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Börsengang „Eher Menschen auf dem Mars als Lyft profitabel “ – Uber-Konkurrent fällt bei Analysten in Ungnade

Auf das Börsendebüt des Fahrdienstvermittlers Lyft folgt Ernüchterung. Die Aktie verliert bereits wieder an Wert, Analysten mahnen zur Vorsicht.
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Bereits einen Tag nach dem Börsengang fiel die Aktie um fast zwölf Prozent und rutschte damit unter den Ausgabepreis von 72 Dollar. Quelle: Reuters
Börsengang von Lyft

Bereits einen Tag nach dem Börsengang fiel die Aktie um fast zwölf Prozent und rutschte damit unter den Ausgabepreis von 72 Dollar.

(Foto: Reuters)

New YorkDie ersten Tage als börsennotiertes Unternehmen haben sich Lyft-Gründer Logan Green und John Zimmer wahrscheinlich anders vorgestellt. Schon einen Tag nach dem großen Start auf dem Parkett fiel die Aktie am Montag um fast zwölf Prozent und rutschte damit unter den Ausgabepreis von 72 Dollar, zu dem die Aktie vor dem Handelsstart am Freitag ausgegeben worden war. Dabei war die Stimmung an den Märkten zum Wochenbeginn durchweg positiv.

Es ist ein Abwärtstrend, der sich Dienstag weiter fortsetzte. In den frühen Handelsstunden gab das Papier an der New Yorker Wall Street zeitweise weiter um bis zu vier Prozent nach. Die Euphorie der Anleger hielt damit keine Woche an. Jetzt, wo das rosa Konfetti vom Börsenstart aufgekehrt und der rote Teppich eingerollt ist, muss sich Lyft mit der rauen Realität der Märkte auseinandersetzen.

Investmentbanken sind erfahren darin, vor einem Börsengang Interesse bei den Investoren zu wecken. Die Papiere von Lyft waren innerhalb eines Tages überzeichnet, sodass das Unternehmen die Preisspanne vor dem Börsengang noch einmal anhob. Faktisch hat sich an Lyfts Ausgangslage zwar nichts geändert, doch die Stimmung hat sich gedreht.

Nun haben die Kritiker die Oberhand. Die Entwicklung werden auch die anderen Firmen aus dem Silicon Valley genau verfolgen, die in den kommenden Monaten ebenfalls den Gang an die Börse planen und auf eine positive Investorenstimmung hoffen. Doch davon ist wenig zu spüren. Die Investmentbank Seaport Global startete die Analysten-Coverage mit einer Verkaufsempfehlung. Kursziel: 42 Dollar.

Die Analysten stören sich vor allem an der hohen Bewertung. Lyft war am Freitag gut 25 Milliarden Dollar wert. Um das zu rechtfertigen, „müssen Investoren schon sehr davon überzeugt sein, dass die Millennials und die folgenden Generationen nicht mehr ihr eigenes Auto als Haupttransportmittel nutzen, sondern sich ganz auf Fahrdienstunternehmen verlassen“, heißt es in einer Analyse. Die Experten halten diese Erwartung für den amerikanischen Markt jedoch für „zu optimistisch“.

Auch stellt sich die Frage, wie Lyft profitabel werden will. Zwar hat sich der Umsatz im vergangenen Jahr auf 2,2 Milliarden Dollar verdoppelt. Doch damit sind auch die Verluste gestiegen, auf über 900 Millionen Dollar. Damit hatte Lyft den höchsten Fehlbetrag eines Start-ups im Jahr vor dem Börsengang – ein Rekord, der beim IPO vom größeren Konkurrenten Uber noch gebrochen werden könnte.

Green und Zimmer haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie auch nach der Börsennotierung stärker auf Wachstum statt auf Gewinne aus sind. Die Projektionen im Börsenprospekt reichen bis 2022, bis dahin sind keine Gewinne vorgesehen. Zudem zeichnet sich ab, dass der Preiskampf, den sich das 2012 gegründete Unternehmen schon seit Jahren mit Uber liefert, weitergehen wird.

„Ich glaube, es ist wahrscheinlicher, dass wir einen Menschen zum Mars schicken, als dass Lyft profitabel wird“, lästerte Analyst Dan Ives vom Vermögensverwalter Wedbush im Börsensender Bloomberg TV. Der Druck auf die Lyft-Aktie könnte in den kommenden Tagen weiter steigen. Ihor Dusaniwsky vom Analysehaus S3 Partners geht davon aus, dass die Zahl der Leerverkäufer in den kommenden Tagen deutlich zunehmen wird.

Start-up-Phänomen

Am Montag hätten sie praktisch keine Rolle gespielt, weil noch nicht genügend Aktien für die Wette auf fallende Kurse verfügbar waren. Das werde sich jedoch schnell ändern. „Sobald die Leerverkäufer ihre Strategien aufgestellt haben, können wir mit einer weiteren Preisschwäche rechnen”, gibt er zu bedenken. Leerverkäufer leihen sich Aktien gegen eine Gebühr, verkaufen sie und kaufen sie später – wenn das Kalkül aufgeht – zu einem geringeren Preis wieder zurück.

Auch andere Start-ups sind nach dem Börsenstart ins Minus gerutscht. Facebook etwa verlor am Tag nach seinem Börsengang 2012 elf Prozent und hatte die ersten 18 Monate zu kämpfen, bevor die Aktie deutlich zulegte. Twitter verlor am Tag nach dem IPO 7,2 Prozent.

Wie sich der Lyft-Kurs weiterentwickelt, wird auch von vielen anderen Unternehmen aus dem Silicon Valley genau verfolgt. In diesem Jahr plant eine ganze Reihe von Start-ups den Gang an die Börse. Lyfts größerer Konkurrent Uber plant den Schritt noch im April.

Der Konzern ist deutlich größer und anders als Lyft auch in vielen internationalen Märkten präsent. Der Konzern strebt eine Börsenbewertung von über 100 Milliarden Dollar an. Die Verluste lagen im vergangenen Jahr mit 1,8 Milliarden Dollar doppelt so hoch wie die von Lyft.

Auch Pinterest, eine Plattform für Bilder und Shopping, könnte noch im April an die Börse gehen. In den kommenden Monaten könnte dann auch die Büro-App Slack folgen, ebenso wie die Übernachtungsplattform Airbnb und die Datenfirma Palantir.

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