Aktie unter der Lupe Trotz jüngstem Kursanstieg – Analysten bleiben bei der Deutschen Bank skeptisch

Das Geldhaus hat sich wieder größeren Spielraum erkämpft. Nun müssen die Frankfurter beweisen, dass sie die Chancen auch nutzen.
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(FILES) In this file photo taken on April 26, 2018 the towers of German Company Deutsche Bank are pictured in Frankfurt, Germany. Germany's biggest lender Deutsche Bank said on July 25, 2018 a major restructuring under its new chief executive was in full swing, as it confirmed second-quarter profits that beat analysts' previous expectations. / AFP PHOTO / Daniel ROLAND Quelle: AFP
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(FILES) In this file photo taken on April 26, 2018 the towers of German Company Deutsche Bank are pictured in Frankfurt, Germany.
Germany's biggest lender Deutsche Bank said on July 25, 2018 a major restructuring under its new chief executive was in full swing, as it confirmed second-quarter profits that beat analysts' previous expectations. / AFP PHOTO / Daniel ROLAND

(Foto: AFP)

FrankfurtDer Freitag war kein guter Tag für die Deutsche Bank: Die Sorgen um die Lage in der Türkei drückte die Aktienkurse vieler Banken, auch den der Deutschen Bank. Mit einem Minus von rund vier Prozent war das größte deutsche Kreditinstitut Schlusslicht im Dax.

Dieser Dämpfer überdeckt die ungewöhnliche Entwicklung, die der Kursverlauf in den vergangenen Wochen nahm: Die Aktie, die der Konkurrenz häufig hinterherhechelt, hat sich seit dem Jahrestief von Ende Juni trotz der Verluste vom Freitag noch immer um knapp 14 Prozent auf 10,30 Euro verteuert. Der europäische Bankenindex Stoxx 600 Banks verharrte in dieser Zeit fast auf der Stelle.

Mit einleuchtenden Erklärungen für die Entwicklung tun sich Finanzprofis schwer. Zu oft erlebte die Bank nach zarten Fortschritten herbe Rückschläge. Einig sind sich Experten nur darin: Hedgefonds, die zuvor auf fallende Kurse der Bank gewettet hatten, spielten eine wichtige Rolle. Bis Mitte Juli setzten spekulative Investoren massiv darauf, dass sich die Aktie der Bank weiter verbilligt.

Zeitweise nutzten Hedgefonds mehr als fünf Prozent aller ausstehenden Aktien für solche Wetten, zeigt die Leerverkaufs-Datenbank des Handelsblatts. Können die Investoren die Anteile, die sie sich für ihre Wette auf Verluste ausgeliehen haben, später billiger zurückkaufen, machen sie Gewinn.

Dieses Kalkül ging für einige Hedgefonds Mitte Juli schief. Denn da wurde bekannt, dass die Quartalszahlen der Bank deutlich über den Markterwartungen lagen. Der Kurs stieg, die Negativwetten wurden zu teuer, und Hedgefonds mussten sich mit Aktien eindecken. Sie verstärkten damit den Aufwärtstrend. Seither hat sich das Ausmaß dieser Leerverkäufe auf etwa 4,5 Prozent verringert.

Für den Analysten von M. M. Warburg, Andreas Pläsier, ist die Fehlspekulation der Leerverkäufer der Hauptgrund für das Kursplus: „Fundamentale Gründe für einen Kursanstieg dieses Ausmaßes sehe ich nicht“, sagt er. Zwei prominente Überzeugungstäter gab es aber schon: So haben die Neu-Aufsichtsräte der Bank, John Thain und Mayree Clark, investiert.

Die Analystengemeinde ist dennoch vorsichtig. „Ich würde den Kursanstieg der vergangenen Wochen nicht überbewerten. Vom Tiefpunkt aus gesehen, mag er relativ groß wirken, aber damit wird nur ein kleiner Teil der vorangegangenen Kursverluste der letzten drei Jahre aufgeholt“, sagt Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler. Trotz des Kursanstiegs ist die Aktie noch immer etwa ein Drittel billiger als zu Jahresbeginn. Und ein anderer Analyst weist darauf hin, dass im September der nächste Rückschlag droht. Dann fliegt die Bank höchstwahrscheinlich aus dem Index Euro Stoxx 50.

