Hauptversammlung der Deutschen Bank

Vor allem Ältere und Vermögende investieren in Aktien.

(Foto: dpa)

Aktionärszahlen Zehn Millionen Deutsche haben Aktien – so viele wie vor der Finanzkrise

Jeder sechste Deutsche besitzt Aktien oder Aktienfonds. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Aktionäre deutlich – zum falschen Zeitpunkt?
6 Kommentare

FrankfurtDie Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen ist im Jahr 2017 gestiegen. Im Jahresdurchschnitt gab es um gut eine Million mehr Aktienbesitzer als im Jahr zuvor, insgesamt gut zehn Millionen Deutsche. Das berichtet das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Interessengemeinschaft börsennotierter Unternehmen im Land.

Damit ist jeder Sechste in Deutschland an börsennotierten Unternehmen beteiligt. Das ist immerhin der höchste Stand seit zehn Jahren und entspricht dem Niveau vor der Finanzkrise. „Die Entwicklung des vergangenen Jahres ist ein gutes Zeichen“, freut sich Christine Bortenlänger, Vorstand des DAI. Für vergangenes Jahr können sich Aktionäre über hohe Dividenden freuen.

Insgesamt besitzen nach den neuesten Zahlen 10,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien oder Aktienfonds. Davon besitzen gut fünf Millionen Anleger ausschließlich Aktienfonds, 2,9 Millionen Deutsche nur Aktien und gut zwei Millionen Menschen beides. Damit erreicht die Zahl der Aktionäre fast das Niveau des Jahres 2007 – vor Ausbruch der Finanzkrise.

Mit diesen Aktien machten Anleger 2017 Kasse

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

+0,14 +0,64%
+22,45€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat 1
1 von 30

Der Fernsehmarkt verändert sich radikal, und der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bekommt das deutlich zu spüren. Unterhaltung lieferte der Konzern aus Unterföhring mit der Posse um Vorstandschef Thomas Ebeling selbst. Dieser muss nach unbedachten, teils diskriminierenden Äußerungen über die eigenen Kunden gehen. 23,7 Prozent beträgt das Minus des Aktienkurses in diesem Jahr. Ein Papier ist inzwischen weniger als 29 Euro wert. Experten glauben, dass der Konzern gar aus der ersten Börsenliga absteigen könnte, sollte sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen.

Quelle: Bloomberg

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

-0,64 -0,98%
+64,70€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 30

Erst hui, dann eher pfui: Fresenius fiel in der zweiten Jahreshälfte an der Börse deutlich ab. Grund für den Kursverlust dürfte insbesondere der Preisdruck in der US-Medikamentenbranche sein. Auch Verzögerungen bei der Übernahme des US-Konzerns Akorn drückten die Stimmung der Anleger. 13 Prozent beträgt das Minus auf Jahressicht.

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+0,65 +0,72%
+89,94€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
3 von 30

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck muss an der Börse auf ein eher schwaches zweites Halbjahr zurückblicken – auch die Umsätze waren im dritten Quartal rückläufig. In nächster Zeit soll entschieden werden, ob die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten verkauft werden soll. Die Aktie sank von 101,25 Euro auf 89,75 Euro (minus 11,4 Prozent).

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

-0,03 -0,18%
+13,96€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
4 von 30

Die Deutsche Telekom hat kürzlich angekündigt, den österreichischen Kabelnetzbetreiber UPC zu übernehmen. Experten erwarten dadurch neue Impulse für den Aktienkurs. Die Telekom könnte ein solches Signal gut gebrauchen. Durch den hohen Preisdruck und eine weitgehende Sättigungen der Kernmärkte war die Performance auf dem Parkett 2017 eher schwach – minus zehn Prozent.

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
L&S

+0,61 +0,57%
+108,23€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Henkel
5 von 30

Zuletzt hatte Henkel mit weiteren Investitionen in den US-Markt geliebäugelt. Ob das dem Aktienkurs stärken würde? Anleger müssen für 2017 ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

-0,25 -0,31%
+81,49€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 30

Zum Jahresende konnte sich der Autobauer über das Milliardengeschenk von US-Präsident Trump in Form der Steuerreform freuen. Zuvor gab es bei BMW, zumindest hinsichtlich des Aktienkurses, wenig zu feiern. Die Aktie, die zu Jahresbeginn noch mit über 90 Euro gehandelt wurde, fiel Ende Juli auf ein 52-Wochen-Tief von 77 Euro. Minus 3,5 Prozent unterm Strich insgesamt.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

+0,13 +0,12%
+109,98€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 30

Die Nachricht eines Stellenabbaus bei Siemens sorgte im November für sehr starke Aufmerksamkeit. SPD-Parteichef Schulz schaltete sich ein und attackierte das Management des Konzerns scharf, das die Vorwürfe wiederum in einem Brief entscheidend zurückwies. Wie dem auch sei: Der Siemens-Aktienkurs büßte nach einem starken ersten Halbjahr seine Gewinne ein – minus 1,5 Prozent auf Jahressicht.

