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Aktien unter der Lupe Chance oder letztes Gefecht? Box und Dropbox wagen einen Neustart

Box und Dropbox proben den Neuanfang mit zusätzlichem Service für die Kunden. Für Anleger sind beide Konkurrenten eine heiße Wette mit erheblichem Risiko.
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Der Box-Chef konnte die Analysten nicht überzeugen. Quelle: MATT EDGE/The New York Times/Red/Redux/laif
Aaron Levie

Der Box-Chef konnte die Analysten nicht überzeugen.

(Foto: MATT EDGE/The New York Times/Red/Redux/laif)

San Francisco Es hätte kaum schlimmer kommen können für Box. Den bislang letzten Schlag hat dem Dateispeicherservice im Internet das Analysehaus Canaccord Genuity versetzt. Anfang Juni setzte dessen Analyst Richard Davis die Empfehlung von „kaufen“ auf „halten“ herunter und reduzierte das Kursziel von 24 auf 16 Dollar.

Auslöser war, dass das Management das zweite Mal in Folge enttäuschende Wachstumsraten vermeldet hatte. Ein Aufwand von 40 Prozent des Umsatzes für Vertrieb und Marketing bei zehn bis 15 Prozent Wachstum zeige klar, dass etwas nicht in Ordnung sei, so der Canaccord-Analyst. Höchstens die Hälfte wäre angemessen.

Canaccord setzte die Umsatzerwartungen für das Finanzjahr 2020 von 702 auf 690 Millionen Dollar herab. Für 2021 liegen die Erwartungen nun bei 776 Millionen Dollar statt wie zuvor bei 810 Millionen. Damit rückt auch der von Box immer wieder versprochene nachhaltige Sprung in die Gewinnzone in weite Ferne.

Das Box-Management in Redwood City machte im Analystengespräch Anfang Juni nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Verzögerungen beim Abschluss strategischer Kundenverträge verantwortlich. Aber Tatsache ist, dass Box zum zweiten Mal die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Box hat damit praktisch die gesamten Kursgewinne seit Anfang 2019 vernichtet.

Es wird langsam eng für den angeblich heißesten Internet-Tipp des Jahres 2018: Nur noch acht der von Zacks Investment Research verfolgten Analysehäuser geben für Box die Empfehlung „starker Kauf“, eines sagt „Kauf“, aber schon fünf sind für „halten“. Zu den verbliebenen Optimisten gehört das Investmenthaus Raymond James, das weiter ein „Outperform“-Rating gibt, aber das Kursziel auf 21 Dollar gesenkt hat.

Wo steckt das Problem? Box hat, so wie auch Dropbox, längst die Herausforderung erkannt, sein Geschäftsmodell für schwere Zeiten wetterfest zu machen. Dateien sicher im Internet zu speichern und über alle Kanäle vom Smartphone bis zum PC oder Mac zu verteilen ist immer noch wichtig, gerade für Unternehmen. Aber die Konkurrenz von Google, Microsoft oder Apple bietet diese Dienstleistungen längst auch an, teilweise integriert in hochentwickelte Bürosoftware und in den Basisversionen sogar kostenlos.

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Box hatte sich 2018 auf die Fahne geschrieben, die gespeicherten Informationen mit zusätzlichem Wert für die Besitzer zu versehen. So verspricht das Unternehmen, mithilfe von Künstlicher Intelligenz auch noch das letzte bisschen Informationen aus Text-, Sprach- und Videodateien herauszuquetschen.

Dafür werden die Cloud-Plattformen der großen drei – Amazon, Microsoft und Google – benutzt, ohne dass der Unternehmenskunde seine Daten dafür in eine der drei Clouds hochladen muss. Er kann sogar die Aufgaben aufteilen, zum Beispiel mit Microsoft nur die Texte durchsuchen, mit Google die Bilddateien und mit Amazon die Videos. Box will den Unternehmen Unabhängigkeit von der Macht der Cloud-Giganten ermöglichen.

Nur: Die guten Ideen müssen sich auch in der Praxis bewähren, und davon ist bisher nur wenig zu bemerken. Zuletzt gab es immerhin einen Lichtblick: Anfang Juli meldete der japanische Tech-Riese NEC einen Vertrag, nach dem zunächst 100.000 Mitarbeiter weltweit an ihren Arbeitsplätzen mit Box ausgestattet werden.

NEC will damit die Digitalisierung seiner Geschäftsprozesse und seiner Arbeitsplätze vorantreiben. Die Box-Plattform erlaubt es den Softwareabteilungen der Kunden, eigene Apps und Prozesse auf Basis von Box zu erstellen. Das sind genau die Neukunden, die die Wall Street sehen will. Aber ob es genug gewesen sind, werden erst die kommenden Quartalszahlen zeigen.

Denn das ist genau die Klientel, denen auch der Konkurrent Dropbox nachjagt. Zacks Investment Research meldet bei zehn Analysten siebenmal einen „starken Kauf“, einmal „Kauf“ und zweimal „halten“. Wie bei Box rät niemand zum Verkauf. Seit dem Börsengang im Jahr 2018 hat Dropbox eine wilde Berg-und-Tal-Fahrt hingelegt, mit einem Hoch von 40 Dollar, einem Tief bei knapp 19 Dollar und aktuellen Kursen von rund 25 Dollar.

