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BMW, Daimler, Volkswagen Konzerne verlieren über 10 Milliarden Euro an Wert

Nach dem Vorwurf über Kartellabsprachen in der Automobilindustrie werfen die Anleger Aktien von Volkswagen, Daimler und BMW aus dem Depot. Folge: Die Konzerne verlieren seit Freitag massiv an Wert.
Update: 24.07.2017 - 14:15 Uhr 11 Kommentare

Düsseldorf Ein historischer Tiefpunkt für Automobil-Unternehmen und deren Aktionäre: In weniger als zwei Handelstagen haben die drei Automobilaktien im Dax mehr als 11,4 Milliarden Euro an Wert verloren. Den größten Verlust gab es bei Volkswagen: Seit dem Handelsbeginn am Freitag bis Montagmittag haben die Vorzugsaktien 3,89 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung verloren. Knapp dahinter mit minus 3,88 Milliarden Euro liegt die Daimler Aktie, gefolgt von den BMW-Titeln (minus 2,77 Milliarden Euro).

Der Wertverlust des Porsche-Konzerns mit rund 895 Millionen Euro ist dagegen vergleichsweise gering. Alle vier Aktien haben seit Freitag mehr als fünf Prozent nachgegeben. Allerdings sind die Verluste im Vergleich zur Dieselaffäre gering. Am Montag nach Bekanntwerden des Skandals im September 2015 hatte VW einen Bewertungsabschlag von 15 Milliarden Euro hinnehmen müssen.

Auch am heutigen Handelstag steht die Aktien aus Furcht vor Strafzahlungen in Milliardenhöhe unter Druck. Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen verloren am Montag jeweils zwischen 3,7 und 2,8 Prozent und waren damit mit Abstand die größten Verlierer im Dax.

Wie die deutschen Autobauer unter Druck geraten

„Ich gehe davon aus, dass beim Automobilkartell, sollte ein solches gegeben sein, Beträge in Milliardenhöhe von den Autokonzernen eingefordert werden, also noch deutlich höhere Beträge als beim Lkw-Kartell von bisher 2,8 Milliarden Euro“, meint Christian Genzow, einer der führenden Experten für Fragen des Kartell-, Vertriebs- und Wettbewerbsrechts in der Automobilindustrie. Der Jurist der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen & Partner berät und vertritt seit über 30 Jahren die wichtigsten Händlerverbände der internationalen Kfz-Hersteller in Deutschland.

Medienberichten zufolge haben sich die drei Autokonzerne seit den 1990er-Jahren über die Technik ihrer Fahrzeuge, über Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgesprochen. Die EU-Kommission geht den Angaben zufolge entsprechenden Hinweisen nach. „Es scheint, als finden die schlechten Nachrichten über das schlechte Benehmen der Industrie kein Ende“, sagt Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Den Automobilherstellern drohen nicht nur Klagen seitens der Kunden, sondern möglicherweise auch durch ihre Anteilseigner. „Zu guter Letzt wird zu klären sein, inwieweit Aktionäre und Investoren durch die Kartellabsprachen geschädigt wurden“, meint Genzow.

Die Kurse der Autoaktien seit 2015

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
FSE

+0,22 +0,34%
0,00€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW Stammaktie
1 von 7

Die BMW-Stammaktien sind im Dax notiert, dem wichtigsten deutschen Aktienindex. Stammaktionäre haben Stimmrecht, erhalten dafür aber geringfügig weniger Dividende als Vorzugsaktionäre.

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
L&S

+0,14 +0,09%
+158,42€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Volkswagen Vorzugsaktie
2 von 7

Von den beiden Aktientypen des Volkswagen-Konzerns ist die Vorzugsaktie im Dax enthalten. Vorzugsaktionäre erhalten eine etwas höhere Dividende im Falle von Ausschüttungen an die Anleger. Jedoch haben sie kein Stimmrecht.

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

+0,11 +0,23%
+47,05€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
3 von 7

Die dritte Automobilaktie im Dax ist die des Daimler-Konzerns. Die wichtigste Marke des Unternehmens ist Mercedes-Benz.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG VORZUGSAKTIEN O.ST. EO 1

WKN
ISIN
DE0005190037
Börse
L&S

+0,10 +0,19%
+51,65€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG VORZUGSAKTIEN O.ST. EO 1
BMW Vorzugsaktie
4 von 7

Die zweite Aktie des BMW-Konzerns.

VOLKSWAGEN AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007664005
Börse
L&S

+1,05 +0,65%
+160,25€
Chart von VOLKSWAGEN AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
Volkswagen Stammaktie
5 von 7

Über die Stammaktien kontrollieren die Familien Piëch und Porsche weitgehend die Geschicke des Volkswagen-Konzerns.

