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Ein Monteur bei der Arbeit

Viele Dax-Konzerne sind mehrheitlich in ausländischer Hand.

(Foto: dpa)

Aktionärsstruktur Wem gehört der Dax?

36,5 Milliarden Euro schütten die Dax-Konzerne in diesem Jahr an Dividende aus. Deutsche Anteilseigner haben davon nicht so viel, wie eine Analyse zeigt.
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Düsseldorf Turnschuhe mit drei Streifen, Aspirin gegen Kopfschmerzen und Mercedes als Limousine: Fast jeder kennt diese Produkte und beurteilt sie zu Recht als typisch deutsch. Doch die dazugehörenden Unternehmen sind mehrheitlich in ausländischer Hand. Bei Daimler sind es 68 Prozent der Aktien, bei Bayer 70 Prozent und bei Adidas sogar 83 Prozent.

Ausländische Investoren haben ihr Engagement bei den 30 Unternehmen im Dax im vergangenen Geschäftsjahr weiter erhöht, wie eine neue Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zeigt. Derzeit befindet sich mehr als jede zweite Aktie eines Dax-Konzerns in ausländischen Depots: 55 Prozent der Aktien lassen sich ausländischen Investoren zuordnen – vor einem Jahr lag der Anteil bei 54,5 Prozent.

Investoren aus Deutschland halten im Schnitt 33,2 Prozent der Anteile – ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte. Geografisch nicht zuordnen lassen sich 11,8 Prozent der Anteile.

Deutsche Anleger profitieren damit auch nur wenig von den üppigen Rekordausschüttungen. Von den 36,5 Milliarden Euro, die die Dax-Konzerne allein in diesem Jahr ausschütten, fließen gerade einmal 12,5 Milliarden Euro an deutsche Anteilseigner. An ausländische Investoren überweisen die Unternehmen hingegen 19,8 Milliarden Euro.

„Die meisten Dax-Konzerne sind inzwischen globale Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland“, urteilt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY.

Das gilt im Übrigen nicht nur für den Anteilsbesitz, sondern auch für die Geschäftstätigkeit: Mehr als drei Viertel ihrer Umsätze (77 Prozent) erzielen die Dax-Konzerne nach Handelsblatt-Berechnungen im Ausland. Wichtigste Einzelmärkte sind neben dem deutschen Heimatmarkt die USA und China. Adidas, Fresenius Medical Care (FMC), Heidelberg Cement, Linde und Merck erwirtschaften sogar mehr als 90 Prozent ihrer Geschäfte im Ausland.

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Dass das Engagement ausländischer Investoren trotz der zuletzt enttäuschenden Geschäftsentwicklung gestiegen ist, wertet EY als Vertrauensbeweis in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Im abgelaufenen Jahr waren die Aktienkurse im Dax um 18 Prozent gefallen. Insgesamt fuhren die 30 Unternehmen einen Nettogewinn von 87 Milliarden Euro ein – neun Prozent weniger als im Geschäftsjahr davor.

Bei fünf Unternehmen sind mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand: Adidas, Deutsche Börse, Linde, Infineon und Bayer. 19 Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre. Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weisen Henkel und Lufthansa auf, mit nur 26 beziehungsweise 30 Prozent.

Besonders stark zugelegt hat der Anteil ausländischer Anteilseigner bei Merck (plus sieben Prozentpunkte) und Adidas (plus sechs Prozentpunkte), während die Deutsche Börse den stärksten Rückgang (um sechs Prozentpunkte) verzeichnete.

Der Mehrjahresvergleich zeigt das erheblich gestiegene Engagement ausländischer Anleger: Bei den 22 Unternehmen, von denen vergleichbare Angaben für das Jahr 2005 vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 48 Prozent im Jahr 2005 auf 58 Prozent im Geschäftsjahr 2018.

Auffällig ist schließlich diese Diskrepanz: Die zunehmende Bedeutung ausländischer Aktionäre spiegelt sich nicht in den Aufsichtsgremien der meisten Konzerne wider. Auf der Kapitalseite waren zuletzt nur 29 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Ausländer.

Aufseiten der Arbeitnehmer ist der Ausländeranteil noch sehr viel geringer, was aber an den Gesetzen zur betrieblichen Mitbestimmung liegt. Das heißt: Wenn es um die Ausrichtung des Unternehmens geht, lassen sich die globalisierten Weltkonzerne mit Sitz in Deutschland immer noch nicht gerne reinreden.

Mehr: Europas 500 größte Unternehmen verdienen mehr denn je. Lesen Sie hier, warum ausgerechnet die deutschen Konzerne sich dem Trend entziehen.

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  • Das ist ein Ergebnis der Aktienkultur in Deutschland

    1. Bildung: Kaum jemand weiß, dass eine Aktie eine Unternehmensbeteiligung ist. Beim Wort Dividende gibt’s nur große Augen.
    2. Angst: Ein großer Teil der Bevölkerung sieht Aktien als „Teufelszeug“ und fürchtet sein Geld zu verlieren.
    3. Haltung: Aktienkonzerne dienen oft nur als beliebtes kapitalistisches Neidobjekt.
    Teils über Jahre geprügelt im Vergleich zu ausländischen Titeln, die gehuldigt werden.
    5. Medien: Beliebte Geisterbahnberichte gemischt mit Goldschürfer-meldungen.
    6. Experten: Oft im Eigeninteresse platzierte sinnlose Meldungen die selten eintreffen.
    7. Banken: Verkauf von Fonds und Produkten im Interesse der Provision, der Kunde hat oft keine Ahnung was er gekauft hat.
    8. Unternehmen: Kapitalerhöhungen und Kapitalvernichtung in Serie (Deutsche Bank, Commerzbank ect.)
    9. Politik: Hat vergessen, dass die Unternehmen das Fundament sind, auf dem die soziale Gesellschaft lebt.

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