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Aktie unter der Lupe Fielmann probiert virtuelle Brillen aus

Marc Fielmann, der Sohn des Firmengründers, ist neuer Chef des Brillenhändlers. Er steht für Modernisierung und will so auch das Wachstum stärken.
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Der Sohn des Unternehmensgründers ist seit diesem Jahr Chef der Optiker-Kette Fielmann. Quelle: dpa
Marc Fielmann

Der Sohn des Unternehmensgründers ist seit diesem Jahr Chef der Optiker-Kette Fielmann.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf Günther folgt Marc – und damit soll eine neue Ära für den Brillenhändler Fielmann anbrechen. Günther Fielmann hat die gleichnamige Optikerkette gegründet und 1994 an die Börse gebracht.

Sein 29-jähriger Sohn, der Anfang Mai seine erste Pressekonferenz abhielt, will der Firma mit seiner „Vision 2025“, zu der auch das beliebte Thema „Digitalisierung“ gehört, zu einem Wachstumsschub verhelfen. Investoren und Analysten werden sehr genau beobachten, ob ihm das gelingt. Zum Teil sehen sie deutlichen Nachholbedarf bei der Modernisierung der Firma.

Marc Fielmann plant in verschiedenen Bereichen große Veränderungen. Demnächst kann der Kunde seine Brille online anprobieren. Dafür entwickelte das französische Unternehmen „Fitting Box“ eine 3D-Technik mit Gesichtserkennung. Der Kunde schaut in eine Kamera, und auf dem Bildschirm, der wie ein virtueller Spiegel funktioniert, kann er sich selbst betrachten. So kann er digital verschiedene Brillengestelle aufsetzen.

Bereits 2018 erwarb die hundertprozentige Tochtergesellschaft Fielmann Ventures GmbH eine zwanzigprozentige Beteiligung an „Fitting Box“. Momentan testet der Konzern solche 3D-Anproben in Österreich. „In Deutschland sollen diese Erneuerungen noch im laufenden Geschäftsjahr eingeführt werden“, sagt Analyst Volker Bosse von der Baader Bank. Er glaubt: „Eine neue Ära der Fielmann-Gruppe hat begonnen.“

Die Onlineanprobe für Brillen ist entscheidend dafür, dass Bosse die Aktie zum Kauf empfiehlt: „Ein spannendes Thema, bei dem Fielmann Nachholbedarf hat.“ Die Optikerkette will zudem effizienter werden. Dafür führt der Branchenprimus eine Funktion für die Online-Terminvergabe ein.

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Bosse findet diese Strategie längst überfällig: „Die Kunden erwarten ein integriertes Online-offline-Angebot, das es ihnen beispielsweise ermöglicht, Brillenfassungen online auszuwählen, auszuprobieren und zu reservieren.“ Kürzere Wartezeiten sollten das Ergebnis sein.

Kritiker sehen allerdings ein Risiko bei der Entwicklung eines Onlineshops. So gibt eine Analyse der DZ Bank zu bedenken, dass eine „steigende Transparenz bei Brillenpreisen durch Omni-Channel-Geschäftsmodelle“ auf das Unternehmen zukomme. Bedeutet: Kunden können zukünftig online leichter die Preise mit denen anderer Anbieter, wie zum Beispiel Apollo Optik, vergleichen. Das Geldinstitut empfiehlt den Titel zum Verkauf und senkte das Kursziel von 57 auf 52 Euro.

Die britisch-asiatische Bank HSBC hat dagegen ihr Kursziel für die Aktie von 60 auf 70 Euro angehoben. Sie begründet dies auch mit den im ersten Quartal um sechs Prozent auf knapp 372 Millionen Euro gestiegenen Umsatzerlösen.

Das Unternehmen verkaufte 1,99 Millionen Brillen und steigerte sich damit im Auftaktquartal um 3,4 Prozent. Danach erwartet Fielmann einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro für das gesamte Geschäftsjahr 2019 – das wäre ein neuer Rekord für die Brillenkette. Der Vorsteuergewinn (Ebt) wuchs im Quartal um fast zehn Prozent auf rund 67 Millionen Euro.

Bei der Dividendenausschüttung wird es so weitergehen wie bisher. Fielmann bleibt „solide im Rahmen der durchschnittlichen Dividendenausschüttung im MDax“, sagt Bosse – was zwei bis drei Prozent Dividendenrendite bedeuten. Das Optiker-Imperium empfiehlt seinen Aktionären die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 1,90 Euro je Aktie – das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent. Dies wäre die 14. Dividendenerhöhung in Folge.

