Börsengang Knorr-Bremse legt nach Zitterstart deutlich zu

Der Technologiekonzern Knorr-Bremse schafft den Sprung auf das Parkett der Frankfurter Börse. Alle weiteren Kandidaten haben es schwer.
Update: 12.10.2018 - 10:10 Uhr Kommentieren

Debüt mit Startproblemen – Knorr-Bremse wagt den Börsengang

FrankfurtAufatmen beim Vorstand von Knorr-Bremse, der Börsengang des Technologiekonzerns ist geglückt. Um 9.25 Uhr stellte Makler Oliver Herrmann von der Baader Bank auf dem Frankfurter Parkett den ersten Kurs bei 80,10 Euro fest.

Der Kurs lag damit knapp über dem Ausgabepreis von 80 Euro. „Das war eine Zitterpartie, aber die Erholung des gesamten Marktes hat geholfen. 80,10 Euro ist ein solider Start, mehr war angesichts der Rahmenbedingungen nicht drin“, sagte ein Banker zum ersten Kurs. Im weiteren Verlauf legte die Aktie deutlich zu und stand zum Handelsschluss bei 81,64 Euro.

Nachdem der Dax am Vortag zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit Anfang Februar 2017 gerutscht war, war die Anspannung am Morgen in Frankfurt groß. Wie gebannt schauten Vorstandschef Klaus Deller und Finanzvorstand Ralph Heuwing zusammen mit Patriarch Heinz Hermann Thiele und Börsenchef Theo Weimer auf die Kurstafel.

Dementsprechend groß war die Erleichterung über den ersten Kurs. Patriarch Heinz Hermann Thiele läutete zufrieden die Börsenglocke. Zuerst alleine, dann mit Vorstandschef Deller, der zusammen mit Finanzvorstand Heuwing mitten in den größten Börsenturbulenzen seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump den Sprung auf das Parkett gewagt hatte.

Die Aktien des Weltmarktführers bei Zug- und Lkw-Bremsen waren zu je 80 Euro ausgegeben worden, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Eigentümer Thiele und seine Tochter nehmen mit dem Verkauf von 30 Prozent der Anteile am Münchner Bremsenhersteller 3,9 Milliarden Euro ein. Das Geld geht komplett an die Thieles, Knorr-Bremse selbst braucht nach eigenem Bekunden kein frisches Kapital. Das Unternehmen dürfte zukünftig in den Nebenwerteindex MDax einziehen.

Wegen der wachsenden Volatilität im Markt rechnen Experten in den kommenden Wochen nicht mehr mit größeren Initial Public Offerings – abgekürzt IPOs – im deutschen Markt. „Die Bereitschaft, zu zeichnen, ist mit den Kursschwankungen in dieser Woche definitiv geringer geworden“, sagt ein Fondsmanager.

In der Vergangenheit seien viele Neuemissionen zu teuer gepreist worden, aber die Anleger hätten mitgespielt. Das sei jetzt vorbei. „Vor allem bei E-Commerce-Themen und Technologieunternehmen wird der Markt preissensitiver werden“, erklärte ein Analyst.

Knorr-Bremse ist mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro und 30.000 Mitarbeitern ein global tätiger Konzern. Thiele will mit dem Börsengang sein Vermächtnis sichern. Sein Sohn Henrik war im vergangenen Jahr aus der Familienholding ausgestiegen.

Das Unternehmen war zum Ausgabepreis 12,9 Milliarden Euro wert. Größer als der Börsengang des Traditionskonzerns war in diesem Jahr nur die Emission der Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers, die im Frühjahr 4,2 Milliarden Euro brachte. Bei Knorr-Bremse liegt der Ausgabepreis knapp in der oberen Hälfte der Preisspanne, die von 72 bis 87 Euro reichte.

Knorr-Bremse hatte die Zeichnungsfrist um einen Tag verkürzt – auch wegen der wackligen Aktienmärkte, die einigen Börsenneulingen einen holprigen Start am Markt beschert hatten. Organisiert wird die Emission von JP Morgan, der Deutschen Bank und Morgan Stanley.
Bereits am ersten Tag waren die angebotenen Aktien des Familienunternehmens durch Kaufgebote abgedeckt, sagte ein Insider. In diesem Jahr kommen die drei größten Börsengänge in Europa aus Deutschland. Healthineers liegt knapp vor Knorr-Bremse und danach folgt die DWS, die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Der Großteil der Knorr-Bremse-Aktien wurde in Großbritannien mit etwa 45 Prozent platziert. In den USA landeten etwa 20 Prozent, in Deutschland geschätzte elf Prozent.

Privatanleger – die meistens keine große Rolle mehr spielen bei den IPOs – investierten einen dreistelligen Millionenbetrag. Zusammen mit dem Private Banking der Kreditinstitute lagen sie bei rund drei Prozent des Volumens. Fast vier Fünftel wurde bei langfristigen Investoren wie Blackrock, Fidelity und Capital Group platziert, das Who ist Who der Fondsbranche. Hedgefonds waren mit etwa 15 Prozent dabei.

Für die Börsenkandidaten der nächsten Wochen wird es eng. Die Beteiligungsgesellschaft Primepulse, der Elektrorollerproduzent Govecs und der Kopenhagener Arzneimittelimporteur Abacus Medicine müssen um ihr Debüt bangen. Nur wenn sich die Märkte schnell beruhigen, ist ein Erfolg möglich.

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