PORSCHE AUTOMOBIL HOLDING SE INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE000PAH0038
Börse
L&S

+0,68 +1,11%
+61,54€
Chart von PORSCHE AUTOMOBIL HOLDING SE INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Porsche Vorzugsaktie
6 von 7

Die Porsche-Holding ist die Dachgesellschaft des Volkswagen-Konzerns. Die hier gezeigten Vorzugsaktien sind die einzigen, die an der Börse gehandelt werden. Die Stammaktien mit Stimmrecht gehören lediglich den Eigner-Familien Piëch und Porsche.

AUDI AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006757008
Börse
Xetra

0,00 0,00%
0,00€
Chart von AUDI AG INHABER-AKTIEN O.N.
Audi Vorzugsaktie
7 von 7

Die Aktie der Premium-Marke Audi aus dem Volkswagen-Konzern ist nur etwas für Feinschmecker. Denn fast alle Papiere werden von VW gehalten, lediglich ein Bruchteil ist im freien Handel zu erwerben. Die Umsätze mit den Titeln sind marginal.

„Die möglichen finanziellen Belastungen – Strafzahlungen, Schadensersatz etc. – lassen sich auf Basis der aktuell vorliegenden Informationen nicht abschätzen“, schreibt DZ-Bank-Analyst Michael Punzet in einem Kommentar. Die Aktien der Autohersteller seien zwar teilweise günstig, abhängig vom Nachrichtenfluss müsse in den kommenden Wochen aber mit kräftigen Kursausschlägen gerechnet werden.

Günstig bedeutet unter anderem: Alle drei Wertpapiere weisen – vor allem durch die Kursverluste – ein hohe Dividendenrendite auf. Die liegt bei den Volkswagen-Vorzugsaktien bei 2,52 Prozent, BMW weist 4,27 Prozent auf, Daimler sogar 5,56. Die Dividendenrendite ergibt sich aus der Division der Dividende durch den aktuellen Aktienkurs multipliziert mit 100. Sie gibt die Verzinsung des investierten Aktienkapitals je Aktie in Prozent an.

Weil die drei Automobilaktien zusammen mit rund zehn Prozent im Dax gewichtet sind, fiel der Börsenindikator am heutigen Handelstag ebenfalls. Der Leitindex rutschte unter die Marke von 12.200 Punkten. Bereits am Freitag belasteten die drei Autotitel mit ihrem Minus den Dax, der letztlich um 1,7 Prozent auf 12.240 Punkte nachgab.

Schon seit Monaten hinkt die Kursentwicklung der drei Automobilaktien dem Dax hinterher. In den vergangenen zwölf Monaten legt der deutsche Leitindex um gut 20 Prozent zu, während die Anteilsscheine von Daimler in diesem Zeitraum noch nicht einmal um fünf Prozent gestiegen sind. BMW schaffte ein Plus von sieben Prozent. Die VW-Vorzüge legten nach dem großen Einbruch im Zuge der Abgasaffäre vor gut zwei Jahren in den vergangenen zwölf Monaten um 13 Prozent zu.

Doch nicht nur die Aktien von deutschen Herstellern kamen am heutigen Handelstag unter die Räder. Denn nach der Herabstufung durch die Analysten von HSBC haben viele Anleger am Montag Peugeot aus ihren Depots geworfen. Die Aktien fielen um 3,2 Prozent auf 17,85 Euro und zählten damit im französischen Standardwerte-Index zu den Schlusslichtern.

Zwar fielen auch Renault-Aktien zeitweise um über zwei Prozent, da wegen des Kartellverdachts gegen deutsche Autohersteller die gesamte Branche unter Druck stand. Doch hatten die HSBC-Analysten ihre Kaufempfehlung kassiert und sich auch skeptisch über Opel geäußert sowie ihre „Halten“-Empfehlung mit einem auf 20 von 24 Euro gesenkten Kursziel versehen.

Hinzu kommt: Viele Hersteller stehen bereits wegen der Abgasaffäre unter Druck. Und die Verbraucherzentrale dringt nun darauf, per Gesetz eine Musterklage möglich zu machen, damit mutmaßlich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssen, sondern sich zusammentun können.

Auch EU-Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova hat sich für eine Stärkung der Rechte von Käufern in Europa ausgesprochen. „Der VW-Skandal hat uns eine harte Lektion erteilt“, sagte Jourova der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Als Lehre daraus wolle sie die Möglichkeit europaweiter Sammelklagen einführen. „Ich will, dass die europäischen Verbraucher ihre Kräfte bündeln und ihre Klagen koordinieren können.“

  • jr
  • dpa
  • rtr
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11 Kommentare zu "BMW, Daimler, Volkswagen: Konzerne verlieren über 10 Milliarden Euro an Wert"

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  • Typisch HB, typisch Journalismus.

    Wer verliert?

    Ganz normale Kursschwankung.

    Kein Wunder, dass 60% der Beteiligungen im DAX Ausländer sind.

    Verloren habe ich dann, wenn ich die Aktien mit Verlust verkauft und realisiert habe.

