Börsengänge So schlagen sich die Börsenneulinge Knorr-Bremse und Westwing

Der Online-Möbelhändler Westwing feiert ein durchwachsenes Debüt an der Börse. Knorr-Bremse macht Tempo, um am ersten Handelstag nicht zu enttäuschen.
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Der Bremsenhersteller für Züge und Lastwagen hat für seinen Börsengang die Angebotsperiode verkürzt. Quelle: dpa
Knorr-Bremse

Der Bremsenhersteller für Züge und Lastwagen hat für seinen Börsengang die Angebotsperiode verkürzt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Börsenkandidaten Knorr-Bremse und Westwing zollen den zunehmend schwierigeren Aktienmärkten Tribut. Obwohl sie wegen großer Nachfrage ihre Angebotsfrist verkürzt haben, reizen der Hersteller von Bremsen für Züge und Lastwagen sowie der Online-Möbelhändler ihre Preisspannen nicht aus. Sie begnügen sich mit Angebotspreisen, die in der Mitte der vorher veröffentlichen Preisspannen liegen, um möglichst für eine gute Kursentwicklung nach der Erstnotiz auf dem Frankfurter Parkett zu sorgen.

Im Falle von Westwing ging dieser Plan allerdings nicht auf. Bei seinem Börsengang am Dienstag rutschte die Aktie nach anfänglichen Gewinnen unter ihren Ausgabepreis und kostete zuletzt weniger als 24 Euro. Das Debüt auf dem Frankfurter Parkett fiel dadurch durchwachsen aus.

Das Unternehmen hatte den Preis seiner Aktien zuvor auf 26 Euro festgesetzt und so insgesamt 132 Millionen eingesammelt. „Mit den zusätzlichen Mitteln aus dem Börsengang werden wir unseren Wachstumskurs fortsetzen“, betonte Gründer und Vorstandschef Stefan Smalla in einem Statement.

Das Münchener Unternehmen hatte schon während der Zeichnungsfrist für die neuen Aktien vorab signalisiert, dass der Ausgabekurs für die Aktien bei mindestens 26 Euro liegen werde. Gleichzeitig verkürzte das Unternehmen, deren größter Aktionär der Start-up Konzern Rocket Internet ist, die Angebotsfrist wegen der großen Nachfrage. Die Aktie war um ein Vielfaches überzeichnet – nach Handelsstart ließ das Interesse aber stark nach.

Auf einen besseren Start hofft das Unternehmen Knorr-Bremse, das an diesem Freitag sein Debüt an der Börse feiert. Der Münchener Bremsenkonzern teilte Investoren mit, dass die Aktien voraussichtlich zwischen 78 und 80 Euro kosten werden. Damit könnte die Familie um Knorr-Eigentümer Heinz Hermann Thiele mit der Neuemission bis zu 3,87 Milliarden Euro einnehmen.

Das typische deutsche Industrieunternehmen wird damit voraussichtlich der zweitgrößte Börsengang des Jahres und das sechstgrößte Initial Public Offering (IPO), wie es in der Fachsprache heißt, in Deutschland überhaupt. Der größte Börsengang ist bislang das IPO der Deutschen Telekom im Jahr 1996 mit einem Volumen von 10,1 Milliarden Euro.

Knorr-Bremse teilte zudem mit, dass die Angebotsperiode verkürzt werde. Das Unternehmen schließt seine Bücher bereits an diesem Mittwoch und damit einen Tag früher als geplant. Finanzkreise sprechen von einer sehr guten Nachfrage nach der Aktie, sowohl aus Großbritannien als auch aus den USA, wo es mit Wabtec und Wabco zwei Konkurrenten gibt, die bereits börsennotiert sind.

Auch in Deutschland kommt die Aktie bei Großanlegern gut an. Das war in den vergangenen Jahren in ähnlichen Fällen nicht immer so, zuletzt überzeugte allerdings das Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers die heimischen Investoren. Dort liegt der Anteil deutscher Anleger bei rund 20 Prozent.

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Ähnlich soll es bei Knorr-Bremse aussehen, berichten Finanzkreise. Angesichts des frühen Marketings für die Aktie und des starken Interesses auch des Auslands an dem deutschen Industrieunternehmen kann sich Knorr-Bremse leisten, die Bücher früher zu schließen. Es wird von einer mehrfachen Überzeichnung gesprochen.

Mit ihrer verkürzten Angebotsfrist reagierten sowohl Westwing als auch Knorr-Bremse auf die zunehmend schwierigeren Märkte. Bislang waren Neuemissionen in diesem Jahr allerdings weitgehend gut gelaufen. Mit am besten entwickelte sich Siemens Healthineers, das im Vergleich zum Ausgabekurs rund ein Viertel im Preis zugelegt hat.

Knorr-Bremse wird in der verengten Preisspanne mit 12,6 bis 12,9 Milliarden Euro bewertet. Mit 72 bis 87 Euro hatte der Konzern die Spanne zunächst ungewöhnlich breit angesetzt, um auf Nummer sicher zu gehen. Für Fondsmanager Markus Turnwald von der Deka hat das Unternehmen „mit einem im Vergleich zum Wettbewerb höheren Budget für Forschung und Entwicklung sowohl bei Schienenfahrzeugen als auch bei Lkws Marktanteile bei Bremssystemen gewonnen“.

Der anhaltende Trend, anstelle von Trommelbremsen auch Scheibenbremsen bei Lkws einzusetzen, sei vorteilhaft. Mit rund 29.000 Mitarbeitern weltweit an über 100 Standorten erzielten die Münchener im Jahr 2017 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro.

Dass die Märkte derzeit nicht einfach sind, hat der Chip-Anlagenbauer Exyte gezeigt, der seinen milliardenschweren Börsengang abgesagt hatte. Die Stuttgarter hatte für den Gang an die Frankfurter Börse einen Börsenwert von 2,5 bis drei Milliarden Euro angestrebt und wollten 25 bis 30 Prozent des Unternehmens an die Börse bringen.

Offenbar konnte das Unternehmen seine Preisvorstellungen aber nicht durchsetzen. „Wir halten an unseren Plänen fest, aber wir haben keinen Zeitdruck und werden auf die richtigen Marktbedingungen warten“, sagte Exyte-Chef Wolfang Büchele vergangene Woche.

Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für Börsengänge allerdings gut. In diesem Jahr sind bereits 14 Unternehmen an die Börse gegangen. Damit bahnt sich in Deutschland das erfolgreichste Jahr seit der Jahrtausendwende an.

Neben Knorr-Bremse und Westwing drängt es auch die Beteiligungsgesellschaft Primepulse, den Elektroroller-Hersteller Govecs und den Kopenhagener Arzneimittel- Importeur Abacus Medicine auf das Parkett. Zudem macht der chinesische Haushaltegeräte-Hersteller Haier Ernst und plant ein Zweitlisting an der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Märkte wieder stabilisieren. Danach sieht es momentan aus.

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