Max Conze

„Nicht so viel reden, einfach machen.“

(Foto: ProSieben/Sat1)

Aktie unter der Lupe Ein neuer Chef weckt neue Hoffnungen bei Pro Sieben Sat 1

Die vergangenen Monate waren eine einzige Enttäuschung für Aktionäre von Pro Sieben Sat 1. Analysten sind uneins, ob es unter Max Conze aufwärts geht.
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MünchenDer Tag war trüb. Die Aktionäre von Pro Sieben Sat 1 duckten sich an jenem Mittwoch Mitte Mai unter ihren Regenschirmen, als sie dem Eingang der Münchener Eisbach Studios entgegenstrebten. Das Wetter zur Hauptversammlung entsprach der Stimmung vieler Anteilseigner.

Der Rauswurf aus dem Dax, der überhastete Abgang des langjährigen Vorstandschefs Thomas Ebeling, mehrere Gewinnwarnungen und ein dramatischer Kursrutsch, in den vergangenen Monaten gab es nur wenige positive Nachrichten von dem Medienkonzern.

Die Reden von Aufsichtsrat und Vorstand nahmen die Aktionäre denn auch nahezu regungslos auf, das Treffen dümpelte vor sich hin. Bis Max Conze ans Mikrofon trat.

Zwei Wochen bevor er als Vorstandsvorsitzender offiziell anfing, stellte sich der Manager in einer kurzen, aber lebhaften Rede vor. Auf Details seiner Strategie ging der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson mit keinem Wort ein. Aber er forderte seine künftigen Kollegen auf, „mutiger und leidenschaftlicher“ zu werden. „Nicht so viel reden, einfach machen“ sei sein Motto.

Ein erfrischender Appell, den die Aktionäre äußerst wohlwollend vernahmen. Viele hoffen, dass die größte private Senderkette hierzulande unter dem neuen Chef wieder aufblüht. Gerade so, wie einst unter Ebeling. Der ehemalige Novartis-Manager hatte es geschafft, aus einem Pennystock ein Dax-Mitglied zu machen. Gegen Ende seiner neunjährigen Amtszeit allerdings hatte der Konzernlenker kein glückliches Händchen mehr.

Im Februar musste er vorzeitig seinen Schreibtisch räumen. Dem 59-Jährigen wurde zum Verhängnis, dass er vergangenes Jahr zweimal seine Prognose zurücknehmen musste. Zudem verspottete er im Herbst seine Zuschauer in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Das alles hat die Investoren verunsichert.

Binnen Jahresfrist haben die Papiere rund ein Drittel an Wert verloren. Im März musste das Unternehmen den Dax verlassen und Covestro Platz machen. „Die Kursentwicklung war grottenschlecht“, ärgert sich Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Seit vergangenem Freitag ist Conze nun in Amt und Würden. Ob es unter dem neuen Chef auf dem Parkett aufwärtsgeht? Die Analysten sind uneins. Im Schnitt rechnen die Experten zwar damit, dass der Kurs in den nächsten Monaten auf gut 34 Euro klettert. Das entspricht einem Plus von rund einem Drittel gegenüber dem aktuellen Stand. Doch Pessimisten und Optimisten liegen weit auseinander.

Die Investmentbank Macquarie etwa erwartet, dass die Papiere binnen Jahresfrist auf 18 Euro abstürzen, also knapp ein Drittel an Wert verlieren. Die Banker begründen dies mit den Problemen, die alle TV-Sender hätten: Immer mehr Zuschauer wandern zu Internetanbietern wie Netflix ab, in der Folge fallen die Werbeeinnahmen.

Auf der anderen Seite sieht JP Morgan enormes Kurspotenzial und erwartet in den nächsten zwölf Monaten einen Anstieg auf 45 Euro, das wären etwa 75 Prozent mehr als jetzt. Die Amerikaner sind überzeugt, dass das Geschäft mit TV-Reklame sehr wohl attraktiv ist. Und dann sind da jene, die weder mit Katastrophen noch mit einem besonderen Aufschwung rechnen und daher einen tendenziell stagnierenden Kurs erwarten.

So wie Analystin Lisa Yang von Goldman Sachs. Sie meint, dass die Münchener in dem Dilemma steckten, Wachstum durch Übernahmen erzielen zu müssen, dabei noch eine hohe Dividende auszuschütten und gleichzeitig das Schuldenniveau im Griff zu behalten.

In der Tat, Conze steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe, sein Vorgänger hat ihm stramme Wachstums- und Gewinnziele hinterlassen. Ebeling kündigte kurz vor seinem Abschied an, dass der Umsatz jährlich um fünf Prozent klettern werde. Im Vergleich zu 2017 ergibt das bis 2022 ein Umsatzplus von einer Milliarde Euro. Das operative Ergebnis soll gleichzeitig steigen und die Marge, bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, mindestens 25 Prozent erreichen.

Wie genau Conze dies erreichen will, ließ der 48-Jährige bislang offen, er mochte sich öffentlich nicht äußern. Spannend wird es in den nächsten Monaten daher nicht nur für die Zuschauer von Pro Sieben Sat 1, sondern auch für die Investoren.

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