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Reiseveranstalter Tui

Seit 2015 verbesserte sich Tuis Eigenkapitalquote von 13,25 auf 23,25 Prozent.

(Foto: ddp images/Belga News Agency)

Aktie unter der Lupe Reiseschnäppchen oder Krisenfall? Was Experten von der Tui-Aktie halten

Zwei Gewinnwarnungen ließen das Papier des weltgrößten Reiseveranstalters fallen. Aktionäre fragen sich, ob nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen ist.
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DüsseldorfNicht nur Hotelzimmer und Urlaubsflüge gehen derzeit zu Schleuderpreisen über den Tresen, die Aktien des Hannoveraner Reiseveranstalters Tui gibt es scheinbar ebenso im verspäteten Winterschlussverkauf.

Um 60 Prozent ging es mit dem Kurs in den vergangenen zehn Monaten bergab – was für einen Traditionskonzern mit eingespieltem Geschäftsmodell und ohne Schlagzeilen machende Skandale durchaus bemerkenswert erscheint.

Doch zwei Gewinnwarnungen in sieben Wochen haben die Anleger zuletzt massiv verunsichert – und die Kurse drastisch fallen lassen. Viele Aktionäre fragen sich jetzt, ob bei dem Papier der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen ist – oder ob man besser die Finger davonlässt? Die Antwort darauf scheint klar: Wer die Fundamentaldaten des an der Londoner Börse notierten Reise-Weltmarktführers bewertet, dem präsentieren sich die Papiere durchaus derzeit als Schnäppchen.

Daran ändert auch nichts, dass die Hannoveraner unter einem zurückhaltenden Buchungsgeschäft, Überkapazitäten in Spanien und dem Grounding mehrerer Boeing-737-Max-Flugzeuge leiden. Letzteres hatte Freitag vergangener Woche zur zweiten Gewinnwarnung geführt, nach der im laufenden Geschäftsjahr der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) nun voraussichtlich um 17 bis 26 Prozent zurückgehen wird.

Selbst die gekappten Ertragsaussichten rechtfertigen jedoch kaum den drastisch gefallenen Aktienkurs, wie ein Vergleich zeigt: Als Konzernchef Fritz Joussen am 13. Februar 2013 sein Amt antrat, lag der Aktienkurs mit 8,26 Euro nahezu auf selbem Niveau. Damals aber erwirtschaftete Tui einen Verlust pro Aktie von 16 Cent. Die Dividende von 15 Cent pro Aktie zahlte der Reisekonzern aus der Substanz – nach fünf Jahren komplett ohne Ausschüttung.

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Davon ist der inzwischen sanierte Konzern heute weit entfernt. Pro Aktie verdiente er im zurückliegenden Geschäftsjahr 1,18 Euro, zum sechsten Mal in Folge stieg die Dividende – auf zuletzt 72 Cent.

Am vergangenen Freitag stellte Joussen vor Analysten klar, dass sich die Dividendenpolitik – den Gewinnwarnungen zum Trotz – vorerst nicht ändern wird. Die Ausschüttungen sollen weiterhin im Einklang stehen mit dem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita).

Nimmt man ihn beim Wort, gäbe es pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr 60 Cent, falls die 737-Max-Maschinen bis Juli wieder einsatzbereit sind. Dauert das Grounding bis September, würde Tui nach dieser Rechnung 53 Cent zahlen.

Nach derzeitigem Kurs der Aktie erhielten Anleger damit eine Dividendenrendite von 7,2 bis 6,4 Prozent, was vielen verlockend erscheinen dürfte. Gleichzeitig ist die Aktie billig.

Sollte sich der Nettogewinn ähnlich entwickeln wie das Ebita – nämlich mit einem Minus von 17 bis 26 Prozent –, bezahlen Anleger aktuell lediglich das 8,5- bis 9,6-Fache des Gewinns für die Papiere. Noch 2015 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 26,24.

Entsprechend rechnen Experten damit, dass es mit dem Kursverfall bald vorbei ist. Die Analysten der Citi-Bank reduzierten ihr Kursziel am Montag zwar um zehn Prozent, geben es aber immer noch mit umgerechnet 13,40 Euro an.

Die Ursache für die jüngste Gewinnwarnung sehen die meisten Analysten zudem als Einmaleffekt, der das Ergebnis im Folgejahr nicht mehr belasten wird. Im Gegenteil: Ihnen stellte Tui-Boss Joussen sogar in Aussicht, dass Boeing im kommenden Jahr für die Flugausfälle eine Entschädigung zahlen könnte.

Auch die solider gewordene Unternehmensfinanzierung spricht für einen Einstieg. Seit 2015 verbesserte sich Tuis Eigenkapitalquote von 13,25 auf 23,25 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der eigenen Hotels seit 2014 von 232 auf 380, die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe von vier auf 17.

Doch auch Risiken bleiben, die ohne Zweifel den Kurssturz der vergangenen Wochen beschleunigt haben. Kommt es zu einem harten Brexit, würde dies Tui womöglich gleich zweifach treffen. Zum einen stellen die Briten neben den Deutschen die größte Kundengruppe im Konzern. Ein Pfund-Verfall infolge des Brexits dürfte ihre Reiselust ins Ausland bremsen, die Umrechnung der UK-Erlöse in Euro den Gewinn schmälern.

Hinzu kommt, dass auch der Flugbetrieb vor zusätzlichen Herausforderungen steht. Kommt es zu einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens, befände sich die konzerneigene Airline rund um Tuifly nicht mehr mehrheitlich in den Händen von EU-Investoren. Ohne einen gesellschaftsrechtlichen Trick wäre den Tui-Fliegern somit untersagt, Flugziele innerhalb der EU zu verbinden.

Das Management sei auf den Brexit vorbereitet, heißt es dazu aus der Konzernzentrale. Wie man aus dem möglichen Dilemma herausfinden will, hat Tui bislang aber noch nicht öffentlich mitgeteilt.

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