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Aktie unter der Lupe Wieso der Getränkekonzern Berentzen auf alkoholfreie Getränke setzt

Das emsländische Traditionsunternehmen richtet sein Geschäft stärker auf Limonaden und Premiumprodukte aus. Analysten gefällt das Konzept.
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Experten glauben an das Potenzial der Eigenmarken.
Limonade von Berentzen

Experten glauben an das Potenzial der Eigenmarken.

Düsseldorf Beim Namen Berentzen denken viele an Apfelkorn und fruchtige Minifläschchen zum Feiern. Doch die Emsländer mit mehr als 250-jähriger Tradition möchten ihr altbackenes Image endgültig abstreifen: Mit neuen Premiumspirituosen, innovativen Limonaden und Orangensaftpressen wollen sie wachsen – und damit auch für langfristig orientierte Anleger wieder interessanter werden.

Die Börsenstory von Berentzen war lange von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Nach der Wende eroberten russische Wodkas die Märkte im Westen und setzten klassische deutsche Spirituosen unter Druck.

Berentzen kaufte Doornkaart und Strothmann zu – alles Marken, die ihren Zenit bereits überschritten hatten. Der Umsatz halbierte sich in den zehn Jahren bis 2006. Der Kurs stürzte ab, die Firma schrieb Verluste.

2008 stieg Investor Aurelius mehrheitlich ein – und 2016 wieder aus. „Unter Aurelius wurde Notwendiges mit harter Hand restrukturiert, aber – wie bei Sanierungen üblich – vergleichsweise wenig in Technik, Marketing und Innovationen investiert“, konstatiert Oliver Schwegmann, seit Juni 2017 CEO der Berentzen-Gruppe.

Das will der Manager, der zuvor bei Storck, Mars und L’Oréal arbeitete, nun nachholen. Ein Hoffnungsträger ist die neue Edelmarke Berentzen Signature in Apfel, Zwetschge oder Birne – „eine Komposition aus Obstbrand und Likör, aber nicht so süß“, so Schwegmann. Er will damit ältere Konsumenten reaktivieren: „Bisher waren wir eher im unteren und mittleren Preissegment präsent, der Trend geht aber zu Premium.“

Das belegen Erhebungen des Marktforschers Nielsen: So sank der Absatz von Spirituosen hierzulande insgesamt um 1,7 Prozent auf 566 Millionen Liter. Das zeigen Zahlen für die zwölf Monate bis Ende Juni. Demgegenüber legte der Umsatz mit Marken um 1,8 Prozent zu. Marktexperte Christian Gniech von Nielsen sieht „Tendenzen zur Premiumisierung“ – vor allem in Supermärkten und Tankstellen.

Der Pro-Kopf-Konsum von Spirituosen stagniert in Deutschland bei 5,4 Litern im Jahr. „Es wird schleichend weniger getrunken, dafür Hochwertigeres“, sagt Schwegmann. Zu Jahresanfang brachte Berentzen deshalb den Premium-Rum Tres Paises auf den Markt. Insgesamt setzt das Unternehmen jährlich rund 25 Millionen Flaschen mit eigenen Marken und etwa 58 Millionen Flaschen mit Handelsmarken ab.

Orangensaft statt Apfelkorn

„Berentzen ist immer noch deutscher Marktführer bei Handelsmarken, mit denen sich die Händler immer mehr abheben möchten“, konstatiert Tom Diedrich, Analyst vom Bankhaus Metzler. Bekam früher stets der günstigste Hersteller den Zuschlag, so entwickelt Berentzen nun mit internationalen Handelsketten auch hochwertige Spirituosen. „Denn die Markenloyalität bei Getränken nimmt ab“, weiß Schwegmann.

Davon profitiert auch die Limo Mio Mio – eine Erfolgsgeschichte für Berentzen. Mit neuen Sorten soll das Hipstergetränk 2019 um fast 40 Prozent auf 35 Millionen Flaschen weiterwachsen.

Berentzen habe wachstums- und margenstarke Produkte im Portfolio, was nicht nur die seit Jahren dynamisch wachsende Eigenmarke Mio Mio beweise, meint Enid Omerovic, Analyst von Frankfurt Main Research. Die koffeinhaltige Limonade stehe als Wachstumstreiber erst am Anfang ihrer Erfolgsgeschichte, urteilt Analyst Diedrich.

Ein Hoffnungsträger ist auch die neue Limo-Marke Kräuterbraut mit weniger Zucker. Mit alkoholfreien Getränken wie auch Mineralwasser setzen die Emsländer rund 50 Millionen Euro um, auch als Konzessionär für Sinalco.

Spirituosenhersteller stehen global im harten Wettbewerb. Auch Diageo, die weltweite Nummer eins, setzt deshalb auf Alkoholfreies. Im August übernahmen die Briten die Mehrheit am Start-up Seedlip für alkoholfreien Gin. „Wir investieren in disruptive Marken, die für die Welt komplett neu sind“, sagte CEO Ivan Menezes.

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Nach einem Rekordhoch von mehr als 40 Euro im August notiert die Aktie nun etwas niedriger. Diageo will bis Sommer 2022 bis zu 4,5 Milliarden Pfund an die Aktionäre zurückgeben.

Auch die Aktie der globalen Nummer zwei, Pernod Ricard, erreichte Anfang September mit 179,2 Euro einen Rekord. Vor allem das Geschäft in Asien boomt. Die Franzosen kündigten im August eine Anhebung der Dividende und einen milliardenschweren Aktienrückkauf an.

Berentzen spielt größenmäßig in einer anderen Liga, ist aber für Anleger interessant. Für einen Kursschub sorgte der mutige Einstieg in eine ganz neue Sparte. 2014 übernahm Berentzen den österreichischen Orangenpressenbauer Citrocasa. Die Pressen kosten bis zu 8 000 Euro. Berentzen liefert auch Flaschen und unbehandelte Orangen dazu.

Die miese Orangenernte 2017 aber drückte die Umsätze von Citrocasa. „Wir mussten bei der Orangenlogistik eine Menge lernen“, räumt Schwegmann ein. Inzwischen gibt es 25 statt sieben Lieferanten und damit weniger Risiken.

Rund 20 Millionen Euro setzt Berentzen mit Citrocasa um. Es gibt zwar Wettbewerber wie Zumex, diese bieten aber kein Orangenabo. Analyst Omerovic jedenfalls erwartet vom Frischsaftsystem, das 2018 deutlich Federn lassen musste, wieder klare Wachstumsimpulse.

„Wir haben unseren Aktionären versprochen, jedes Jahr mindestens die Hälfte des Gewinns auszuschütten“, betont der Berentzen-Chef. Die Ebit-Marge stieg zuletzt auf sechs Prozent. Analyst Diedrich von Metzler begrüßt die soliden Bilanzen und attraktiven Dividenden. Er erwartet ein organisches Wachstum von im Schnitt 3,2 Prozent in den nächsten drei Jahren. Sein Kursziel liegt bei 8,50 Euro.

Analyst Omerovic prognostiziert für 2021 Umsätze von 181,5 Millionen Euro. Er empfiehlt Berentzen zum Kauf und setzt ein Kursziel von zehn Euro je Aktie – ein klares Signal, pendelt der Wert doch derzeit um den Kurs von sechs Euro.

Mehr: So wenig kostet eine Flasche in der Produktion von Berentzen.

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