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Aktie unter der Lupe Warum die Disney-Aktie bald ihre Magie einbüßen könnte

Der Micky-Maus-Konzerns will Netflix mit einem Streamingdienst Konkurrenz machen. Doch der Aktie könnte die Luft ausgehen, befürchten Analysten.
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Disney plant mit der eigenen Plattform Disney+ bisherigen Streamingdiensten wie Netflix Konkurrenz zu machen. Quelle: Reuters
Minnie Maus und Mickey Maus

Disney plant mit der eigenen Plattform Disney+ bisherigen Streamingdiensten wie Netflix Konkurrenz zu machen.

(Foto: Reuters)

WienSeine Aktionäre überrascht Robert Iger nur ungern. Deswegen gab der CEO der Walt Disney Company auf einem Investorentag vor Kurzem auch nur das bekannt, was Insider längst erwartet hatten. 2021 sei die Zeit für seinen Rücktritt gekommen, sagte der 68-Jährige, der seit 14 Jahren an der Spitze des Micky-Maus-Konzerns steht. Seinen Anteilseignern versprach er im gleichen Atemzug einen „glatten Übergang“ – auch wenn sich noch kein endgültiger Kronprinz abzeichnet.

Der sportliche Manager mit dem gewinnenden Lächeln verkündete seinen mittelfristigen Ausstieg aus dem operativen Geschäft zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt. Die Aktie des Micky-Maus-Konzern hat mit Kursen über 130 Dollar historische Höchststande erreicht. Zum Vergleich: Im Juni 2017 lag die Aktie noch unter 78 Dollar. Das Papier kletterte innerhalb von zehn Jahren um mehr als 600 Prozent. Noch nie war der Medienriese mit einer Marktkapitalisierung von über 200 Milliarden Euro mehr wert als heute.

Für Iger ist das kein Grund sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: Disney steigt im November 2019 in den Kampf gegen die Streamingdienste Netflix, Apple, Amazon und Co. mit einem eigenen Angebot ein. Der Dienst des Unterhaltungsriesen namens Disney+ wird mit 6,99 US-Dollar monatlich billiger sein als das seines größten Rivalen Netflix. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley hat erst kürzlich angekündigt, die Preise in Europa anzuheben.

Netflix schwächelt

Disneys Preismodell ist eine Kampfansage: Iger will nicht Firmen aus dem Silicon Valley das Endkundengeschäft mit Filmen, Serien und Dokumentationen rund um den Globus überlassen. Deshalb soll Disney+ nicht nur ab dem 12. November in Nordamerika, sondern auch weltweit verfügbar sein.

Der Moment ist geschickt gewählt, denn Netflix‘ rasantes Wachstum schwächt sich gerade ab. Im laufenden Quartal rechnet der Streamingdienst weltweit nur noch mit einem Plus von fünf Millionen Abonnenten. Analysten trauen dem Micky-Maus-Konzern viel zu. Mehr als zwei Drittel aller Marktexperten – von Morgan Stanley über Goldman Sachs bis hin zur DZ Bank oder Erste Group – empfehlen die Aktie zum Kauf.

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Ein weiteres Drittel empfiehlt, das Papier zu halten. Das Problem für Anleger: Viel Luft nach oben scheint der Aktienkurs offenbar aber nicht zu haben. Selbst die größten Optimisten unter den Medienanalysten wie Marci Ryvicker von Wolfe Research oder Mark Zgutowicz von Rosenblatt Securities haben Kursziele von 150 Dollar beziehungsweise 147 Dollar ausgegeben. Drew Borst von Goldman Sachs erwartet, dass das Papier von Disney bereits vorläufig bei 143 Dollar ausgereizt ist.

Nummer eins in Hollywood

Robert Iger will mit Disney+ innerhalb von fünf Jahren 60 bis 90 Millionen Abonnenten gewinnen. Netflix hat bereits jetzt ein deutlich größeres Publikum: Der Streamingdienst zählt derzeit nach eigenen Angaben knapp 149 Millionen Kunden. Doch Analysten trauen dem Micky-Maus-Konzern magische Kräfte bei der Aufholjagd um Abonnenten für seinen Streamingdienst zu.

