Börsengang am Freitag Knorr-Bremse legt Ausgabepreis auf 80 Euro fest

Für den Bremsenkonzern Knorr-Bremse zeichnet sich ein gelungenes Börsendebüt ab. Der Ausgabepreis liegt etwas oberhalb der Mitte der Preisspanne.
Update: 10.10.2018 - 21:29 Uhr Kommentieren
Den offiziellen Aktienausgabepreis hat Knorr-Bremse-Aktie auf 80 Euro festgelegt. Quelle: dpa
Münchner Traditionsunternehmen

Den offiziellen Aktienausgabepreis hat Knorr-Bremse-Aktie auf 80 Euro festgelegt.

(Foto: dpa)

MünchenBeim Megabörsengang von Knorr-Bremse wird die Aktie zum Kurs von 80 Euro ausgegeben. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit.

Der Ausgabekurs liegt damit etwas oberhalb der Mitte der Preisspanne, die das Unternehmen mit 72 bis 87 Euro sehr breit angelegt hatte. Die Erstnotiz an der Frankfurter Börse erfolgt am Freitag auf dem Parkett.

Die Familie Heinz Hermann Thiele kann bei der vollständigen Platzierung der 48,36 Millionen Anteile mit einem Erlös von 3,9 Milliarden Euro rechnen. Nach dem Börsengang verbleiben 70 Prozent der Anteile unter der Kontrolle Thieles, 30 Prozent werden in Streubesitz sein.

Mit einem Vermögen von 15 Milliarden Euro ist der 77 Jahre alte Thiele nach der jüngsten Rangliste des „Manager Magazins“ der siebtreichste Deutsche. Ursprünglich nur Geschäftsführer bei Knorr-Bremse, hatte er 1986 die Mehrheit an dem angeschlagenen Unternehmen übernommen und es zu einem Weltkonzern mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro und 30.000 Mitarbeitern gemacht. Er will mit dem Börsengang sein Vermächtnis sichern. Sein Sohn Henrik ist im vergangenen Jahr im Streit aus der Familienholding ausgestiegen.

Es handelt sich um den sechstgrößten Börsengang in Deutschland überhaupt. Den größten legte die Deutsche Telekom mit 10,1 Milliarden Euro im Jahr 1996 hin. Insgesamt wird Knorr-Bremse auf Basis des Angebotspreises mit 12,9 Milliarden Euro bewertet. Das Unternehmen dürfte damit rasch in den Nebenwerteindex MDax einziehen.

In diesem Jahr hatte sich der Münchener Hersteller von Bremssystemen für Züge und Lkws lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Siemens Healthineers um den größten Börsengang geliefert. Doch die Medizintechniktochter von Siemens fiel mit einem Volumen von 4,2 Milliarden Euro etwas größer aus. Die beiden Initial Public Offerings (IPOs), wie sie im Fachjargon genannt werden, stehen auch in Europa unangefochten an der Spitze der größten Emissionen.

Der Börsenkandidat Knorr-Bremse hatte trotz großer Nachfrage ebenso wie der Onlinemöbelhändler Westwing seine Angebotsfrist verkürzt und die Preisspanne nicht ausgereizt. Mit dem Geld von bis zu 132 Millionen Euro will Vorstandschef und Gründer Stefan Smalla „den Wachstumskurs fortsetzen“, wie er in einem Statement sagte. Organisiert wird die Emission von JP Morgan, der Deutschen Bank und Morgan Stanley.

Nach Angaben aus Finanzkreisen ist die Nachfrage nach der Aktie des Bremsenherstellers um ein Vielfaches größer als das Angebot. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA, wo es mit Wabtec und Wabco zwei börsennotierte Konkurrenten gibt, ist das Interesse groß. Allein aufgrund der Größe des Börsengangs seien viele Fonds gezwungen, sich mit dem Konzern zu beschäftigen.

Fonds wie Blackrock oder Capital verspürten enormen Anlagedruck und könnten hier große Summen investieren. Außerdem handele es sich im Fall Knorr-Bremse um ein solides Geschäft mit klassischer deutscher Ingenieurskunst, wie sie gerade auch im Ausland gut ankomme.

Auch in Deutschland kommt die Aktie bei Großanlegern gut an. Das war in den vergangenen Jahren in ähnlichen Fällen nicht immer so, zuletzt überzeugte allerdings das Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers die heimischen Investoren. Dort lag der Anteil deutscher Anleger bei rund 20 Prozent. Ähnlich soll es bei Knorr-Bremse aussehen, berichten Finanzkreise. Angesichts des frühen Marketings für die Aktie und des starken Interesses auch des Auslands an dem deutschen Industrieunternehmen kann sich Knorr-Bremse leisten, die Bücher früher zu schließen.

Für Fondsmanager Markus Turnwald von der Deka hat Knorr-Bremse „mit einem im Vergleich zum Wettbewerb höheren Budget für Forschung und Entwicklung sowohl bei Schienenfahrzeugen als auch bei Lkws Marktanteile bei Bremssystemen gewonnen“. Der anhaltende Trend, anstelle von Trommelbremsen auch Scheibenbremsen bei Lkws einzusetzen, sei vorteilhaft. Mit rund 29.000 Mitarbeitern weltweit an über 100 Standorten erzielten die Münchener im Jahr 2017 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro.

Dass die Märkte derzeit nicht einfach sind, hat der Chip-Anlagenbauer Exyte gezeigt, der seinen milliardenschweren Börsengang vor Kurzem abgesagt hatte. Die Stuttgarter hatten für den Gang an die Frankfurter Börse einen Börsenwert von 2,5 bis drei Milliarden Euro angestrebt und wollten 25 bis 30 Prozent des Unternehmens an die Börse bringen.

Offenbar konnte das Unternehmen seine Preisvorstellungen aber nicht durchsetzen. „Wir halten an unseren Plänen fest, aber wir haben keinen Zeitdruck und werden auf die richtigen Marktbedingungen warten“, sagte Exyte-Chef Wolfang Büchele vergangene Woche.

Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für Börsengänge allerdings gut. In diesem Jahr sind bereits 15 Unternehmen an die Börse gegangen. Damit bahnt sich in Deutschland das erfolgreichste Jahr seit der Jahrtausendwende an.

Neben Knorr-Bremse und Westwing drängt es auch die Beteiligungsgesellschaft Primepulse, den Elektroroller-Hersteller Govecs und den Kopenhagener Arzneimittelimporteur Abacus Medicine auf das Parkett. Zudem macht der chinesische Haushaltsgerätehersteller Haier Ernst und plant ein Zweitlisting an der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Märkte wieder stabilisieren. Darauf setzen Unternehmen.

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