  • ............wie kommentierte neulich ein Börsen-Guru......lächerlich....dieser Kurseinbruch.....belastet gerade mal die Portokasse....nein.....das ist kein Weh-Wehchen......für die Aktien.....und deren Konzerne.....eher ein Schnupfen.....kein Krankenbett.......wird mit Kamillen-Tee gelöst.....
    .....es geht den Konzernen gut.....man wird das Problem auf irgendeine Art lösen.....mit + ohne Politik.....und man hält sich in der Wirtschaft.....an die Erkenntnis in der Politik.....
    also der Kunde.....Otto und Erna.....vergessen schnell.....in paar Monaten spricht keiner mehr davon.....und die Zahlen gehen dann wieder nach oben......und die Elektro-Welle......hat sich zu einer glatten....flachen und platten...Wasseroberfläche entwickelt.....und nur ein Sturm auf diesem Sektor......zu Wellenbewegungen führen kann....und das wird noch dauern......

  • Dann heißt das, dass wir sukzessive hinzukaufen. .
    Niemals wir Investoren kaufen z.B. Daimer zwischen 20E- 30E. Kaufpreis, von was sollte man sonst auch leben, bei den Kosten und Risiken ?

  • Dann heißt das, dass wir sukzessive hinzukaufen.

  • Man könnte auch von Dieselreligion reden, denn der Selbstzünder ist über die Jahrzehnte an der Tankstelle steuerlich subventioniert worden. Das sind inzwischen deutlich 2 stellige Millardenbeträge. Der Firmenwagen des Deutschen liebstes Statussymbol.

    Abgasbetrug, Kartellabsprachen alles kein Problem für den deutschen Petrolhead und Berufsökohasser. Schuld sind nicht die Firmen die betrügen und sich zum Nachteil des Verbrauchers absprechen, nein Schuld ist natürlich die Umweltgesetzgebung und die Klimalüge.

    Blöd nur wenn der Firmendiesel demnächst nicht mehr in die Stadt darf und der Rückkaufwert für geleaste Diesel den Bach runtergeht, weil alle die bis 3 zählen können der Empfehlung des ADAC - sie wissen schon der Ökospinnerverein- folgen und keinen Diesel mehr kaufen.

    Und dann kommen auch noch E-Fahrzeuge auf den Markt mit halbwegs passabler Reichweite Im Mittelklassesegment und Volvo kündigt an E-Autos zum Dieselpreis anzubieten.

    Da bleibt dann nur noch mit einem Mantra die Zukunft der ach so tollen deutschen Autoindustrie zu beschwören und jeden Tag auf die Ökos zu schimpfen und fleissig deutsche Autoaktien kaufen die sind ja jetzt so günstig, letzteres könnte allerdings einen Grund haben.

    Die deutsche Automobilindustrie sollt vielleicht mal weniger bescheissen und mehr über den Satz nachdenken, wer nicht mit der Zeit geht geht mit der Zeit.

  • Herr Christian Kö[email protected] Ja, Ja, der Volvo dem Fink das Herz erfreut er dem Geely gehört.

  • Naja...wer opfert hier wen und wieso Ökoreligion, Herr Narrog.
    Abgasvorschriften gibt es in nahezu allen nennenswerten Ländern und es ist einfach nur blöd und naiv, zu glauben, man kann sich zwischen mehreren Unternehmen Jahrzehntelang absprechen und es kommt nie raus. Da ist mal die Politik nicht schuldig.
    Bleibt halt die Frage nach den Kosten und Imageschäden und ob noch genug Milliarden bleiben, um technisch am Ball zu bleiben. Hier kann der ein oder andere die Zukunft verspielen.

  • RAUS MIT DEUTSCHEN AKTIEN - ist eigentlich wurscht - die übergroße Mehrheit der deutschen DAX Aktien liegen ja bereits im Ausland. Dort werden unsere Firmen wertgeschätzt.
    Betrachtet man den Preis der Unternehmen, welche hochqualifizierten Mitarbeiter, welche Patente sie haben, welche Umsätze, Strategien und welche Gewinne sie erzielen, dann kann man nur raten die deutschen Aktien allen voran die Autobauer zu kaufen.
    Niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, schöne Dividendenrendite - Daimler, Volkswagen, BMW - einfach nur super günstig. Und wenn dann die Autobauer die Preise erhöhen, können sie die Strafen auch zahlen für ihre Sünden, die sie in einer "ART SELBSTANZEIGE" kundtaten.
    zu Herrn von Fink - Richtig! die Chinesen kennen scheinbar die Selbstkasteiung nicht. Sie kaufen gerne europäische Unternehmen, sie wissen deren Know-how zu schätzen

  • Es stellt sich die Frage, ob die Autokonzerne analog der Stromversorger von der Politik der Ökoreligion geopfert werden.

  • Wir Investoren halten längst China-Auto-Aktien. Geely sind des Finken Glück.
    Haste deutsche Autoaktien in der Tasche, haste bald nix mehr zu nasche. Ha Ha Ha

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