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Analystenschätzungen Warum der Aktienkurs von Amazon noch lange nicht ausgereizt ist

Amazon ist derzeit das wertvollste Unternehmen an der Börse. Analysten glauben, dass die Aktie weiteres Potenzial hat. Der Konzern ist mehr als nur ein Onlinehändler.
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Der Onlinehändler profitiert auch von einem stark wachsenden Werbegeschäft. Quelle: mauritius images
Amazon-Zentrale in Seattle

Der Onlinehändler profitiert auch von einem stark wachsenden Werbegeschäft.

(Foto: mauritius images)

New YorkEin neuer Rekord für Amazon: In dieser Woche ist der große Onlinehändler aus Seattle zum ersten Mal zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Der Konzern von Jeff Bezos ist nach der allgemeinen Börsenschwäche zwar längst nicht mehr eine Billion Dollar wert wie noch vor wenigen Monaten.

Aber mit einer Kapitalisierung von 796 Milliarden Dollar hat Amazon am Montag die bisherige Nummer eins, Microsoft, hinter sich gelassen. Am Dienstagmorgen kletterte der Börsenwert in New York sogar zeitweise auf 812 Milliarden Dollar. Die frühere Nummer eins, Apple, ist seit dem jüngsten heftigen Kursrutsch abgeschlagen.

Die Aktie hat in den letzten Tagen auch davon profitiert, dass die Angst vor zu hohen Zinsen und einer möglichen Rezession nachgelassen hat. Analysten glauben, dass der Kurs Potenzial hat. Laut dem Handelsblatt-Analystencheck raten von 34 befragten Analysten alle zum Kauf. Grund dafür ist auch das breit gefächerte Geschäft.

Amazon ist längst mehr als ein reiner Onlinehändler geworden. Das Unternehmen, das als Buchhändler gestartet ist, bietet eigene elektronische Geräte wie Alexa an und produziert Streaming-Videos. Es ist ein wichtiger Spieler im Cloud-Computing für Dritte und mischt in der digitalen Werbewelt mit. Außerdem hat Amazon seit der Übernahme von Whole Foods und der Eröffnung eigener Läden auch physische Supermärkte.

Erst Anfang dieser Woche hat der Analyst Brian Wieser von Pivotal Research die Bewertung der Aktie mit einem mittelfristigen Kursziel von 1 920 Dollar aufgenommen. Damit sieht er noch ein Kursplus von 20 Prozent voraus. Er begründet das damit, dass Amazon noch längst nicht das gesamte Potenzial im Einzelhandel ausgeschöpft habe. Das gelte sowohl online als auch offline.

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Zudem weist der Pivotal-Analyst auf das starke Geschäft mit der digitalen Werbung auf den eigenen Seiten hin. 2018 habe Amazon damit bereits neun Milliarden Dollar umgesetzt. Weiser rechnet damit, dass das Werbegeschäft schneller als andere Sparten wachsen wird. „Amazon wird mit Leichtigkeit die dritte Kraft im digitalen Werbemarkt nach Google und Facebook sein“, schreibt er.

Auch was die Internetdienste für Dritte von Amazon Web Services (AWS) betrifft, ist Weiser zuversichtlich. „Angesichts des großen Potenzials von AWS und des starken bisherigen Verlaufs denken wir, dass wir auch für die Zukunft sicher mit einem bedeutenden Wachstum rechnen können“, schreibt er.

Pivotal steht mit der optimistischen Einschätzung nicht allein. Auch angesichts der Tatsache, dass die Aktie heute immer noch fast ein Fünftel unter dem Höchstwert im vergangenen September von mehr als 2000 Dollar liegt, sehen viele Analysten noch Potenzial. Laut dem Handelsblatt-Analystencheck erwarten die befragten Analysten im Durchschnitt, dass der Aktienkurs mittelfristig auf 1908 Dollar steigt.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa hat das Kursziel für Amazon zwar jüngst reduziert. Aber sie rechnet immer noch damit, dass die Aktie mittelfristig auf 2000 Dollar steigt, und hat das Papier auf der „Conviction Buy List“, der Empfehlungsliste, belassen.

Nach einer unterdurchschnittlichen Kursentwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2018 seien US-Internetaktien im Dezember auf den niedrigsten Stand seit rund fünf Jahren gefallen, schrieb Analyst Heath Terry in einer Branchenstudie. Die Analysten von Morgan Stanley haben ein Kursziel von 2400 Dollar.

Stets neue Geschäftsfelder im Blick. Quelle: AP
Amazon-Chef Jeff Bezos

Stets neue Geschäftsfelder im Blick.

(Foto: AP)

Der RBC-Capital-Analyst Mark Mahaney ist mit einem Team jüngst sogar persönlich in einen neuen kassenlosen Amazon-Go-Laden gegangen, um sich die neue Technologie anzuschauen. Das hat ihn so sehr überzeugt, dass er sein Kursziel von 2300 Dollar bestätigt hat. Auch wenn die Technologie für diese neuen Läden sich bisher noch nicht finanziell niederschlage, „so glauben wir doch, dass die Möglichkeiten insgesamt enorm sind“, begründet er seinen Optimismus.

Wachstum kommt vor Gewinn

Dass Amazon Dinge ausprobiert, auch wenn sie nicht sofort Gewinn bringen, gehört zu Bezos Strategie. Amazon wagt sich seit Jahren in immer neue Geschäftsfelder und investiert dort auch oft Milliarden. Der Nettogewinn steht bei Bezos nicht an erster Stelle. Für Investoren bedeutet das, dass Amazon kein Dividenden-König ist und dass sie an die Zukunft glauben müssen.

Das klassische Anlagekriterium des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) – also wie viel die Aktie im Verhältnis zum Unternehmensgewinn kostet – kann man bei Amazon nur bedingt anwenden. Mit einem KGV von mehr als 80 ist der Konzern extrem teuer.

Zum Vergleich: Bei Facebook lag das KGV am Dienstag bei 21 und bei Microsoft bei 42. Bezos macht auch keine Anstalten, in Zukunft mehr auszuschütten. Er will weiterhin in neue Geschäftsfelder investieren, auch zulasten des Gewinns. Zuletzt hat er ein Auge auf die Gesundheitsbranche geworfen.

Das größte Risiko für Amazon könnte die eigene Größe sein. Sollte es zu einer Rezession kommen, sodass die Menschen nicht mehr so munter einkaufen wie bisher, würde das den Onlinehandel treffen, mahnt Pivotal-Analyst Weiner. „Das könnte ein Risiko für das Handelsgeschäft sein, weil der E-Commerce relativ reif ist“, mahnt er.

Anders als bei der letzten Rezession, als der Marktanteil noch deutlich kleiner war, würde das Unternehmen diesmal einen Rückgang deutlich spüren. Hinzu kommt, dass eine drohende Rezession eine Aktie besonders unter Druck setzen dürfte, die vor allem von der Hoffnung auf künftige Gewinne lebt.

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