Autobranche unter der Lupe Mehr als nur ein Kratzer im Lack

Die Autoaktien leiden besonders unter Chinas Marktschwäche. Die Goldgräberstimmung ist vorbei. Für die Anleger war das ein großer Schock. Die Papiere von BMW und VW notieren wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang.
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Gespanntes Warten. Quelle: Reuters
BMW in Shenyang

Gespanntes Warten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtFür westliche Beobachter sind es geradezu unglaubliche Geschichten, die aktuell aus China kommen. Da wurden Premiumautos bestellt und auch bezahlt, aber von ihren Besitzern nicht beim Händler abgeholt. Weil die befürchten, ein solcher Wagen in der Garage oder vor der Haustüre könne sie wegen der neuen strengen Antikorruptionsgesetze bereits vorverurteilen.

Die Hersteller, denen China jahrelang eine Sonderkonjunktur bescherte, haben plötzlich volle Höfe bei den Händlern. Und hoffen zumindest auf ein baldiges Ende der ganz extremen Lage. Damit am Jahresende im übertragenen Sinn lediglich ein Blechschaden in der Bilanz bleibt.

Kein Wunder, dass Autoaktien derzeit in großem Stil abgestoßen werden. Die Papiere von BMW und VW notieren neuerdings wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang, obwohl der Dax selbst weiterhin über 13 Prozent im Plus liegt. Einzig Daimler – wegen der Modelloffensive und der auch zuletzt noch starken Verkaufszahlen aus dem Reich der Mitte – steht weiter gut zehn Prozent im Plus.

In diesen Dax-Aktien steckt am meisten China

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
Xetra

-0,29 -1,25%
+22,96€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa
1 von 11

Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in China ist groß – die Abwertung des Yuan durch die Zentralbank schürt Sorgen vor einem Wachstumseinbruch. Auch Dax-Titel stehen deswegen unter Druck. Der direkte Umsatz in China ist stark unetrschieldich. Wir zeigen die am meisten exponierten Firmen.

Umsatzanteil in China: 5 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: über 5 Prozent

Stand aller Angaben: 15. Juli 2015, Quelle: Wirtschaftswoche

SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007164600
Börse
Xetra

-0,20 -0,19%
+103,86€
Chart von SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.
SAP
2 von 11

Umsatzanteil in China: 6 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
Xetra

-0,25 -1,22%
+20,20€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
ThyssenKrupp
3 von 11

Umsatzanteil in China: 6 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
Xetra

+0,30 +0,27%
+110,54€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
4 von 11

Umsatzanteil in China: 8,5 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: null Prozent

BAYER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BAY0017
Börse
Xetra

-0,80 -1,05%
+75,71€
Chart von BAYER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Bayer
5 von 11

Chinas Bevölkerung altert, die Umweltverschmutzung nimmt zu. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten. Das könnte Bayer helfen.

Umsatzanteil in China: 10 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
Xetra

-0,40 -0,60%
+66,66€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Lanxess
6 von 11

Umsatzanteil in China: 10 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005439004
Börse
Xetra

-1,90 -1,19%
+157,15€
Chart von CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Continental
7 von 11

Auch Autozulieferer wie Continental leiden unter der sich andeutenden Wirtschaftsschwäche in China.

Umsatzanteil in China: 11 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: über 5 Prozent

Der Grund dafür ist einfach: Daimler hatte jahrelang nur wenig vom Boom in China abbekommen und startete erst in den vergangenen Jahren richtig durch. Die Marke gilt deshalb dort eher als jugendlich frisch im Vergleich zu etablierten Herstellern wie Audi oder BMW. So erstrahlt der Mercedes-Stern in China derzeit so hell wie nie. Um 41 Prozent stiegen die Verkäufe im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tim Rokossa, Autoanalyst bei der Deutschen Bank, sieht deshalb gerade bei der Daimler-Aktie kurzfristig die besten Chancen.

Generell ist es für Anleger ein Schock, wenn eine lange Jahre anhaltende Goldgräberstimmung schlagartig vorüber ist. So wurden im Juli trotz hoher Rabatte bei den Händlern plötzlich 2,5 Prozent weniger Autos verkauft. Sonst standen an dieser Stelle zweistellige Wachstumsraten.

Nun wäre es jedoch zu einseitig, Wohl und Wehe in der Branche allein von China abhängig zu machen. Daneben sind schließlich noch die Märkte in Westeuropa und Nordamerika von entscheidender Bedeutung für das Gesamtergebnis der Autobauer. Und gerade dort boomen die Verkäufe nach langen Jahren der Stagnation. So gleicht die positive Überraschung auf der einen Seite die negative andernorts aus.

Das ist auch der Grund, warum die Analysten im Gegensatz zu den vielen Anlegern im Moment weitaus weniger skeptisch sind. BMW beispielsweise hat zuletzt dank starker Verkäufe im Heimatmarkt Europa die Schwäche in China mehr als kompensiert. Von Januar bis Juli gab es einen neuen Verkaufsrekord von 1,27 Millionen Fahrzeugen – ein Plus von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Gros der Analysten reduziert deswegen die Kursziele, bleibt aber bei der insgesamt positiven Einschätzung.

„Großes operatives Verbesserungspotenzial bei VW“
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