Dropbox hat am 11. Juni ein brandneues Konzept und ein Nutzerinterface präsentiert, mit denen aus dem zwölf Jahre alten Web-Speicherdienst das zentrale Werkzeug des digitalen Arbeiters und Angestellten im 21. Jahrhundert werden soll. Das Unternehmen will unter der neuen Oberfläche, die sich derzeit im Testbetrieb bewähren muss, Kontakte, Werkzeuge (zum Beispiel Word oder Excel) und Dateien bündeln und miteinander verknüpfen.

Große Veränderung bei Dropbox

Dazu wurde eine langfristige Partnerschaft mit dem gerade mit Furore an die Börse gegangenen Kommunikationstool Slack vereinbart. Hinzu kamen auch der Börsenneuling Zoom für Videokonferenzen und der Projektspezialist Atlassian. Eine Kooperation mit Googles Officepaket G-Suite besteht schon länger.

Nutzer können also bald aus ihrer Dropbox-Oberfläche heraus gemeinsam mit anderen an Dateien arbeiten, Projekte aufsetzen, Videokonferenzen starten oder Teamgespräche über Slack führen.

Es ist die mit Abstand größte Veränderung im Auftreten zum Nutzer hin, die Dropbox jemals gemacht hat, beschreibt Firmenchef und Mitgründer Drew Houston den Neustart im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dropbox wird zum digitalen Arbeitsplatz und überlässt es dem Kunden dabei, welche Werkzeuge er installieren will. Houston will sich jetzt nicht nur am alten Rivalen Box reiben, sondern am Office-Giganten Microsoft gleich mit.

Gleichzeitig sucht er die klare Abgrenzung zu Box. Dropbox bietet nicht nur Datenspeicherung wie in den ersten Tagen des Internets an, sondern will die digitale Arbeitswelt fundamental verändern. Das Unternehmen steht trotz einer immer noch hohen Bewertung fundamental gesehen besser da als Box.

Das erste Quartal des Finanzjahres verlief überwiegend positiv, mit einem Umsatzplus von 22 Prozent zum Vorjahr auf 385,6 Millionen Dollar und 13,2 Millionen zahlenden Kunden. Die schleppende Umwandlung von freien zu zahlenden Kunden betrachten viele Analysten allerdings immer noch mit großer Skepsis. Mit der neuen Oberfläche muss sie sich endlich beschleunigen.

Es gibt noch andere Aspekte. Für Box sprechen abseits der normalen Geschäftsentwicklung derzeit die immer wieder aufflammenden Übernahmegerüchte. Immerhin liegt der Kurs nicht mehr weit vom Ausgabepreis 2015 von 14 Dollar entfernt und bereits deutlich unter dem Schlusskurs vom ersten Handelstag – das waren 23 Dollar. Ein weiteres schlechtes Quartal könnte die Aktie unter den Ausgabepreis drücken.

Als potenzielle Käufer werden immer wieder Firmen wie Alphabet (Google) oder Amazon genannt, die durch Box ihre eigenen Cloud-Angebote mit einem Schlag aufwerten könnten. Viele ihrer Cloud-Kunden sind überdies zugleich Box-Kunden. Gerade Google könnte einen Schuss Adrenalin für sein Cloud-Geschäft gut gebrauchen. Das Problem dabei: Genau dieselben potenziellen Käufer wären auch in der Lage, mit einem knallharten Preiskrieg Box und Dropbox zuzusetzen und so den Übernahmepreis zu drücken.

Für die Anleger ist die Situation verzwickt. Dropbox macht derzeit einen guten Eindruck mit seiner Neupositionierung. Sie sieht Erfolg versprechend aus – wenn sie denn so funktioniert wie angekündigt. Gleichzeitig könnte der Erfolg aber die Giganten wie Microsoft oder Amazon wecken, die Dropbox verschärft angreifen. Gerade hat Microsoft vermeldet, dass „Microsoft Teams“ nicht nur der schnellstwachsende Dienst sei, den das Unternehmen jemals gestartet hat, sondern mit über 13 Millionen zahlenden Nutzern sogar Dropbox-Partner Slack bereits überholt habe.

Box wiederum muss ganz klar ‧wieder Boden unter die Füße bekommen und seine Strategie aus Künstlicher Intelligenz und vermehrtem Kundennutzen am Markt zum Erfolg führen. Ein weiteres Abwärtsquartal im Wachstum könnte die finanzielle Situation stark belasten und einen Rutsch unter den Kurs von 14 Dollar provozieren. Das wiederum würde dann vielleicht Unternehmenskäufer wie Beteiligungsfonds anlocken.

Wem das alles zu riskant und undurchsichtig ist, der sollte von beiden Aktien die Finger lassen. Oder sich beide Papiere zulegen in der Hoffnung, dass wenigstens eines zu alten Höhen zurückfinden wird.

Mehr: Lesen Sie hier, welche Unternehmen beim Kampf um die Vorherrschaft bei Cloud-Diensten besonders aggressiv vorgehen.

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