Aktienkurs Wie Jo Ackermann die Deutsche Bank halbierte

Ackermann tritt ab - was hat er den Aktionären gebracht? Unter dem Strich deutliche Verluste. In seiner Amtszeit hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Seltsamerweise sind die Eigentümer damit sogar zufrieden.
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Was will Deutschland von der Deutschen Bank?

Was will Deutschland von der Deutschen Bank?

Frankfurt/DüsseldorfEin letztes Mal noch darf er ran, darf erklären, wie er die Dinge sieht: Wenn Josef Ackermann am Morgen des 31. Mai ans Rednerpult in der Frankfurter Festhalle tritt, dann beginnt nicht nur sein letzter Arbeitstag für die Deutsche Bank, dann geht es auch um sein Vermächtnis. Zehn Jahre lang stand der Schweizer an der Spitze von Deutschlands größter Bank. Seine letzte Hauptversammlung wird für ihn zum Tag der Abrechnung.

Der Aktienkurs hat sich in Ackermann Amtszeit mehr als halbiert. Vor zehn Jahren kostete die Aktie des Frankfurter Finanzkonzerns gut 70 Euro. Wer heute einen Anteilsschein des Unternehmens ordert, muss gerade einmal 28 Euro dafür auf den Tisch legen.  Anders ausgedrückt: Wer damals für 50.000 Euro Aktien der Deutschen Bank gekauft hat, bekommt heute lediglich 20.000 Euro. Ohne Dividenden macht das eine jährliche Rendite von minus sechs Prozent. Keine gute Bilanz für Josef Ackermann.

Und dennoch wird die Kritik an ihm leise ausfallen. „Die Aktionäre können froh sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist“, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Man müsse die äußeren Umstände beachten, erklärt der Rechtsanwalt. Die meisten anderen Banken hätte es in den vergangenen Jahren deutlich schlimmer erwischt.

Trotzdem bleibt die Frage: Wie konnte es so steil bergab gehen mit der Aktie der Deutschen Bank? Wie konnte aus dem einstigen Witwen-und-Waisen-Papier eine Aktie werden, die viele Investoren derzeit lieber meiden als kaufen?

Als Josef Ackermann am 22. Mai 2002 die Geschicke der Deutschen Bank übernimmt, sind die Aktionäre zufrieden mit der Wahl des neuen Chefs. Den Zusammenbruch des Neuen Marktes hat das Geldhaus einigermaßen glimpflich überstanden. Anders als andere Banken des Landes, die Dresdner beispielsweise, sind die Abschreibungen auf Beteiligungen an windigen Neue-Markt-Firmen überschaubar. Die Aktionäre bekommen immerhin 1,30 Euro Dividende je Anteilsschein ausbezahlt.

Nun soll Ackermann die Bank auf Effizienz trimmen. Und damit legt er gleich los. In den ersten Jahren streicht der Schweizer Tausende Stellen; sehr zum Missfallen der Arbeitnehmer und der Politik. Als Ackermann auf der Hauptversammlung 2005 den Abbau von mehr als 6.000 Stellen ankündigt, obwohl die Bank gerade einen Rekordgewinn eingefahren hat, empfinden das viele als Provokation.

Kritiker bescheinigen Ackermann Größenwahn. Zumal er ein kühnes Ziel ausgibt: eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern. Bis heute hängt ihm das nach, auch wenn er sich schon vor Jahren von diesem Ziel verabschieden musste, von dem die Bank zuletzt so weit entfernt war wie der Frankfurter Römer von der New Yorker Wall Street.

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16 Kommentare zu "Aktienkurs: Wie Jo Ackermann die Deutsche Bank halbierte"

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  • Diese Schlagzeile ist des Handelsblatts unwürdig. Seit Lehman Brothers sind die Aktionäre von Banken für die Hyperaktivitäten der Politiker in die Sippenhaft genommen worden, obwohl die Banken, die unter der Finanzkrise gelitten, mit ganz wenigen Ausnahmen die staatlichen Landesbanken waren (und sind). Und diese massive Verschlechterung von Rahmenbedingungen Managern vor-zuwerfen, ist ja ziemlich daneben. In der Krise hat die Deutsche Bank kein Staatsgeld gebraucht, sie hat es auch so geschafft! Als Herr Ackermann antrat, hatte die Deutsche Bank bereits ihre führende Stellung in Europa verloren. Und Exportweltmeister benötigen für ihre Geschäfte ein global aufgestelltes Institut, das sie auch beim Risikomanagement unterstützt.