Passive Fonds, die diesen Index nachbilden, müssten die Aktien dann verkaufen. Der LBBW-Analyst Uwe Streich hat berechnet, dass Aktien, die seit dem Jahr 2000 einen wichtigen Benchmark-Index verlassen mussten, zwischen Bekanntgabe und Umsetzung der Entscheidung im Mittel rund drei Prozent ihres Werts einbüßten – zusätzlich zu den Verlusten von im Schnitt 5,6 Prozent, die sie bereits im Monat vor dem Prüftermin nachgaben.

Unbeliebte Aktie

Kein Wunder, dass die Aktie unter Analysten so unbeliebt ist: Nur drei von 34 Analysten raten laut dem Informationsdienst Bloomberg derzeit zum Kauf der Aktie. Am größten ist das „Verkaufen“-Lager mit 16 Analysten. Der Rest beurteilt das Papier „neutral“. Auch auf die Quartalszahlen reagierten die Finanzprofis zurückhaltend, obwohl die Bank mehr verdiente als gedacht.

Die Commerzbank stufte ihr Urteil zwar von „verkaufen“ auf „halten“ hoch, und eine Handvoll Banken wie HSBC und DZ Bank hob ihr Kursziel an. Parallel dazu senkten einige Banken aber auch ihre Kursziele – und am Donnerstag reihte sich Morgan Stanley mit dem Urteil „Untergewichten“ ins Lager der Skeptiker ein.

Für eine gnädigere Beurteilung wollen die meisten Experten handfeste Fortschritte sehen. „An den Zahlen zum zweiten Quartal lässt sich meines Erachtens eher eine Stabilisierung ablesen, aber keine fundamentale Trendwende“, sagt etwa Metzler-Analyst Schmitt. Die Bank erzielte zwar erste Erfolge beim Abbau ihres Kostenblocks, doch die schwindenden Erträge gerade im Wertpapierhandel bleiben ein drängendes Problem.

Zu den Lichtblicken zählen die besseren Kapitalquoten. Das war die wichtigste positive Überraschung und für die Commerzbank, die lange Zeit zum Verkauf riet, ein Grund, ins neutrale Lager zu wechseln. Selbst die meist kritischen Barclays-Analysten loben: „Kapital ist eines der Gebiete, die ein bisschen besser waren und ein bisschen Raum zum Atmen geben.“

Kapitalquote besänftigt Anleger

Das hat zum Kursanstieg zumindest beigetragen: Ein Aktienkurs unter zehn Euro signalisiert eine gewisse Angst der Anleger vor einer denkbaren Schieflage der Deutschen Bank, sagen Aktienhändler. Auch das Risiko einer Kapitalerhöhung ist hoch, solange die Eigenmittel knapp sind. Diese Ängste sind kleiner geworden. „Das Kapital sieht erstmals seit der Krise angemessen aus“, heißt es in einer Studie von HSBC, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Analysten stellen sich die Frage, ob die üppigeren Kapitalpuffer nicht sogar ein „Gegengift“ für die operative Schwäche der Bank sein können. Ihr Kalkül: Wenn die Investoren weniger nervös sind, kann die Bank ihre enorm hohen und teuren Liquiditätspolster reduzieren.

Außerdem gibt das der Bank mehr Spielraum für Investitionen. Ähnliches gilt für das leicht verbesserte Emittenten-Rating der Ratingagentur Moody’s: Auch das erhöht die Chancen der Bank, mit institutionellen Anlegern wieder besser ins Geschäft zu kommen.

Bislang sind das Hoffnungswerte. Die Bank muss noch beweisen, dass sie diese Spielräume in Erträge ummünzen kann. „In den vergangenen Jahren ist viel Vertrauen zerstört worden. Da will man schon konkrete Fortschritte sehen, bevor man zum Gläubigen wird“, meint Warburg-Analyst Pläsier.

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