„Wir glauben, dass Disney+ 45 Millionen Abonnenten im Heimatmarkt und 115 Millionen international erreichen kann“, sagen die Marktexperten von JP Morgan. Für sie liegt das Kursziel der Aktie bei 137 Dollar. Die Zuversicht von unabhängigen Experten hat einen Grund. Iger konnte in den vergangenen Jahren fast ausnahmslos mit positiven Nachrichten überzeugen.

Schließlich hat der gebürtige Kalifornier Disney zur unbestrittenen Nummer eins in Hollywood gemacht. Im Gegensatz zu Netflix, das weltweit Filme, Serien und Dokumentationen für ihr Angebot schnell zusammenkaufen muss, kann Disney bei den Inhalten aus dem Vollen schöpfen. Seit seinem Amtsantritt kaufte Iger eine Ikone des Filmgeschäfts nach der anderen.

Bereits 2006 erwarb er von Steve Jobs das Animationsstudio Pixar („Toy Story“, „Cars”) in Emeryville bei San Francisco. Drei Jahre später folgte die Übernahme der Marvel-Studios („Avengers“, „Spiderman“, „Iron Man“) in Burbank und schließlich 2012 das nördlich von San Francisco gelegene Studio von George Lucas („Star Wars“).

Erst im März dieses Jahres kaufte der Vorstandschef 21st Century Fox, das Hollywood-Studio und eine Reihe von Fernsehsendern des Medientycoons Robert Murdoch („Wall Street Journal“, „Sun“, „Sky“) für insgesamt 71 Milliarden Dollar. Noch nie war Disney besser für den Konkurrenzkampf um den Konsumenten digitaler Medien gewappnet als heute.

In die Offensive mit Disney+

Denn der Konzern verfügt über Marken, Spielfilme, Animationsfilme, Liveacts, Shows und Sportrechte – die ganze Bandbreite des Inhaltegeschäfts. Beim Streamingdienst Disney+ sollen künftig die Superhelden „Avengers“ und „Stars Wars“ exklusiv laufen. Mit der Übernahme von Fox gehören auch globale Animationsmarken wie die „Simpsons“ zum Micky-Maus-Konzern.

Iger ist davon überzeugt, dass die exklusive Verwertung seiner Marken über genügend Strahlkraft verfügt, um neue Kunden für Disney+ zu gewinnen und Netflix Abonnenten abspenstig zu machen. Bei dem Kampf um die mittelfristige Vorherrschaft bei den Streamingdiensten spielt der finanzielle Spielraum eine zentrale Rolle. Dabei hat Netflix eindeutig das Nachsehen.

Deren Umsatz beträgt knapp 16 Milliarden Dollar, der Nettogewinn liegt bei gut 1,2 Milliarden US-Dollar. Disney hingegen verbuchte im vergangenen Jahr Rekorderlöse von über 59 Milliarden Dollar. Allein der Nettogewinn belief sich auf 10,6 Milliarden Dollar.

Der große Unbekannte ist jedoch Apple. Erst im März hatte der Technologiekonzern ebenfalls für den Herbst einen eigenen Streamingdienst angekündigt. Allerdings war Apple-Chef Tim Cook mit exakten Informationen zurückhaltend. So steht noch nicht fest, wie viel Kunden für den Dienst Apple+ zahlen müssen. Die Preisstrategie des iPhone-Konzerns dürfte für Disney aber interessant sein: Schließlich sind die zwei Konzerne indirekt miteinander verbunden.

Apple-Gründer Steve Jobs stieg durch den Verkauf der Pixar-Anteile schon zu Lebzeiten zum größten Einzelaktionär des Micky-Maus-Konzerns auf. Das Aktienpaket gehört heute seiner Witwe Laurene Powell Jobs. Disney-Chef Iger wiederum sitzt bereits seit acht Jahren im Verwaltungsrat von Apple. Er kennt die Strategie und die Probleme des Giganten aus dem Silicon Valley. Die engen Bande zwischen den beiden Unternehmen sorgen für viele Spekulationen im Markt.

Die Ankündigungen von Apple und Disney zeigen aber auch: Der Wettbewerb um das Streaming von Filmen, Serien, Dokus und Live-Events hat gerade erst begonnen. Deshalb werden positive, aber auch negative Überraschungen auch für Disney nicht ausbleiben – trotz der kontinuierlich positiven Entwicklungen im Micky-Maus-Imperium.

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