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Aktienmärkte Eskalation im Handelsstreit belastet die Börsen – Wie Investoren die Lage einschätzen

Die Angst vor dem Ausbruch eines regelrechten Handelskriegs zwischen den USA und China führt zu Verlusten an den Börsen. Einige Märkte sind besonders gefährdet.
Update: 13.05.2019 - 21:35 Uhr Kommentieren
Auch am Montag erneut Verluste. Quelle: AP
Händler an der New Yorker Börse

Auch am Montag erneut Verluste.

(Foto: AP)

FrankfurtEs war ein Tweet, der die Märkte aus ihrer Ruhe riss. Seit US-Präsident Donald Trump am 5. Mai über Twitter ankündigte, binnen Wochenfrist die Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar von zehn auf 25 Prozent zu erhöhen, sind die politischen Risiken zurück an den Börsen.

Zuvor hatten die Märkte erwartet, dass sich die USA und China im Handelsstreit bald einigen werden und die bislang verhängten Zölle fallen lassen. „Die Neuigkeiten waren ein Schock“, meint Seema Shah, Strategin beim Vermögensverwalter Principal Global Investors. Seit Freitag sind die US-Strafzölle in Kraft, und am Montag kündigte die chinesische Regierung als Vergeltungsmaßnahme ab Juni Zölle auf US-Produkte im Wert von 60 Milliarden Dollar an.

Der derart eskalierende Handelskonflikt macht die Anleger zusehends nervös. Der Dax rutschte nach der Ankündigung aus Peking zu Wochenbeginn gut 1,5 Prozent ins Minus. In den vergangenen sechs Handelstagen hat er nach dem bis dato hervorragenden Jahresauftakt mit einem Plus von in der Spitze 17,6 Prozent unter dem Strich fast viereinhalb Prozent verloren.

Beim US-Aktienindex S&P 500 summierten sich die Verluste vergangener Woche auf zwei Prozent. Und am Montag drückte Chinas Ankündigung massiv die Kurse an der Wall Street.

„Angstbarometer“ steigen

Noch besser als an reinen Aktienindizes lässt sich die Unsicherheit an den Volatilitätsindizes ablesen. Sie bilden die erwarteten Schwankungen an den Börsen ab und gelten als eine Art „Angstbarometer“ für die Märkte. Noch im April lag der VDax new für den hiesigen Leitindex Dax auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahr, sein Pendant VIX für den S&P 500 notierte so niedrig wie zuletzt im Herbst. Jetzt stiegen beide Indizes deutlich an. Das deutet auf weitere Kursverluste hin.

Zu erklären sind diese möglichen Kurseinbrüche mit der Politik. Lange Zeit galt an den Finanzmärkten das Sprichwort „Politische Börsen haben kurze Beine“. Gemeint ist damit, dass politische Entscheidungen zwar kurzfristig die Stimmung beeinflussen, aber langfristig die Wirtschafts- und Gewinnentwicklungen der Unternehmen nicht wesentlich beeinträchtigen.

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Doch das stimmt so eben nicht mehr. „Der Handelskonflikt stellt zwar nicht unmittelbar die volkswirtschaftlichen Rahmendaten auf den Kopf, er bleibt aber ein Dauerthema, das die Märkte noch lange beschäftigen wird“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank.

Gift für die Konjunktur

Das gilt auch deshalb, weil ein politisch motivierter Protektionismus, der die Globalisierung zurückdreht, der Weltwirtschaft dauerhaft schaden würde. Das langfristige globale Wachstum würde niedriger ausfallen, Gewinnprognosen müssten angepasst werden, entsprechend müssten auch Aktienmärkte neu eingeschätzt werden.

Hinzu kommt, dass generell eine gute Wirtschaftsentwicklung verlässliche Rahmenbedingungen braucht. Trumps Handelspolitik schafft aber nach Einschätzung von Ökonomen wie Ifo-Chef Clemens Fuest zusätzliche Unsicherheit in einer ohnehin schwierigen Lage der Weltwirtschaft. Das sei „Gift für die globale Konjunktur“.

Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners verwies besorgt auf die festgefahrenen Stellungen bei den Verhandlungen: „Die Gefahr, dass aus dem Handelskonflikt ein ausgewachsener Handelskrieg wird, war noch nie so groß wie aktuell.“ Für Justin Onuekwusi, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Legal & General Investment Management, sind dabei schon jetzt die Rezessionsgefahren durch die Unsicherheit um China und die USA „definitiv gestiegen“.

