Analyse Ökonomen: Chinas Wirtschaftwachstum auch nach Aufwärtsrevisionen unterschätzt

Auch nach der massiven Aufwärtskorrektur der chinesischen Wirtschaftsleistung halten Marktbeobachter das Wachstumstempo der Volksrepublik weiterhin für unterschätzt.

dpa-afx PEKING. Auch nach der massiven Aufwärtskorrektur der chinesischen Wirtschaftsleistung halten Marktbeobachter das Wachstumstempo der Volksrepublik weiterhin für unterschätzt. Die Wirtschaft dürfte auch 2005 um mehr als zehn Prozent zugelegt haben und in den kommenden Jahren ebenfalls zweistellig wachsen, meinen Ökonomen. Peking will die offiziellen Wachstumsdaten für das vergangene Jahr voraussichtlich noch vor Beginn des chinesischen Neujahrsfests am 28. Januar vorlegen.

"Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) könnte viel höher sein als gedacht", sagt etwa Yuan Gangming, Ökonom an der Chinesischen Hochschule für Sozialwissenschaften, dem wichtigsten Forschungsinstitut für die Regierung. "Ein zweistelliges Wachstum 2005 und 2006 würde mich nicht überraschen."

Booms BEI Dienstleistungen und IM Privatsektor

Die chinesische Wirtschaft ist seit 1979 mit jährlich 9,6 Prozent um 0,2 Prozentpunkte schneller gewachsen als bisher angenommen. Nach dem neuen wirtschaftlichen Zensus, wonach die chinesische Wirtschaftsleistung 2004 um ein Sechstel größer war als bislang errechnet, hat das Statistikamt auch das Wachstum seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Ende der 70er Jahre neu berechnet: Für 2003 und 2004, als ein Zuwachs von 9,5 Prozent gemeldet worden war, ergeben sich jetzt vielmehr 10,0 und 10,1 Prozent, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag.

China hatte im vergangenen Monat seine Wirtschaftsleistung für das Jahr 2004 kräftig nach oben korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt 2004 sei um 16,8 Prozent größer als bisher angenommen und erreiche 15,9 878 Billionen Yuan (heute 1,65 Billionen Euro), hatte die Statistikbehörde berichtet. Hintergrund ist die Neueinschätzung des bislang unterschätzten Booms bei den Dienstleistungen und im Privatsektor. Damit war China auf Platz sechs der größten Volkswirtschaften vorgerückt. Einige Fachleute sehen China aber weiterhin schon auf Platz vier oder auf dem besten Weg, auch Frankreich und Großbritannien zu überholen.

"Im Wesentlichen weisen die revidierten BIP-Daten auf höhere Beiträge des Dienstleistungsbereichs und einen größeren Anteil der Konsumausgaben am Bruttoinlandsprodukt hin", sagt JP Morgan-Volkswirtin Grace Ng. Nach Ansicht von Chen Xingdong von BNP Paribas dürfte das Wachstumstempo 2004 sogar bei 11,3 Prozent und 2003 bei 11,0 Prozent gelegen haben. "Auch damit ist es unterbewertet", sagt der Ökonom. "Aber es ist definitiv besser als keine Revision."

'Weite Bereiche Bleiben Unterbewertet'

Weite Bereiche seien weiterhin unterbewertet, sagt auch Yuan Gangming von der Chinesischen Hochschule für Sozialwissenschaften. So erfasse die Wirtschaftsstatistik zum Beispiel keine Restaurants mit weniger als 40 Angestellten oder Baufirmen, die unter 60 Mitarbeiter beschäftigen. Peking könnte aber auch absichtlich die Zahlen zu gering bekannt geben, erklärt er. "Falls es eine willentliche Unterbewertung durch die Regierung gibt, dann wohl, weil sie zu große Veränderungen und eine damit einhergehende Verzerrung der Wirtschaftspolitik vermeiden will."

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