Keine Entwarnung für die Aktienkultur

„Offenbar erkennen immer mehr Menschen die Vorteile der Aktienanlage für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge“, sagt Bortenlänger. Entwarnung für die Aktienkultur gibt das Deutsche Aktieninstitut dennoch nicht, denn:

  • Erstens sind die Anleger in der Vergangenheit häufig der Kursentwicklung nachgelaufen und haben sich bei fallenden Kursen wieder von ihren Anlagen getrennt. „Dieses Muster ist zwar seit der Finanzkrise schwächer geworden“, erklärt Bortenlänger, „der Lackmustest einer längeren Phase fallender Kurse oder steigender Zinsen auf Alternativanlagen steht aber noch aus.“
    Die Anleger sollten sich daher von den jüngsten Kursturbulenzen nicht verunsichern lassen und weiter auf eine kontinuierliche Anlage und langfristige Strategien setzen.
  • Zweitens investieren vor allem über 50-Jährige beziehungsweise Personen mit einem monatlichen Nettohaushaltseinkommen von über 3.000 Euro in Aktien beziehungsweise Aktienfonds. Diese Anleger waren schon vorher vergleichsweise aktienaffin, so dass sich das demografische Muster des Aktienbesitzes im Jahr 2017 eher verstärkt hat.
    Unterm Strich parken die Deutschen nach wie vor zu viel Kapital auf Konten, was in der Phase anhaltend niedriger Zinsen real - also nach Abzug von Inflation - Geld verbrennt. Nach Statistiken der Bundesbank liegen knapp vierzig Prozent des Finanzvermögens privater Haushalte auf Konten und Sparbüchern - das sind mehr als zwei Billionen Euro.

„Die Detailanalyse offenbart, dass wir vor allem jüngere Menschen und Menschen mit einem geringeren Einkommen noch stärker erreichen müssen“, betont die Chefin des Deutschen Aktieninstituts. Sie sieht die Politik in der Pflicht, für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen.

„Der Koalitionsvertrag enttäuscht diesbezüglich auf ganzer Linie. Geld für die Altersvorsorge muss endlich in Instrumente fließen, die ausreichend Rendite erwirtschaften. Andere Nationen wie die USA, die Niederlande und Schweden machen uns vor, wie die Aktie zum Einsatz kommen kann – und zwar langfristig beim Aufbau von Altersvorsorgevermögen quasi ohne Verlustrisiko.“

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6 Kommentare zu "Aktionärszahlen: Zehn Millionen Deutsche haben Aktien – so viele wie vor der Finanzkrise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Klaus Dieter Probst
    19.02.2018, 13:30 Uhr
    Es sind meistens Unternehmensaktien, welche Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens bekommen haben und diese halten, weil sie nicht wirklich etwas von Aktien und dem Markt verstehen.

    .............

    STIMMT NICHT GANZ !

    Mitarbeiter verzichten gerne auf Aktien Ihres Unternehmens die der chef billiger anbietet ... WEIL DARIN KEINERLEI STIMMRECHTE BEINHALTET SIND !

    Also kauft man lieber Neutral und HAT VOLLES STIMMRECHT !!!


  • AKTIONÄRSZAHLEN
    Zehn Millionen Deutsche haben Aktien – so viele wie vor der Finanzkrise

    .................

    Von ACHT MILLIONEN HARTZ4 BEZIEHER DEUTSCHLANDS IST KEINER DABEI !!!

  • Es sind meistens Unternehmensaktien, welche Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens bekommen haben und diese halten, weil sie nicht wirklich etwas von Aktien und dem Markt verstehen. Zu mindestens ergibt sich dieses Bild in meinem Kreis. Die Mitarbeiter von denen wir sprechen arbeiten bei Porsche, Mercedes, etc.. Und ja, sie sind zumindest, bei Mercedes stolz auf ihr Unternehmen. Ich finde dies übrigens auch wieder gut, schafft es doch ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit Betrieb.

  • Schön, dass sich die Deutschen wieder an Aktien heran trauen:
    Bitte IMMER schön auf Dividendenrendite achten
    und auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis - auch die Gewinne der letzten Jahre ansehen
    und auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis - ist kaum durch Möglichkeiten der verschiedenen Bilanzierungsvorschriften (IFRS, USGAAP, HGB) beeinflußbar.
    Dann wird es auch mit dem dauerhaften Erfolg!
    Übrigens deutsche Aktien wie die im DAX sind recht günstig im Vergleich zu europäischen und die europäischen sind günstig im Vergleich zu den amerikanischen.
    Bei Schwellenländer ist es nach meiner Einschätzung immer so eine Sache mit den Zahlen - vertraut man ihnen oder nicht.

  • @Anke Rezmer
    "Andere Nationen wie die USA, die Niederlande und Schweden machen uns vor, wie die Aktie zum Einsatz kommen kann – und zwar langfristig beim Aufbau von Altersvorsorgevermögen quasi ohne Verlustrisiko."

    Wie genau funktioniert das in den anderen Nationen?

  • Steigen die Kurse, kommt das Publikum.
    Fallen die Kurse, geht das Publikum.

    (André Kostolany)

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