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Analyse Beyond Meat - Hype oder Appetithappen?

Die veganen Burger von Beyond Meat sorgen an der Börse für Euphorie. Der Börsengang zählt zu den besten seit Jahren. Hat das Papier noch Potenzial?
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Das Start-up verspricht bei seinen Burgern einen Geschmack, als ob es echtes Fleisch wäre. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Beyond Meat

Das Start-up verspricht bei seinen Burgern einen Geschmack, als ob es echtes Fleisch wäre.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

San Francisco, Frankfurt Richtig rund ist es zuletzt nicht immer gelaufen für Christian Lindner, den Parteichef der FDP. Aber als Anleger bewies der Politiker zuletzt ein gutes Gespür: Via Twitter outete sich der Parteichef vor wenigen Tagen als Aktienbesitzer von Beyond Meat. „Als glücklicher Aktionär von @BeyondMeat freue ich mich über den Erfolg!“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst.

Für die Begeisterung gibt es durchaus triftige Gründe : Die Aktie des US-amerikanischen Produzenten von veganen Fleischersatzprodukten legte den mit Abstand beste Börsengang seit dem Jahr 2000 hin - und sorgt immer noch für Aufsehen an der Wall Street. Der Fleischersatz-Hersteller sorgte in den USA für ein regelrechtes Börsenfieber: Zwischenzeitlich verbuchte die Aktie, die zum Ausgabepreis von 25 Dollar an die Börse kam, einen Kursgewinn von bis zu 700 Prozent.

Doch zuletzt fuhr das Papier Achterbahn. Einem massiven Absturz um bis zu 50 Prozent folgte eine deutliche Kurserholung, die allerdings die Spitzenkurse von über 180 Dollar nicht mehr erreichte. Ist der Hype um die fleischlosen Burger also vorbei - oder lohnt sich der Einstieg noch? Ganz einfach ist die Antwort darauf nicht.

Denn Beyond Meat stellt Fleischalternativen auf pflanzlicher Basis her, die sehr ähnlich wie Fleisch schmecken sollen– und liegt damit voll im Trend. Eingesetzt werden etwa Erbsen, Bohnen und Soja, Rote Bete bringt den „blutigen“ Effekt. Tierische Zutaten sind strikt tabu. Zu den Investoren zählen prominente Geldgeber wie Microsoft-Gründer Bill Gates und der Schauspieler Leonardo DiCaprio. Als in Deutschland jüngst die Lebensmittelkette Lidl die veganen Burger anbot, waren diese innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft.

Der erste Geschäftsbericht nach dem Börsengang weist ein entsprechend rasantes Umsatzwachstum aus. So steigerte das 2009 im kalifornischen El Segundo gegründete Unternehmen den Umsatz im ersten Quartal um satte 215 Prozent auf 40,2 Millionen Dollar (35,6 Mio Euro). Der Verlust nahm zwar um knapp 16 Prozent auf 6,6 Millionen Dollar zu, dennoch übertrafen die Ergebnisse die Erwartungen der Analysten und wurden am Markt geradezu euphorisch aufgenommen.

Hohes Ansehen bei JP Morgan

Denn ein Ende des starken Umsatzwachstums scheint nicht in Sicht. Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Beyond Meat im Quartalsbericht zuversichtlich und stellte Erlöse in Höhe von 210 Millionen Dollar in Aussicht. Das wären 140 Prozent mehr als 2018. Zudem geht das Management davon aus, vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen die Gewinnzone zu erreichen.

Auch bei der Investmentbank JP Morgan hält man das Potenzial der Firma für außergewöhnlich. Experten schätzen, dass der -Markt für Fleischersatzprodukte in den nächsten Jahren von 1,5 Milliarden Dollar auf bis zu sieben Milliarden Dollar steigen wird. Die Fleischindustrie setzt weltweit etwa eine Billion Dollar um, doch die Kunden suchen nach pflanzlichen Alternativen - aus einer Vielzahl von Gründen, von Gesundheits- bis hin zu Umweltbelangen.

Es gebe Parallelen zwischen der Industrie für Fleischersatzprodukte und der Elektroautoindustrie, also: das Potenzial, eine ganze Branche grundlegend umzukrempeln, glaubt die Investmentbank Barclays. Dennoch warnen erste Analysten vor zu großer Euphorie. So stufte Analyst Ken Goldman von der US-Bank JPMorgan die Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ herunter und begründete dies mit den hohen Kursgewinnen der letzten Zeit.

„Irgendwann wird das außerordentliche Umsatz- und Gewinnpotenzial, das in [Beyond Meat] eingebettet ist eingepreist werden – wir denken, dass dieser Tag gekommen ist“, schrieb Goldman. Für Anleger heißt das übersetzt, dass in nächster Zeit keine großen Kurssprünge mehr zu erwarten sind.

Auch Analystin Alexia Howard von Bernstein mahnt, dass Beyond Meat ein sogenanntes „marktenges“ Papier ist. Ein paar große Order ohne Kauflimit lassen solche Papiere schnell in luftige Höhen schießen. Bernstein setzte allerdings das Kursziel von 107 auf 123 Dollar hoch.

Geschäftszahlen von Beyond Meat begeistern Anleger

Laut Reuters sind mit Bernstein und J.P. Morgan jetzt alle acht Analysehäuser, die die Aktie bislang beobachten, auf „neutral“ oder „Marktperformer“ umgeschwenkt. Mit anderen Worten: Kein Analyst gibt auf diesem Kursniveau noch eine Kaufempfehlung ab.
Denn auch die Konkurrenz hat den Wunsch nach fleischlosen Alternativen erkannt.

So startete der US-Fleischerzeuger Tyson Foods bereits eine Attacke auf Beyond Meat, mit der neuen Marke „Raised and Rooted“. Im Angebot sind pflanzliche (Chicken)Nuggets und ab kommendem Sommer Hamburger Patties. Anleger sollten also angesichts der Euphorie besser vorsichtig sein. Der Rat von Kevin Grundy, Analyst der US-Investmentbank Jefferies, an die Investoren ist unmissverständlich: „Ich würde mit einem Einstieg bei Beyond Meat warten, bis aus der Aktie wieder etwas spekulative Luft entweicht.“

Mehr: Pflanzliche Burger gibt es jetzt selbst bei Lidl. Lesen Sie hier, warum Fleischimitate bei Veganern so beliebt sind.

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