So weit würde Shah von Principal Global Investors zwar nicht gehen, aber auch sie meint, dass sich die Risiken für die Wirtschaft „deutlich vergrößert“ haben. Sie rechnet daher mit weiteren Kursverlusten an den Börsen. Auch Brad Tank, einer der Chefanlagestrategen beim US-Asset-Manager Neuberger Berman, ist skeptisch: „Investoren stehen noch mehrere Wochen und Monate der Unsicherheit bevor.“ Tank wäre nicht überrascht, wenn der S&P 500 die Hälfte seiner bisherigen Jahresgewinne von rund 13 Prozent wieder abgibt.

Dabei gehen die meisten Strategen noch davon aus, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China nicht komplett ausufert und die Amerikaner wie angedroht die Sonderzölle auf alle chinesischen Importe im Wert von 500 Milliarden Dollar ausweiten. Dies würde schließlich nicht nur der chinesischen, sondern auch der US-Wirtschaft schaden und könnte Trump seine Wiederwahl kosten. Doch der chinesisch-amerikanische Disput ist nicht das einzige politische Risiko, das die Börsen beschäftigt.

„Die gute Nachricht ist: sie reden noch miteinander“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Der Wirtschaftsberater von Donald Trump, Larry Kudlow, hatte ein Treffen des US-Präsidenten mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industriestaaten und Schwellenländer (G20) Ende Juni ins Gespräch gebracht.

Viele Risiken

„Es könnte auch noch ein Handelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union drohen“, betonen die Strategen der Berenberg Bank. An diesem Samstag läuft die Frist ab, in der Trump darüber entscheiden wollte, ob er auch Strafzölle auf europäische Autoimporte erhebt. Sollte es so weit kommen, wäre das vor allem für Deutschland mit seinen großen Autokonzernen eine Gefahr.

Der Branchenindex rutschte zeitweise um mehr als drei Prozent ab. Allerdings sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, sie rechne mit einer Verschiebung der eigentlich am 18. Mai auslaufenden Frist für eine Entscheidung. Der Zollstreit überschattete bei Daimler den geplanten Kauf von Aktien durch BAIC. Der chinesische Konkurrent will Insidern zufolge bis zu fünf Prozent der Anteile übernehmen. Daimler-Aktien verloren 3,3 %.

Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist nicht das einzige Problem. Politische Themen, die die Börsen aus dem Tritt bringen können, gibt es mehr als genug: Dazu gehören die anstehenden Europawahlen, der immer noch nicht geklärte Brexit, die Haushaltspolitik des hochverschuldeten Italiens oder der Streit zwischen dem Iran und den USA mit seinen Auswirkungen auf den Ölpreis. „Politische Themen werden immer wieder ein konkreter Störfaktor für die Märkte sein“, fasst Schallmayer von der Dekabank die Lage zusammen.

Für Anleger heißt dies, dass sie sich auf größere Schwankungen und Kursverluste einstellen müssen. Als besonders gefährdet gelten dabei in solch unsicheren Zeiten Schwellenländer. So hat der breite Aktienindex MSCI Emerging Markets seit der Verschärfung des Handelsstreits rund acht Prozent verloren – deutlich mehr als die Börsen der Industrieländer.

Strategin Shah fürchtet Kursverluste mit Blick auf den amerikanisch-chinesischen Handelsstreit vor allem bei US-Technologieaktien, die sich zuletzt als der größte Treiber der US-Börsen erwiesen haben. Die großen Technologieunternehmen aus dem S&P 500 erwirtschaften laut Shah rund 60 Prozent ihrer Umsätze außerhalb der USA. Somit sei der Sektor mit am stärksten auf globales Wachstum angewiesen.

Defensive Branchen wie Immobilien, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen und Versorger könnten vergleichsweise besser abschneiden, weil sie nur wenige Umsätze außerhalb der USA erzielen. Diese Branchen gelten zudem als weniger anhängig von konjunkturellen Schwankungen und haben sich auch an den europäischen Märkten zuletzt besser geschlagen. Daher könnten aktive Anleger erwägen, einen Teil ihrer Anlagen in diese Branchen umzuschichten – oder sich auch prinzipiell einige bisher erzielte Gewinne zu sichern.

Gefragt sind in Krisenzeiten auch Anleihen von Staaten wie Deutschland oder den USA. Hier stiegen die Kurse zuletzt. Damit bieten die Papiere für Einsteiger aber kaum noch Rendite – gerade in Deutschland, wo die Rendite für zehnjährige Papiere auf minus 0,06 Prozent gefallen ist.

Trotz jüngster Kursschwankungen raten die Experten daher, auf lange Sicht weiter auf Aktien zu setzen. Gut beraten seien Anleger, die regelmäßig Geld anlegen und dadurch automatisch bei fallenden Börsen Aktien zu niedrigeren Kursen nachkaufen. Sparpläne solle man also fortführen, meinen Strategen wie Robert Halver von der Baader Bank. Wer derart langfristig anlegt, kann auch die nächste Twitter-Salve von Trump gut überstehen.

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