Auktion von Alt-Aktien Die Rückkehr des „Reichsbankschatzes“

Es war ruhig geworden um den „Reichsbankschatz“. Doch ab Freitag geraten die Alt-Aktien aus der Zeit bis 1945 wieder ins Visier von Sammlern. Welche Papiere angeboten werden – und welcher Erlös erwartet wird.
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Papiere des „Reichsbankschatzes“ kommen in London unter den Hammern. Quelle: dpa
Reichsmark-Wertpapiere auf einem Foto von 1995

Papiere des „Reichsbankschatzes“ kommen in London unter den Hammern.

(Foto: dpa)

BerlinNach dem Berliner Mauerfall vor 27 Jahren hat er für wilde Spekulationen gesorgt – und in der Sammlerszene für Unruhe: Der „Reichsbankschatz“.

Fast 60 Jahre lang schlummerte er in Ost-Berlin in unterirdischen Tresoren. Im Sommer 2003 gelangte er dann an die Öffentlichkeit, als die ersten von rund 30 Millionen Alt-Aktien aus der Zeit vor 1945, die zu DDR-Zeiten in Kellern der ehemaligen Reichsbank lagerten, unter den Hammer kamen.

Seit 2009 ist es wieder stiller geworden um die historischen Wertpapiere von der Mitte der 19. Jahrhunderts und älter bis 1945. Auch scheint der ganz große Hype um die begehrten Alt-Aktien und Anleihen inzwischen etwas verflogen. Doch in- und ausländische Sammler dürften dieser Tage wieder mit dicken Lettern das Wort „Reichsbankschatz“ in ihren Kalendern vermerkt haben.

Am 18. November werden erstmals ausländische Papiere aus den Alt-Beständen der Reichsbank versteigert. In London bietet das Auktionshaus „Spink“ etwa 700.000 alte Aktien und Anleihen aus Österreich an - von Kaiser Franz Joseph I. und „Sissi“ beziehungsweise aus der Zeit von 1855 bis 1945. Auftraggeber ist das deutsche Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV).

Der „Reichsbankschatz“ war nach dem Zweiten Weltkrieg von der DDR übernommen worden. Die Berge alter Aktien und Anleihen lagerten noch Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung in den dicken Tresoren der früheren Reichsbankzentrale in Berlin. Dort residiert heute das Auswärtige Amt. Zu Kriegsende stapelte sich ein Großteil der in Deutschland ausgegebenen Aktien und Anleihen bei der Reichsbank, die alleinige Wertpapiersammelstelle im Deutschen Reich war. Aktien von Firmen, die bis Mitte der 60er Jahre ihren Sitz nach Westdeutschland verlagerten, fielen unter die dortige Wertpapierbereinigung.

In Ostdeutschland wurden alle Wertpapiere in den Depots der nach dem Krieg geschlossenen Banken blockiert, aber nicht konfisziert. Die in der Reichsbank lagernden Papiere überdauerten im Ostteil Berlins somit Nachkriegszeit und DDR. Mit der Einheit gingen Eigentumsrechte an den BADV-Vorläufer, das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen (Barov) über. Es ging um etwa 26 Millionen deutsche, auf Reichsmark lautende Titel sowie weitere Wertpapiere.

Das Bundesamt musste Ansprüche berechtigter Inhaber oder Rechtsnachfolger klären. Vor einer Verwertung wurden die Papiere aussortiert, die von Alteigentümern beansprucht wurden. Die für „kraftlos“ erklärten, teils edel gestalteten Farbdrucke haben also nur noch Sammlerwert und werden schrittweise verwertet.

„Sehr dekorativ und von der Geschichte her interessant“
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