Börse Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers startet Börsengangprozess

Der Münchener Industriekonzern Siemens veröffentlicht ein offizielles Dokument zum Börsengang. Eine Unbekannte bleibt aber bestehen.
Update: 19.02.2018 - 12:04 Uhr Kommentieren
Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers startet Börsengangprozess Quelle: Reuters
Siemens-Computertomograph

Vor Ostern dürfte der Börsengang durchgezogen sein.

(Foto: Reuters)

MünchenDie Medizintechnik-Tochter von Siemens will noch vor Ostern an die Börse. Der Münchner Industriekonzern gab am Montag den offiziellen Startschuss für den Börsengang von Siemens Healthineers, der der größte in Deutschland seit mehr als 20 Jahren werden könnte. „Siemens Healthineers ist jetzt bereit für sein Börsendebüt“, sagte Siemens-Vorstand und Healthineers-Aufsichtsratschef Michael Sen.

Der Erlös - die Rede ist von bis zu sieben Milliarden Euro - geht vollständig an den Mutterkonzern, Healthineers selbst bekommt kein Geld. Allerdings zahlt Siemens wohl zum Börsengang etwa die Hälfte der Schulden der Erlanger Tochter zurück, um dieser einen größeren Spielraum für Übernahmen zu geben. Healthineers kann künftig eigene Aktien verwenden, um Zukäufe zu finanzieren.

„Durch den Börsengang erhalten wir die zusätzliche Freiheit, die wir brauchen, um unsere globale Führungsrolle weiter auszubauen“, sagte Healthineers-Chef Bernd Montag. „Wir sind in einer starken Position, um die Zukunft des Gesundheitswesens zu gestalten.“ In der größten Sparte Imaging, die Röntgengeräte und Magnetresonanztomografen (MRT) umfasst, sind Healthineers als unangefochtenem Weltmarktführer allerdings die Hände gebunden. In der Labordiagnostik, wo Siemens nur die Nummer zwei hinter Roche ist, soll ein neues Diagnose-System („Atellica“) Schwung bringen. Dritte Säule des Geschäfts sind Operations-Roboter und andere Geräte, die Healthineers unter dem Begriff „Advanced Therapies“ zusammenfasst.

Healthineers gilt als rentabelste und wertvollste Sparte von Siemens. Bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden Euro kommt sie auf einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro. Analysten veranschlagen den Börsenwert im Schnitt auf 35 bis 36 Milliarden Euro, einige Schätzungen reichen bis zu 40 Milliarden. Siemens werde einen "bedeutenden Minderheitsanteil" von Healthineers an die Börse bringen, um ausreichend Liquidität für die Aktie zu schaffen, hieß es in der Mitteilung. Die Mehrheit werde jedoch "langfristig" bei Siemens bleiben. In Finanzkreisen wird mit der Platzierung von 15 bis 20 Prozent der Anteile gerechnet. Damit würde der Börsengang gut fünf bis sieben Milliarden Euro schwer.

Größer als Post und Infineon?

Am oberen Ende dieser Spanne wäre Siemens Healthineers die größte Neuemission an der Frankfurter Börse seit der Deutschen Telekom 1996. Platz zwei und drei belegen bisher die Deutsche Post (6,25 Milliarden Euro) und die ehemalige Siemens-Tochter Infineon (6,07 Milliarden), jeweils im Jahr 2000.

Noch offen ist, ob Siemens einen großen Ankerinvestor - etwa einen Staatsfonds - ins Boot holt. Mit einer Milliarden-Order ließe sich der Erfolg der Emission zwar bei wackligen Börsen absichern, doch wären dann weniger Aktien handelbar. „Siemens geht es nicht um eine Milliarde mehr oder weniger“, sagte ein Insider. Daher werde sich der Konzern auch von Schwankungen an den Börsen nicht stören lassen.

Offiziell legen sich Siemens und Healthineers zwar weiter nur auf das erste Halbjahr fest. Doch dauert es von der jetzt veröffentlichten offiziellen Absichtserklärung ("„ntention to float“) bis zur Erstnotiz in der Regel nur vier Wochen. Nun werden die vertraulichen Studien der begleitenden Banken zur Bewertung an potenzielle Investoren verteilt. Nach zwei Wochen wird der offizielle Börsenprospekt veröffentlicht. Dann können die Aktien gezeichnet werden. Organisiert wird der Börsengang von der Deutschen Bank, Goldman Sachs und JPMorgan. Elf weitere Banken sollen helfen, die Healthineers-Aktien zu verkaufen.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

  • dpa
  • rtr
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