Aktie mit „halten“, sechs mit „kaufen“, zwei mit „verkaufen“. Quelle: dpa
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Von 19 beim Finanzdatenanbieter Bloomberg genannten Experten bewerten elf die DWS-Aktie mit „halten“, sechs mit „kaufen“, zwei mit „verkaufen“.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es gleicht einer Achterbahnfahrt: nach 32,50 Euro zum Börsenstart im März um knapp 30 Prozent runter, seit Anfang des Jahres wieder bis auf gut 31 Euro hinauf. Gut fünf Prozent sprang der Kurs der Fondsgesellschaft DWS allein Anfang vergangener Woche, als Spekulationen über einen Verkauf die Runde machten. Mutterkonzern Deutsche Bank, so heißt es, könnte Geld brauchen, um eine Fusion mit der Commerzbank zu finanzieren.

Analysten wie Investoren halten einen Verkauf indes für wenig wahrscheinlich. Auf dem aktuellen Kursniveau bei gut 30 Euro bewerten die meisten Experten die Aktie mit „halten“. Sie wollen sehen, wie der neue DWS-Chef Asoka Wöhrmann den Absatz ankurbelt und seine Sparziele erreicht. Einige große Investoren bleiben kritisch. Klar ist, dass die DWS mit ihrer Strategie sichtbar überzeugen muss.

Wie Jacques-Henri Gaulard, Analyst bei Kepler Cheuvreux, denken viele Experten: Ein Verkauf der Fondstochter, um eine eventuelle Übernahme der Commerzbank zu finanzieren, würde „verblüffen“, schreibt er. Denn die DWS weise den besten risikoadjustierten Ertrag der Konzerngruppe aus mit 17 Prozent Eigenkapitalrendite (ROTE) für 2018 und stehe für knapp ein Drittel des Gewinns.

Investoren sähen es selbst im Fall einer Übernahme als wenig wahrscheinlich an, dass die größte deutsche Bank ohne Fondsanbieter auskommen wollte, zumal sich dessen Kundenbasis dann verbreiterte. Denn die Commerzbank hat kein Fondshaus. Wenn der Deutsche-Bank-Konzern Geld bräuchte, sei eine Kapitalerhöhung wahrscheinlicher, meint ein Großinvestor.

Und wenn die DWS, Marktführer im deutschen Fondsgeschäft mit privaten Anlegern, doch verkauft würde, dann wäre ohnehin eher der französische Konkurrent Amundi Kaufkandidat als die Allianz Global Investors, die zeitweilig im Gespräch war. Denn die Allianztochter sei in Deutschland schon gut vertreten. Nach dem Kurssprung der Aktie zeigen sich Analysten abwartend gegenüber der DWS.

Von 19 beim Finanzdatenanbieter Bloomberg genannten Experten bewerten elf die DWS-Aktie mit „halten“, sechs mit „kaufen“, zwei mit „verkaufen“. Die meisten sehen kaum noch Kurspotenzial für die Aktie, die den Ausgabekurs bisher nicht wieder erreichen konnte. Den angemessenen Wert geben die Experten im Durchschnitt mit 28,63 Euro an.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über zwölf mit Blick auf erwartete Gewinne für 2019 notiert ist die Aktie teurer als die von Amundi, wie Christian Koch von der DZ Bank schreibt. Er hat die DWS nach ihrer jüngsten Kurserholung von „kaufen“ auf „halten“ herabgestuft. Positiv sieht er die Beteiligung an dem chinesischen Fondshaus Harvest, das Wachstum bei börsengehandelten Fonds (ETF) und ein Kapitalpolster für „kleinere“ Zukäufe. Das alles sei aber „ausreichend“ in der Bewertung der Aktie reflektiert.

Verwaltetes Vermögen sinkt

Auch Gaulard von Kepler Cheuvreux hat die DWS-Aktie gerade auf „halten“ zurückgestuft. Obwohl er dem Geschäftsmodell und dem Management hohen Respekt zollt, sieht er kein ausreichendes Potenzial für einen weiteren Kursanstieg. Viel hängt jetzt von DWS-Chef Wöhrmann ab, der im Oktober nach drei Jahren als Privatkundenchef der Konzernmutter zur Fondstochter zurückkehrte, wo er zuvor schon 17 Jahre gearbeitet hatte, zuletzt als Chef-Anlagestratege.

Koch erwartet, dass die DWS unter Wöhrmann mittelfristig jährlich neues Kapital von netto zwei bis drei Prozent des verwalteten Vermögens einsammeln kann. Die DWS selbst steckt sich höhere Ziele und will auf mittlere Sicht frisches Kapital von netto drei bis fünf Prozent ihres Vermögens gewinnen. Im vergangenen Jahr ist der Fondsanbieter damit gescheitert, als Kunden unterm Strich netto gut 22 Milliarden Euro abzogen. Und das, während andere große deutsche Fondshäuser Milliarden einsammelten. Die DWS nannte die zum Jahresausklang schwachen Aktienmärkte und Abflüsse vor allem von Versicherungskunden als Gründe dafür.

Aber es schwächelten auch große Fonds des Hauses. Insgesamt sank das verwaltete Vermögen 2018 auf 662 Milliarden Euro, das Ergebnis nach Steuern ging um 38 Prozent zurück auf 391 Millionen Euro. Nach dem Abgang von Nicolas Moreau Ende Oktober muss Wöhrmann als neuer Chef die DWS wieder auf Wachstum trimmen. Den Organisations- und Vertriebschef tauschte er aus.

Allein zehn hochrangige Manager, Managing Directors, seien in den vergangenen sechs Wochen gegangen, heißt es bei der DWS. Regionen- und Länderchefs bekommen mehr Macht. Im am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht zeigt Wöhrmann Zuversicht, in diesem Jahr wieder Netto-Kapitalzuflüsse zu erreichen. Bereits Anfang Februar berichtete er über einen „guten Start ins Jahr“.

Gegenüber den Aktionären im Geschäftsbericht spricht er allerdings davon, dass die Managementgebührenmarge unter Druck bleibe - am Freitag gab die DWS-Aktie nach. Harte Konkurrenz, auch durch die billigen ETFs, und schwache Börsen hatten die Marge 2018 auf 0,306 Prozentpunkte gedrückt. Dank Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerungen will die DWS bereits 2019 „das obere Ende“ ihres mittelfristigen Sparziels von 125 bis 150 Millionen Euro jährlich erreichen.

Die Skepsis bleibt

Analysten wie Koch von der DZ Bank loben die Kosteneinsparungen. Er kann sich vorstellen, dass mit künftigem Wachstum im Kundenvermögen der Rückgang der Marge im Fondsmanagement, bedingt durch das Erstarken der billigen ETFs, mehr als kompensiert wird. Aktionäre sehen aber vor allem das Wachstum skeptisch: Trotz zuletzt wieder etwas besserer Performance wichtiger Fonds „muss noch etwas kommen“, damit die DWS ihr Ziel erreiche, sagt ein großer Investor.

Wöhrmann müsse zeigen, dass er den Vertrieb in Schwung bringen könne. Wichtig dabei seien auch Kooperationen mit Versicherern wie Nippon Life, Generali oder dem chinesischen Haus Harvest. Wöhrmann erhielt für 2018 inklusive Boni eine Vergütung von 988.000 Euro von der DWS. Aus Investorensicht ist klar: Er muss eine Menge liefern für sein Gehalt.

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