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Börse Teheran Kursfeuerwerk trotz Sanktionen: Teherans Anleger lassen sich von Trump nicht stören

Der größte Geflügelproduzent des Mittleren Ostens feiert den IPO an der Börse Teheran. Dass das möglich ist, liegt an einem unerwartetem Trend.
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Iran: Teherans Anleger lassen sich von Trump nicht stören Quelle: ACE
Börse in Teheran

Die Kurse iranischer Aktien steigen trotz der prekären Wirtschaftslage des Landes.

BerlinWährend US-Präsident Donald Trump den Druck auf den Iran massiv erhöht, spielen Anleger an der Teheraner Börse weiterhin Normalität: Für diesen Montag hat Trump neue Sanktionen angekündigt. Dessen ungeachtet, ist am Sonntag der iranische Geflügel- und Eierproduzent Seamorgh Company an die Börse gegangen.

130 Millionen Aktien – zehn Prozent des Kapitals der Firma – gingen in einem IPO erstmals an die Teheran Stock Exchange, Irans Börse. Anleger zahlten pro Aktie 5.100 Rial, nach offiziellem Umtauschkurs zwölf US-Cent.

Die 1974 gegründete Seamorgh Company ist nach eigenen Angaben der größte Geflügel- und Eierproduzent des Mittleren Ostens. Es betreibt nach eigenen Angaben neun große Geflügelfarmen, produziert 45.000 Tonnen Eier sowie 30 Millionen Küken im Jahr und verfügt über eigene Futter- und Düngemittelhersteller.

Begünstigt wurde der Seamorgh-Börsengang von einer kuriosen Entwicklung: Obwohl US-Präsident Donald Trump am Wochenende weitere und noch härtere Sanktionen gegen den Iran ankündigte, stieg der Leitindex der Teheraner Börse, der Tedpix, um 1,5 Prozent auf 237.460 Zähler. Am 8. Mai 2018, als Trump den einseitigen US-Ausstieg aus dem fast 15 Jahre ausgehandelten Atomabkommens mit dem Iran bekannt gegeben hatte, notierte der Tedpix noch bei 93.606 Punkten.

Teherans Börse als Welt der Wunder

Seither ist Irans Börse eine Welt der Wunder. Der Tedpix ist massiv gestiegen, obwohl Trump langjährigen Großkunden den Kauf von iranischem Rohöl untersagt hat und Unternehmen wie Total, Wintershall, Linde, Siemens, Peugeot oder Renault aus Sorge vor Folgen für ihre Firmen durch US-Sanktionen ihr Iran-Geschäft eingestellt oder das Land sogar ganz verlassen haben.

Trotzdem ist die Marktkapitalisierung der Aktien der an der Teheraner Börse gehandelten 329 Unternehmen nach dem Seamorgh-Börsengang laut offiziellen Angaben auf 6,6 Billionen iranische Rial gestiegen. Laut offizieller Umrechnung sind das etwa 157 Milliarden US-Dollar. Dabei ist Irans Wirtschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr um 4,9 Prozent geschrumpft, die Landeswährung Rial hat seit Trumps Ausstieg aus dem Nukleardeal zwei Drittel ihres Werts verloren.

Die Gründe für die massiven Kursgewinne sind unklar. Vielleicht sind es Hoffnungsschimmer wie die Ankündigung des russischen Vize-Außenministers, die Irans Börse immer wieder beflügeln: Moskau wolle jetzt Teheran massiv helfen und iranisches Öl und Gas importieren, um es zuhause zu verbrauchen. Im Gegenzug dafür soll mehr russisches Rohöl und Erdgas nach Europa exportiert werden.

Amir Havasi, Börsenexperte des Teheraner Wirtschaftsblatts „Financial Tribune“, begründet die Entwicklung an der Tehran Stock Exchange (TSE) mit der sich „aufblähenden Geldmenge“ und der „schnell abwertenden Währung auf dem inoffiziellen Devisenmarkt“. Beides zusammen bilde ein Sprungbrett für Aktien.

Zahlungsvehikel gibt Anlegern Hoffnung

Große Hoffnungen setzt der Iran auch in das europäische Zahlungsvehikel Instex, das Großbritannien, Deutschland und Frankreich zur Umgehung des US-Finanzsystems im Iran-Handel geschaffen haben. Gerade erst habe der britische Vize-Außenminister Andrew Morrison der iranischen Führung „wichtige Informationen Instex betreffend“ überbracht, sagte der frühere britische Botschafter in Teheran, Richard Dalton, am Sonntag. Morrison habe in Teheran erklärt, wie Instex ins Laufen kommen solle.

Nach Informationen des Handelsblatts soll Instex, das seit mehr als einem halben Jahr im Aufbau aber bisher nicht operativ tätig ist, in Kürze eine erste Lieferung von Krebsmedikamenten nach Iran abwickeln. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Sonntagabend im ZDF zu Instex, dass schon in Kürze erste Zahlungsabwicklungen über die europäische Tauschbörse Instex abgewickelt würden.

Mehr: US-Sicherheitsberater John Bolton wirbt seit Langem für einen Krieg mit dem Iran. Nie war er seinem Ziel, einen Regimewechsel in Teheran zu erzwingen, so nah wie jetzt.

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