Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Biotech Der Börsengang der Mainzer Biontech bringt die Rangordnung der deutschen Biotech-Branche durcheinander

Das auf personalisierte Immuntherapie spezialisierte Unternehmen ist in den USA an die Börse gegangen. Das eingesammelte Kapital bleibt aber unter den Erwartungen.
Update: 10.10.2019 - 18:31 Uhr Kommentieren
Biontech sammelt beim Börsengang in den USA 150 Millionen Dollar ein. Quelle: dpa
Krebsforschung

Biontech sammelt beim Börsengang in den USA 150 Millionen Dollar ein.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Börsengang in den USA entpuppte sich für das Mainzer Krebsforschungs-Unternehmen Biontech als mühsames Manöver und gelang letztlich nur mit deutlichen Zugeständnissen an die neuen Aktionäre.
Dennoch etabliert sich das junge deutsche Biotechunternehmen mit dem Listing nun als zweitschwerster Wert der deutschen Biotechindustrie.

Gemessen an den ersten Kursen am Donnerstagnachmittag wurde Biontech mit rund 3,5 Milliarden Dollar (knapp 3,2 Milliarden Euro) bewertet und damit leicht über dem bisherigen Branchenzweiten, der Müncher Morphosys AG. Unter den deutschen Biotechs wird aktuell nur die Hildener Qiagen-Gruppe mit rund 5,5 Milliarden Euro noch höher bewertet. Sie war in den vergangenen Tagen jedoch deutlich unter Druck geraten, nachdem man die Umsatzziele verfehlte und der langjährige CEO überraschend zurückgetreten ist.

Die wachsende Unsicherheit an der Börse sowie deutliche Kursverluste beim unmittelbaren Konkurrenten, der US-Firma Moderna, hatten letztlich auch das Umfeld für den Börsengang von Biontech deutlich belastet. Noch vor wenigen Tagen peilte das Mainzer Unternehmen ein Emissionsvolumen von bis zu 300 Millionen Dollar an. Stattdessen musste man jedoch Ausgabevolumen und -preis um jeweils rund ein Viertel reduzieren und sich am Ende mit 150 Millionen Dollar Bruttoerlös zufriedengeben.

Aber auch mit diesem Emissionsvolumen gehört die Transaktion noch zu den bisher größten IPOs von deutschen Biotechfirmen. Die Anfangsbewertung von mehr als drei Milliarden Dollar beim Börsendebüt wurde auch in den USA bislang nur von ganz wenigen Biotechfirmen übertroffen.

Anders als beim direkten Konkurrenten Moderna, dessen Aktie bereits direkt nach dem IPO im vergangenen Dezember unter Druck geriet, verbuchte Biontech zumindest in den ersten Handelsstunden noch leichte Kursgewinne. Später driftete indessen auch die Biontech-Aktie ins Minus und notierte am Abend rund zehn Prozent unter dem Ausgabekurs.

Kapitalintensive Forschungsstrategie

Das Biontech-Management wertet den IPO ungeachtet des reduzierten Volumens als wichtigen Erfolg. „Wir sind sehr, sehr happy“, sagte Thomas Strüngmann, der bisher zu den maßgeblichen Finanziers des Mainzer Unternehmens gehört und zusammen mit seiner Familie nach dem IPO noch knapp 50 Prozent des Kapitals hält.

Nach dem erfolgreichen Nasdaq-Listing der Münchner Morphosys AG im vergangenen Jahr ist der Börsengang von Biontech ein weiteres wichtiges Signal für die Finanzierungsfähigkeit und das Standing deutscher Biotechs in den USA. Der Zugang zum dortigen Kapitalmarkt und die Unterstützung durch erfahrene US-Investoren ist für die Firmen in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weil Neuemissionen in Deutschland angesichts der Risiko-Aversion hiesiger Investoren und Anleger als nahezu unmöglich gelten.

Für Biontech ist der Börsengang in den USA nicht zuletzt deshalb von großer Bedeutung, weil das Unternehmen eine besonders ehrgeizige und kapitalintensive Forschungsstrategie betreibt. Es arbeitet an einer Reihe neuartiger und möglicherweise revolutionärer Immuntherapien gegen Krebs, darunter individualisierte Therapieverfahren, die sich besonders genau am, genetischen Profil von Krebszellen orientieren. Die Technologieplattform bietet theoretisch eine Basis für eine Vielzahl von neuen Medikamenten.

Bisher befindet sich die Produktentwicklung aber noch durchweg in der frühen klinischen oder präklinischen Phase. Es dürfte sich daher erst in den nächsten Jahren klären, wie erfolgreich diese Ansätze sein werden.

Insgesamt befinden sich neun Projekte inzwischen in den klinischen Testverfahren, das heißt sie werden bereits an Patienten getestet. Eine Reihe weiterer Produkte will Biontech im kommenden Jahr in die klinischen Tests bringen.

Seine Forschungs- und Produktionskapazität will das Unternehmen daher weiter kräftig ausbauen. Der Cash-Bedarf dürfte daher weiter wachsen. Im ersten Halbjahr 2019 hat Biontech rund 130 Millionen Euro an Cash verbraucht. Dem stehen nach Angaben von Unternehmens nach dem IPO rund 660 Millionen Euro an Cash-Reserven gegenüber, davon knapp 130 Millionen, die im Zuge des Börsengangs netto zugeflossen sind.

Mehr: Gene als Arznei – Neue Therapien revolutionieren die Medizin

Startseite

Mehr zu: Biotech - Der Börsengang der Mainzer Biontech bringt die Rangordnung der deutschen Biotech-Branche durcheinander

0 Kommentare zu "Biotech: Der Börsengang der Mainzer Biontech bringt die Rangordnung der deutschen Biotech-Branche durcheinander"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.