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Analysten loben die vergleichsweise hohe Gewinnmarge der irischen Fluggesellschaft Ryanair-Titel nach Kurssturz wieder gefragt

Zum ersten Mal seit dem Börsengang 1999 schockierte Ryanair in der vergangenen Woche die Aktionäre mit einer Gewinnwarnung. Die meisten Analysten erwarten dennoch kein Ende der Erfolgsgeschichte „Billigflieger“.
  • Patrick Mönninghoff (Handelsblatt)
Ryanair enttäuschte zuletzt die Anleger. Foto: dpa

Ryanair enttäuschte zuletzt die Anleger. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Zum ersten Mal seit dem Börsengang 1999 schockierte Ryanair-Chef Michael O'Leary in der vergangenen Woche die Aktionäre mit einer Gewinnwarnung. Die Nummer eins der europäischen Low-Cost-Carrier, sprich Billigflieger, rechnet für das Geschäftsjahr 2003/2004 damit, dass der Reingewinn um bis zu zehn Prozent auf rund 215 Millionen Euro sinkt. Die Aktie brach daraufhin um 30 Prozent ein. Für weitere Kurs-Turbulenzen sorgen Streitigkeiten mit der Europäischen Union (EU).

Eine Ursache der sinkenden Einnahmen ist zum einen der zunehmende Preisdruck. So buhlen mittlerweile 53 Billig-Airlines in Europa um Kunden. Resultat: Die Preise purzeln und damit auch die Gewinnmargen. Das rasante Wachstum kommt ins Stocken, die bisher erfolgsverwöhnten Billigflieger kämpfen teilweise um ihre Existenz.

Die meisten Analysten erwarten dennoch kein Ende der Erfolgsgeschichte „Billigflieger“. „Der Markt ist längst nicht an seine Grenzen gestoßen“, sagt Nicholas von den Brul, Analyst bei BNP Paribas in London. „Die Nachfrage übersteigt noch immer das Angebot“, pflichtet Andrew Lobbenberg von ABN Amro bei. „Allerdings könnte sich das Wachstums etwas verlangsamen“, gibt Robert Czerwensky von der Vereins- und Westbank zu Bedenken.

Auch scheint eine Auslese auf dem zersplitterten Markt unausweichlich. „Da die Konkurrenz immer größer wird, werden einige Anbieter die kommenden ein, zwei Jahre kaum überstehen“, sagt Czerwensky. Einig sind sich die Anlageexperten allerdings auch, dass die Flugzeuge des Branchenprimus Ryanair sicherlich noch länger am Himmel kreuzen werden. „Ryanair arbeitet noch immer hoch profitabel“, erklärt Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank. Wer auf Luftfahrtwerte setze, müsse die Aktie bei der derzeitigen Schwäche kaufen, empfiehlt er.

„Die Gewinnmargen bei der irischen Fluggesellschaft sind doppelt so hoch wie bei der Konkurrenz“, pflichtete von den Brul bei. Er rät daher weiterhin zum Kauf und sieht in dem letzten Kurseinbruch sogar eher eine Chance. „Der Markt hat überreagiert, die Aktien sind somit momentan sehr günstig bewertet“, sagt der Analyst, der als Kursziel 6,10 Euro angibt – was einem Potenzial von über 20 Prozent entspricht.

Auch die anstehende Entscheidung aus Brüssel sollte den Kurs nicht weiter drücken, meinen die Finanzexperten. Die EU-Wettbewerbshüter haben nicht nur die Haftung der Fluglinien bei Verspätungen und Überbuchungen verschärft. Zusätzlich werden zurzeit Preisnachlässe auf die Start- und Landegebühren überprüft – also staatliche Subventionen–, die Ryanair am belgischen Provinzflughafen Charleroi in den letzten drei Jahren erhalten hat. Branchenexperten beziffern die möglichen Rückzahlungsforderungen auf vier bis sieben Millionen Euro.

„Die potenziellen Verluste sind längst eingepreist“, sagt Horstmann. Außerdem hat Ryanair bereits angekündigt, im Falle einer unvorteilhaften Entscheidung der Kommission Berufung einzulegen. „Notfalls werden die Iren einfach nur noch private Flughäfen ansteuern, mit denen die Fluggesellschaft die Start- und Landegebühren frei verhandeln kann“, meint Analyst Czerwensky. Denn schon jetzt sind nach Unternehmensangaben vier Fünftel der angeflogenen Airports in privaten Händen.

Neben Ryanair und dem größten Konkurrenten Easyjet sind bisher nur wenige Billigflieger an der Börse notiert. Da viele große Reisekonzerne mit Germanwings (Lufthansa) oder Hapag-Lloyd-Express (Tui) auf die preiswerte Konkurrenz mit einer eigenen Low-Cost- Flotte reagiert haben, bekommen auch sie den Preisdruck zu spüren. „Der Einfluss auf den Aktienkurs ist zurzeit sehr gering“, meint Czerwensky. Dazu sei das Umsatzvolumen der Billigtöchter einfach zu gering. Auch seien weitere Börsengänge zurzeit so gut wie ausgeschlossen.

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