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Biotech-Firma Bei Analysten wächst die Skepsis über Qiagens Zukunft

Zwei Umsatzwarnungen der Hildener Biotech-Firma in einem Jahr alarmieren Investoren und Analysten. Sie zweifeln jetzt auch am Wachstums- und Jahresziel.
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Ein Labormitarbeiter führt Probenröhrchen am Qiagen-Standort Hilden in ein Gerät zur DNA-Aufbereitung ein. Quelle: dpa
Biotechunternehmen Qiagen

Ein Labormitarbeiter führt Probenröhrchen am Qiagen-Standort Hilden in ein Gerät zur DNA-Aufbereitung ein.

(Foto: dpa)

Frankfurt Mehr als eine Milliarde Euro an Börsenwert hat die Hildener Qiagen-Gruppe in dieser Woche bereits verloren. Doch damit könnte das Schlimmste noch nicht überstanden sein.

Analysten befürchten, dass das Biotechunternehmen seine mittelfristigen Wachstumsziele und das Jahresziel verfehlen wird. Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe urteilt in einer aktuellen Studie: „Wir bezweifeln, dass wir bald eine deutliche Erholung des Aktienkurses erleben werden.“

Einst galt die Hildener Qiagen-Gruppe als deutscher Pionier in der molekularen Diagnostik und der Herstellung von Gentechnik-Produkten. Doch die Zeiten haben sich geändert und das Unternehmen sieht sich mit einer Wachstums- und Führungskrise konfrontiert.

Ende Juli gab Qiagen bekannt, dass die gesetzten Ziele im zweiten Quartal nicht erreicht werden. Sechs Prozent gab die Aktie damals innerhalb eines Tages nach. An diesem Montag erwischte es die Aktie deutlich heftiger: Um 20 Prozent stürzten die Papiere ab. Zuvor hatte das Unternehmen bekanntgegeben, seine Ziele auch im dritten Quartal verfehlt zu haben. Firmenchef Peter Schatz trat überraschend von seinem Posten zurück. 1,3 Milliarden Euro Börsenwert gingen binnen 24 Stunden verloren.

Im dritten Quartal steigerte Qiagen zwar seinen Umsatz um drei Prozent, geplant waren jedoch vier bis fünf Prozent. Ursache für das schwächere Ergebnis sei eine schwache Entwicklung des China-Geschäfts gewesen.

Lampe-Analyst Braun folgt dieser Erklärung nur bedingt. Der chinesische Markt sei nicht per se schwach, wie das Wachstum des Konkurrenten Roche zeige – auch wenn dessen Umsätze nur moderat gewesen seien. Stattdessen sieht der Experte Handlungsbedarf bei Qiagen selbst: „Die Probleme in China sind entweder auf schlecht abgestimmte Vertriebswege oder interne Defizite zurückzuführen.“

Mit seiner Einschätzung ist Braun offensichtlich nicht alleine. Anfang Oktober empfahlen von 26 Analysten noch sieben die Qiagen-Aktie zum Kauf, 19 setzten sie auf Halten. Keiner riet zum Verkauf. Seitdem fiel das durchschnittliche Kursziel von 39,10 US-Dollar auf 32,66. Aktuell raten nur noch 16 Analysten die Aktie zu halten und drei, das Papier zu verkaufen. Zum Kauf empfehlen die Aktie noch sieben Analysten.

Bedenken bei Umsetzung von Kooperation

Nach zwei Umsatzwarnungen in einem Jahr wächst offenbar die Skepsis bei Investoren und Analysten bezüglich der Perspektiven des Konzerns. Für Unsicherheit sorgt offenbar auch die enttäuschende Entwicklung im Bereich der Gen-Sequenzierung, wo Qiagen eine Niederlage einräumen muss. Die Weiterentwicklung des eigenen Genereader-Systems wird das Unternehmen einstellen.

Stattdessen vereinbarte das Hildener Unternehmen nun eine Kooperation mit dem US-Konkurrenten Illumina, dem weltweit führenden Hersteller von Systemen zur Gen-Sequenzierung. Die Kooperation ist aus Brauns Sicht nachvollziehbar. „Sie verabschieden sich von einem eigenen geschlossenen Instrument und schaffen so ein offenes System.“ Allerdings hat er Bedenken bei der Umsetzung des Vorhabens. „Nun kommt es darauf an, dass die Zusammenarbeit schnell realisiert wird.“ Geschwindigkeit sei nun entscheidend, fügt Braun hinzu.

Als zusätzliche Sparmaßnahme hat sich Qiagen ein Restrukturierungsprogramm mit einem Volumen vor Steuern von 260 bis 265 Millionen US-Dollar aufgelegt. Dies solle überwiegend im dritten Quartal 2019 verbucht werden, schreibt Tobias Gottschalt, Analyst bei der Bayern LB, in einem Kommentar.

Der Studie des Bankhaus Lampe nach steigt damit die Möglichkeit, dass Qiagen zum Jahresende rote Zahlen schreiben wird. Einem prognostizierten Ebit von 242,7 Millionen US-Dollar stehen 246,2 Millionen an Abschreibungen gegenüber. „So drastisch kann die Erholung im vierten Quartal nicht sein, dass das Jahresziel aufrechterhalten werden kann“, so Braun.

Ähnlich sehen das auch andere Branchenanalysten. „Wir sehen die mittelfristigen Wachstumsziele von acht bis neun Prozent pro Jahr noch mehr im Risiko als bisher“, schreibt Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff in einem Kommentar.

Mehr: Biotech-Pionier Qiagen verliert 1,3 Milliarden Börsenwert auf einen Schlag. Der überraschende Rücktritt von Qiagen-Chef Schatz und die zweite Gewinnwarnung in Folge sorgen für Enttäuschung bei Investoren.

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