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Aktienmärkte-Analyse Warum sich der Dax von den Vorgaben der Wall Street entkoppelt

Während die US-Aktienkurse von Rekord zu Rekord eilen, schwächelt der deutsche Leitindex. Das liegt an Handelsstreit und Steuerreform – und ist gut so.
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Warum sich der Dax von den Vorgaben der Wall Street entkoppelt Quelle: Tim Wegner/laif
Händler an der Deutschen Börse

Der Dax koppelt sich immer stärker von den US-Vorgaben ab.

(Foto: Tim Wegner/laif)

Düsseldorf Ungeachtet der Rekorde an der Wall Street hat den deutschen Aktienmarkt in dieser Woche die Kraft verlassen. Weder der angehobene Ausblick des Immobilienkonzerns Vonovia am Freitag half den Kursen, noch die verbesserte Stimmung bei Unternehmen, die das Ifo-Institut kürzlich ermittelt hatte. Der Dax fiel zum Wochenende hin, die Talfahrt endete am Freitag schließlich bei 12.364 Punkten ein Prozent im Minus.

Vorbei die Zeiten, in denen der Dax sklavisch den Vorgaben der Wall Street folgte. Während die Technologiewerte an der Nasdaq und auch der breitere S&P-Index, der die 500 größten US-Konzerne beinhaltet, von Rekord zu Rekord eilt, tritt der deutsche Leitindex auf der Stelle. Und das nicht erst seit dieser Woche.

Wer zu Jahresbeginn auf die 30 Konzerne im Dax gesetzt hat, muss bis jetzt einen Verlust von sieben Prozent verkraften – trotz üppiger Dividenden im Spätwinter und Frühjahr. Sie allein bescherten dem Dax einen Zuwachs von knapp drei Prozent, trotzdem steht der Index aus das laufende Jahr gesehen im roten Bereich.

Anders das Bild in den USA: Hier gewann der S&P seit Jahresbeginn neun Prozent. Auf Sicht von 18 Monaten gewann der US-Leitindex sogar gut 20 Prozent, der Dax hingegen nichts.

Eine wesentliche Ursache ist der US-Handelsstreit mit China. Anleger gewinnen offenbar mehr und mehr den Eindruck, dass der Zoll-Disput die vielen exportstarken und vom Weltmarkt abhängigen deutschen Unternehmen sehr viel mehr trifft, als die stärker auf den Binnenmarkt fokussierten amerikanischen Konzerne.

Auffällig ist, dass in Deutschland die Aktien der Industriekonzerne zu den größten Verlierern zählen. Im vergangenen Monat hat der Stahl- und Mischkonzern Thyssen-Krupp zwölf Prozent verloren, beim Autozulieferer Continental waren es 18 Prozent. Der Spezialchemiekonzern Covestro, lange Zeit ein Shootingstar an der Börse, büßte zehn Prozent ein. Der Autobauer Daimler, der Industriegasekonzern Linde und der Mischkonzern Siemens verloren zwischen fünf und sechs Prozent.

Alle diese Unternehmen reagieren aufgrund ihres hohen Umsatzanteils im Ausland sensibel auf die weltweite Nachfrage. Viele Anleger argwöhnen, dass der Handelskonflikt die Preise für Exportwaren nach oben treibt, weil China und die USA mit Zöllen auf immer mehr Produkte nicht nur drohen, sondern diese auch umsetzen.

Die Strafzölle machen beispielsweise in den USA produzierte und von dort nach China exportierte Autos von BMW und Daimler teurer – und damit weniger wettbewerbsfähig. Das drückt die Kurse. Aktien von BMW und Daimler haben seit Mitte Januar, als US-Präsident Donald Trump den Handelskonflikt intensivierte, zwischen zehn (BMW) und 25 Prozent (Daimler) verloren. Volkswagen verlor 20 Prozent.

Dass US-Präsident Donald Trump jetzt offenbar vorhat, nach dem Auslaufen einer Frist am 6. September den nächsten Schritt zu gehen, und Zölle auf Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden US-Dollar erheben möchte, hat die Aktienkurse der vielen exportstarken Industrieunternehmen weiter nach unten gedrückt.

Ganz anders dagegen die Reaktion an der Wall Street: Hier steigen die Gewinne und Aktienkurse der amerikanischen Unternehmen immer weiter. Der starke Binnenmarkt mit seiner großen Nachfrage, vor allem aber höhere Profite aufgrund der drastisch gesenkten Unternehmenssteuern sind der Hauptgrund.

Nachdem die 500 größten US-Konzerne im ersten Quartal ihre Nettogewinne gegenüber dem Vorjahresquartal um 25 Prozent erhöht hatten, schafften sie dieselbe Steigerung auch im zweiten Quartal. Das ist der stärkste Zuwachs seit 2011. Damals erholten sich die Unternehmen auf niedrigem Ertragsniveau rasant – nach gerade überstandener Finanz- und Wirtschaftskrise.

Als großes Gewinngeschenk entpuppt sich Amerikas Steuerreform. Von ihr profitieren fast alle Unternehmen, Banken und Versicherungen. US-Präsident Donald Trump hat die Unternehmensteuer in den USA von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt. Analysten schätzen, dass sich die Gewinne der 500 größten US-Konzerne ohne den Steuereffekt „nur“ um rund 15 und nicht wie jetzt tatsächlich um 25 Prozent verbessert hätten.

Im Dax hingegen stagnieren die Gewinne auf Vorjahresniveau. Der Autobauer Daimler, der Zulieferer Continental, die Deutsche Post, der Markenartikler Henkel und der Mischkonzern Thyssen-Krupp haben ihre Jahresprognosen zusammengestrichen und damit Hoffnungen zunichte gemacht, dass sich der Gewinnboom aus dem Vorjahr auch 2018 fortsetzt.

Stark steigende Gewinne an der Wall Street, nur stagnierende Gewinne in Deutschland – genau diesen Trend spiegeln die Börsen seit Monaten gut wider. Aktienkurse werden schließlich in erster Linie von den Gewinnen der Unternehmen getrieben.

Auch wenn es paradox klingt: Die Abkopplung des Dax ist insofern eine folgerichtige und gesunde Reaktion.

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