Börsengänge von Schaeffler, Covestro, Scout24 Privatanleger kosten viel und machen Ärger

Kleinanleger gelten als lästig. Auf Aktionärstreffen müssen sie sich oft mit Würstchen und Kartoffelsalat begnügen. Auch die Börsenkandidaten Schaeffler und Covestro lassen Privatanleger außen vor. Warum eigentlich?
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Der Klassiker auf Hauptversammlungen: Würstchen und Kartoffelsalat. Beim Börsengang sind Kleinanleger aber selten Zielgruppe. Quelle: Imago
Aktionärsverpflegung

Der Klassiker auf Hauptversammlungen: Würstchen und Kartoffelsalat. Beim Börsengang sind Kleinanleger aber selten Zielgruppe.

(Foto: Imago)

FrankfurtNicht nur den Dax hat die VW-Abgasaffäre in Mitleidenschaft gezogen – auch Unternehmen, die noch gar nicht in der Börse notiert sind, kostet der Skandal um den Autobauer potenzielle Anleger. Der Autozulieferer Schaeffler wollte eigentlich am kommenden Montag sein Börsendebüt feiern. Nun will Schaeffler am Montag erst die Preisspanne bekannt geben.

Doch wer hofft, als Kleinanleger nun zu günstigen Preisen Anteile des Autozulieferers kaufen zu können, wird enttäuscht: Das Unternehmen schließt private Investoren von der Erstzeichnung komplett aus. Dabei gaben in einer nicht repräsentativen Umfrage des Portals Wallstreet Online 26 Prozent der Befragten an, zum Börseneintritt gerne Aktien von Schaeffler kaufen zu wollen.

Warum Privatanleger ausgeschlossen werden? „Wir haben den Weg gewählt, kein öffentliches Angebot zu machen, um mehr Transaktionssicherheit zu gewinnen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Für Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ist es keine Überraschung. „Bei Erstzeichnungen sehen wir seit einigen Jahren eine Tendenz, Privatanleger auszuschließen“, sagt er.

Er glaubt, dass Unternehmen so ihr Risiko möglichst gering halten möchten. „Viele Unternehmen glauben, dass der Börsengang sicherer ist, wenn die heterogene Masse von Privatanlegern ausgeschlossen wird“, sagt er. Auch Geld spielte eine Rolle. „Private Anleger mit ins Boot zu holen, bedeutet für die Unternehmen Arbeit und damit Kosten.“ So müsse erst eine Vertriebsstruktur aufgebaut werden, um ihnen den Kauf von Aktien zu ermöglichen.

Auch Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, glaubt, dass private Anleger aufwändiger zu betreuen sind als institutionelle: „Private Anleger treten in Gruppen auf, sind organisiert und machen auf den Hauptversammlungen häufig Theater.“ Mit einigen wenigen institutionellen Anlegern könnten Probleme auch einmal am runden Tisch geklärt werden.

Während Schaeffler noch auf ein Wunder hofft, musste Covestro seine Börsenplane bereits deutlich zurückschrauben. Die Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns hat ihr Börsendebüt verschoben. Statt am Freitag wagt sich das Unternehmen nun erst am kommenden Dienstag auf das Parkett.

Am Donnerstag hatte Bayer bekannt gegeben, das Emissionsvolumen von 2,5 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro herunterzuschrauben. Auch die Preisspanne wurde gesenkt. Von bisher 26,50 bis 35,50 Euro auf 21,50 bis 24,50 Euro je Aktie.

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7 Kommentare zu "Börsengänge von Schaeffler, Covestro, Scout24: Privatanleger kosten viel und machen Ärger"

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  • Wen interessiert denn Würstchen und Salat?

    Mich interessieren nur steigende Kurse und die Dividende.

    Wer wie ich seit 50 jahre in Aktien investiert, international in die Prämiummarken, kann über solche Artikel nur lachen.
    Die Anlage in Aktien ist alternativlos. Man muß nur die richtiegn zum richtigen Zeitpunkt kaufen.

  • "Privatanleger kosten viel und machen Ärger"
    ... weil Privatanleger das EIGENE Geld anlegen, Profianleger ohne privates Risiko mit dem Geld ANDERER spielen. Habe sämtliche Fonds, ETFs und Sonstiges wegen meiner Erfahrungen ab Jahr 2000 abgeschaft und bin nur mit Aktien gut gefahren.

  • Kein Wunder, daß in Deutschland die Aktie als Anlageform nicht so verbreitet ist, wie in anderen Ländern. Da kann Herr Bruns noch jahrzehntelang für Aktien die Werbetrommel rühren.

    Wenn man von Anfang an klargemacht bekommt, daß man ohnehin unerwünscht ist,
    dann legt man sein Geld eben anders an - egal ob die Rendide lukrativ ist.

  • Die bodenständige Verschlossenheit und das Konzentrieren auf den Kern ist und war schon immer ein Teil des Erfolg von Schaeffler und da wird sich beim Börsengang auch nichts daran ändern.

  • Sicherlich die lieben Kleinanleger. Die sind es nämlich auch die jetzt bei VW
    die Verluste hinnehmen müssen. Andere verdienen sich Millionen und daher wird
    auch stets weiter der VW Skandal ausgeschlachtet!
    http://www.capital.de/investment/spekulanten-wetten-gegen-vw-aktie.html

  • IPOs sind ein( zumeist) lohnendes Objekt für den institutionellen Profi, um die Zeichnungsgewinne am 1. Tag in den ersten Minuten auf dem Handelsbuch zu verbuchen. Aber nix für Privat- oder Kleinanleger.

  • Privatnleger ausgeschlossen = deutsche Aktien(un)kultur.

    Lange ist's vorbei. Ich erinnere mich noch gut, dass mein Bankberater mich anrief, auf Neuemissionen oder Kapitalerhöhungen aufmerksam machte, die Konditionen nannte, mir vorrechnete, ob es vorteilhafter sei, ein BR auszuüben oder zu verkaufen, und am Ende mein Interesse notierte. Die Bank trat dann bei der Zuteilung gesammelt auf, und gab die Papiere anschließend ohne Aufschlag an ihre Depotkunden weiter. Das war Kundendienst, den man mit Kundentreue quittierte.

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