„Die Ausschüttungsquote ist hervorragend“, lobt der Analyst. Gegenwärtig wird der Titel mit rund 62,20 Euro gehandelt. Die hohe Eigenkapitalquote mit 75 Prozent kommt bei den Analysten gut an. Fielmann habe eine „gesunde Bilanz mit einem guten Cashflow“ meint Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.

200 Millionen Euro für die neue Digitalstrategie

Der junge Fielmann verantwortet neben der IT und dem Personalwesen als eigenes Ressort nun auch die Produktentwicklung und die Unternehmensstrategie. Seine erste große Finanzentscheidung: Bis 2020 will er 200 Millionen Euro in die neue Digitalstrategie stecken.

Das Unternehmen hat genug Geld in der Kasse. „Mit über 300 Millionen Euro an liquiden Mitteln ist Fielmann in der Lage, Akquisitionen auch ohne Fremdkapital zu realisieren“, sagte der neue Chef bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz.

Fielmann-Junior setzt aber nicht nur auf Digitalisierung, sondern auch auf ganz klassische Expansion. Er will das Filialnetz vergrößern: Insgesamt fünf kontinentaleuropäische Länder möchte er bis 2025 erschließen, zum Beispiel Spanien. In Polen und Italien will Fielmann die Niederlassungen ausbauen, ohne die Kernmärkte Deutschland, Österreich und Schweiz zu vernachlässigen. In Italien etwa soll die Zahl der Filialen von 18 im Jahr 2018 langfristig auf 80 steigen, kündigte das Management an.

Auch zu diesen Plänen ist das Urteil der Analysten gespalten. Die Investitionen dürften das Wachstum der Optikerkette noch beschleunigen, erwartet Schlienkamp. Da der Konzern seine Gelder auch in die Modernisierung und Vergrößerung von Filialen im deutschsprachigen Raum einsetze, gingen die Hanseaten hier kein großes Risiko ein, erklärt zudem Paul Rossington von der HSBC.

Analyst Schlienkamp sieht dagegen auch Risiken. Er deutet auf Engpässe bei der „Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften“ hin. Allgemein lobt er aber das „solide, grundsätzlich defensive Geschäftsmodell“. Sein aktuelles Kursziel liegt bei 63 Euro.

Für Fielmann spricht aus Sicht der Experten ein langfristiger Trend: Das Unternehmen dürfte besonders von der alternden Gesellschaft profitieren. Denn je mehr alte Leute es gibt, umso mehr Brillen braucht man. „Auch junge Menschen werden heute bereits früher zu Brillenträgern“, meint zudem Bosse.

„Außerdem geht der Trend hin zur Multifokallinse“, sagt er. Dabei handelt es sich um Mehrstärkenlinsen. Mehrere Sehschwächen werden mit der Linse ausgebessert. „Diese Linsen sind viermal so teuer wie handelsübliche Brillen“, argumentiert der Analyst.
Eine Produktgruppe, die für weiteres Potenzial sorgt, sei das Hörgerätesegment.

Bosse ist überzeugt: „Da kann Fielmann mit den Shops, die die Firma hat, dem guten Markennamen und mit den vorhandenen Kundendaten hervorragende Cross-Selling-Aktivitäten starten. Das sichert langfristig strukturell das Wachstum für den Brillenhersteller.“ Auch die Kundenbindung werde durch den Verkauf von Brille und Hörgerät aus einer Hand gestärkt.

Wie der Vater, so der Sohn

Analyst Thilo Kleibauer von Warburg Research sieht ebenfalls Wachstumspotenzial für Fielmann durch den Bedarf an Hörgeräten. „Mit dem Umsatzanstieg von 10,5 Prozent auf 66 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018 war der Anstieg der Hörgeräte-Umsätze stärker als der des Gesamtkonzernumsatzes“, schreibt Kleibauer in seiner Analyse.

Die Gruppe plant, die Zahl der Hörgeräteabteilungen in den bestehenden Filialen langfristig auf 350 zu erhöhen – 2018 waren es noch 193 Hörgeräte-Abteilungen. Fielmanns Quartalszahlen untermauerten das „defensive Geschäftsmodell“, schreibt Kleibauer in seiner Analyse. Sein Kursziel hob er um zwei Euro auf 63 Euro an.

Alles kommt jetzt darauf an, wie der neue Chef sich bewährt. Trotz der neuen Strategie verhalten sich Vater und Sohn in einer Sache gleich, glaubt Analyst Schlienkamp: „Günther Fielmann hat in der Vergangenheit sehr fundierte – und das Wachstum unterstützende – Entscheidungen getroffen. Er hatte immer das Risiko im Blick. Das ist das, was Marc Fielmann aus seinem Elternhaus mitbringt.“

Mehr: Marc Fielmann will den Konzernumsatz um eine halbe Milliarde Euro steigern. Lesen Sie hier, was der Schlüssel seines Plans ist.

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