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Aktie unter der Lupe Siemens' Aktienkurs profitiert bislang kaum vom radikalen Umbau

Der Industriekonzern kann seine Anleger bisher noch nicht von der neuen Strategie überzeugen. Grund ist vor allem die kriselnde Kraftwerkssparte.
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Die Kraftwerkssparte belastet den Gesamtkonzern. Quelle: dpa
Siemens-Generatorenwerk

Die Kraftwerkssparte belastet den Gesamtkonzern.

(Foto: dpa)

MünchenMit seiner neuen Konzernstruktur geht Siemens-Chef Joe Kaeser aufs Ganze. „Wir berühren die DNA des Unternehmens“, sagte der 61-Jährige. Er will den Geschäften mit seiner „Vision 2020+“ mehr Unabhängigkeit geben. An der Börse haben bislang aber weder der insgesamt erfolgreiche Börsengang der Sparte „Siemens Healthineers“ noch die „Vision 2020+“ der Siemens-Aktie einen Schub gegeben.

Mit der Kursentwicklung im Geschäftsjahr 2018 sei er nicht zufrieden, räumte Kaeser auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen ein. „Die Kursentwicklung spiegelt nicht den realen Unternehmenswert wider“, sagte er. Immerhin lief die Aktie mit einem Minus von 7,4 Prozent etwas besser als eine Gruppe von Unternehmen, die Siemens selbst als Wettbewerber einstuft. Diese Gruppe verlor gut zehn Prozent– auch wegen des Absturzes von General Electric.

Die Siemens-Aktie leidet unter anderem darunter, dass eine strategische Lösung für das kriselnde Kraftwerksgeschäft nicht in Sicht ist. „Wenn Siemens nur aus der digitalen Fabrik bestünde, wäre der Aktienkurs vermutlich doppelt so hoch“, sagt Christoph Niesel von Union Investment.

Zudem sind den Investoren Details der neuen Struktur noch unklar. „Das Lüften des Vorhangs über der neuen ‚Vision 2020+‘ brachte für Investoren keinen Aha-Effekt, weil die wesentlichen Details zu Zeitplan, Kosten und Vorteilen der Strategie fehlten“, sagte Niesel dem Handelsblatt. Er hofft, bei einem Kapitalmarkttag im Mai näheren Aufschluss zu bekommen.

Die aktuellsten Quartalszahlen haben der Aktie auch nicht zum Aufschwung verholfen, im Gegenteil. Aktuell steht der Kurs bei 92 Euro, so niedrig wie vor drei Jahren. Im ersten Quartal 2018/19 hatte Siemens zwar den Auftragseingang um 13 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro steigern können. Doch sank das operative Ergebnis im industriellen Geschäft um sechs Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Damit lag der Konzern, so Kaeser, „eher am unteren Rand unserer Planungen“.

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Die Deutsche Bank beließ Siemens nach Vorlage der Zahlen auf „halten“, mit einem Kursziel von 110 Euro. Weitere Kostensenkungen seien angesichts der unbefriedigenden Margenentwicklung notwendig.

Das Scheitern der Bahnfusion mit Alstom hat für Schlagzeilen und für eine Diskussion über das europäische Kartellrecht gesorgt. Es hatte aber nur begrenzten Einfluss auf die Aktie. Siemens-Spezialist Andreas Willi von JP Morgan beließ die Aktie nach dem Veto aus Brüssel auf „neutral“, mit einem Kursziel von 115 Euro. Aufgrund der rekordhohen Margen und des guten Auftragsbestands der Mobility-Sparte sei Siemens in diesem Bereich in einer Position der Stärke.

Als wahrscheinlich gilt in Industriekreisen nun, dass Siemens die Mobility-Sparte selbst an die Börse bringt. Vermutlich geschieht das nicht durch einen Verkauf, sondern durch die direkte Vergabe der neuen Anteilsscheine an die Siemens-Aktionäre.
Die Sparte Medizintechnik ist bereits unter dem Namen „Healthineer“ an der Börse, allerdings nur zu 15 Prozent. Das Unternehmen hat hochgerechnet eine Marktkapitalisierung von etwa 34 Milliarden Euro. Großaktionär Siemens half das aber nur wenig.

„Trotz deutlicher Bewertungsausweitung von Healthineers wird Siemens vom Kapitalmarkt heute niedriger bewertet als vor dem Börsengang der Gesundheitssparte“, bemängelte Marcus Poppe von der DWS.

So warten die Investoren gespannt auf die Details zur neuen Struktur. Das industrielle Kerngeschäft bilden künftig die „operativen Unternehmen:“ digitale Industrien, intelligente Infrastruktur und die Kraftwerkssparte. Kaeser hat den Einheiten dabei teilweise noch ehrgeizigere Renditevorgaben gemacht. So sollen die Margen im industriellen Geschäft um zwei Prozentpunkte steigen bei einem beschleunigten Umsatzwachstum.

Kaeser hat zudem eine „Effizienzsteigerung in den Supportfunktionen“ um 20 Prozent angekündigt. Wie diese im Detail erreicht werden soll, ist aber offen.

Klarheit wird es in den nächsten Monaten geben. Dann könnte auch die Aktie wieder in Bewegung kommen. Allerdings bergen tiefe Einschnitte in bestehende Strukturen immer auch Risiken. Winfried Mathes von der Deka warnte bei der Hauptversammlung eindringlich: „Aber Vorsicht, wer zu stark an der DNA des Unternehmens rüttelt, kann leicht zum Totengräber der Marke ‚Siemens‘ werden, die bisher noch alle handelnden Personen überlebt hat.“

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