  • @FlashGordon
    ich weiß nicht was Ihre Antwort in Bezug auf Aktionäre mit meiner Frage zu tun hat.
    Würden Sie mit Ihrem HF bei der Deutschen Bank Long gehen oder nicht?

  • Ich investiere nur Geld in meinen eigenen HF, da wo mir auch niemand reinredet.

    Sie wissen doch, Aktionäre sind dumm, frech und auch noch gierig .....

  • Ja, der gute alte Handelsblatt journaliesmus.
    Ist das hier jetzt die Bild oder wie?
    Wie kann man mit einer Schlagzeile, so ein unsin machen. Jeder der von der Börse Ahnung hat, weiß das die dax gehandelten Werte ex-dividende gerechnet werden. Also kann man hier nicht von einen über 50% Verlust reden. Laut meiner rechnung sind es gerade mal 3,3% minusrendite pro Jahr.
    Sprich ein Aktionäre hätte "gerade mal" -23 € zuverbuchen.

  • &FlashGordon
    würden Sie dann auch für 10 Jahre signifikant im Verhältnis zu Ihrem Vermögen in Deutsche Bank investieren wenn all dies umgesetzt wird.

  • Nicht zu vergessen ist, dass Kanzlerin Merkel sich genötigt sah, ihm einmal eine Geburtstagsparty auszurichten.

    Daran kann jeder Blinde erkennen, wie wer mit wem verwoben ist.

    Der ESM-Vertrag zur Rettung der Banken sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

    Wie kaputt ist eigentlich unser System?
    Man muss nicht links oder rechts angehaucht sein, nicht religiöse oder atheistisch, sondern nur etwas Normalgeist und minimalste Züge sozialem Verhalten in sich haben, um diese Verhaltensweisen ethisch und moralisch zu brandmarken.

  • Wäre gut zu wissen, ob's da Interessenten gab, die darauf spekulierten mit Puts, daß die Deutsche Bank kursmäßig den Bach runtergeht, dies wussten, weil sie darüber immer gut informiert waren und grosse Gewinne machten.
    Wäre gut zu wissen, ob da Goldman mitgemischt hat!

  • Lieber halbiert als glatt vernichtet. Sehen wir uns doch nur das schmachvolle Ende der Dresdner Bank an, die stets blauer und deutscher als die Deutsche Bank sein wollte, aber elendig gescheitert ist und mit viel Geld des Steuerzahlers vom international vollkommen unbedeutendem Gelben Elend übernommen wurde. Ich wenn die DreBa Vorstand seit 1977 - der Ermordung Jürgen Pontos - alles falsch gemacht haben was man nur falsch machen konnte, hat niemand so ein Ende verdient. Aus dieser Sicht muss man Herrn Ackermann das allerhöchste Lob aussprechen. Meine Hochachtung hat er. Joe Du wirst mir fehlen.

  • Im Nachhinein ist man immer schlauer. Natürlich hätte man Einiges anders machen können, aber gerade der Vergleich mit anderen deutshen Instituten und auch mit internationalen Wettbewerbern zeigt, dass im Falle der Deutschen Bank doch Vieles richtig gemacht wurde. Die Bank hat unter der Leitung von Josef Ackermann ein neues Profil erworben, nach innen wie nach aussen. Der Weg, welcher von Alfred Herrhausen in Anfängen beschritten wurde, ist hier erfolgreich umgesetzt worden.
    Nicht zuletzt zeigen auch die vielen deutschen Presseartikel, die sich mit der Deutschen Bank beschäftigen, ihre Bedeutung im nationalen Markt - vornehmlich als Reibungsfläche, aber auch als Vergleichsgröße mit internationalen Wettbewerbern. Sie ist nun mal das "Mass aller Dinge" im deutschen Bankensektor, ob gerechtfertigt oder nicht.

  • Ist doch gar nichts. Herr Zuckerberg schafft die Halbierung des Börsenwertes von Facebook in einem Monat.

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