Aktien Goldman empfiehlt europäische Aktien

Gerade hat die Wall Street einen herben Rücksetzer erlitten. Die Zahlen von Technologiewerten haben enttäuscht. Dazu passt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs seit neuestem europäische Aktien den US-Werten vorzieht.
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Die US-Investmentbank zieht europäische Titel den US-Werten vor. Quelle: dpa
Goldman Sachs

Die US-Investmentbank zieht europäische Titel den US-Werten vor.

(Foto: dpa)

New YorkDer Dienstag war kein guter Tag für die US-Börsen. An der Wall Street gab etwa der Dow-Jones-Index der Standardwerte ein gutes Prozent ab. Auch Nasdaq und S&P 500 gerieten unter Druck. Der Grund: US-Technologiewerte hatten mit ihren Quartalszahlen enttäuscht. Heute dürfte es weiter nach unten gehen: Nach Börsenschluss folgten Hiobsbotschaften von Microsoft und Yahoo. Auch Apple konnte Anleger trotz Gewinnsteigerung nicht überzeugen. Die Aktie rutschte nachbörslich rund sieben Prozent in den Keller.

Doch legen Dow-Jones und Co. jetzt dauerhaft den Rückwärtsgang ein? Zumindest Goldman Sachs setzt ab sofort andere Prioritäten. Die US-Investmentbank hat europäische Aktien neuerdings auf „übergewichten“ herauf- und amerikanische Titel auf „untergewichten“ herabgestuft. In Europa sehen die Analysten dort in den kommenden drei Monaten Kurssteigerungen von knapp zwei Prozent, in den USA einen Rückgang um mehr als einem halben Prozent voraus.

Auslöser für die Heraufstufung Europas war auch, dass in der Griechenland-Krise trotz aller verbleibenden Probleme die Vernunft allmählich wieder einkehrt und die Gefahr eines Zerbrechens der Euro-Zone vorerst gebannt scheint. Selbst während der Griechenland-Krise war aus US-Sicht der Einbruch des chinesischen Aktienmarktes das größere Problem, die Sorgen der Investoren hielten sich in Grenzen.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: Japan
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Die Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr

Platz 17: Österreich
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Ziemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr

Platz 16: Italien
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Der MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr

Platz 15: Singapur
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Singapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr

Platz 14: Belgien
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In der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr

Platz 13: Frankreich
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Der Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr

Platz 12: Norwegen
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Der norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr

Goldman hat allerdings schon seit Anfang des Jahres europäische Aktien für aussichtsreicher gehalten als amerikanische. Und liegt damit im Trend der meisten US-Investoren. Der Vermögensverwalter Blackrock etwa findet zum Beispiel italienische oder französische Aktien günstiger bewertet als amerikanische, bei deutschen Titeln ist der Abstand etwas geringer.

Der Stratege David Kelly von JP Morgan empfiehlt langfristig orientierten US-Anlegern sogar, europäische Aktien ohne Währungsabsicherung zu kaufen, weil seiner Meinung nach der Euro in ein paar Jahren wieder stärker sein wird. In dem Punkt gibt es allerdings verschiedene Meinungen, Blackrock rechnet zumindest auf absehbare Zeit mit einem weiter steigenden Dollar.

Die Amerikaner halten zwar die US-Wirtschaft immer noch für weitaus robuster als die europäische und schütteln den Kopf über das europäische Krisenmanagement. Aber sie achten in erster Linie auf die relativen Veränderungen und sehen in Europa eine bessere Entwicklung als erwartet, in den USA dagegen eher einen Dämpfer. Ihnen liegt es auch völlig fern, wie „Der Spiegel“ mit „Europas Scheitern“ den Untergang des Abendlands zu befürchten. Sie achten mehr auf die Unterschiede in der Bewertung.

Laut Blackrock und den meisten anderen Investoren sind Aktien insgesamt nicht so stark überbewertet wie Anleihen. Sollte es, etwa im Zusammenhang mit der anstehenden Zinserhöhung der US-Notenbank, zu einer deutlichen Marktreaktion kommen, darf man freilich nicht übersehen: Aktien schwanken weitaus mehr im Kurs als Anleihen und bergen damit zumindest kurzfristig trotzdem die höheren Risiken.

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