Börsengang Stunde der Wahrheit für Covestro

Das Debüt verschoben, die Preise gesenkt, der Erlös geschrumpft. Die VW-Krise hat den Börsengang der Bayer-Tochter zum Abenteuer gemacht. Gab es am Dienstag noch ein Happy End?

Beim offiziellen Börsengang: „Alle haben gejubelt“

FrankfurtDie Spannung steigt. Um 9 Uhr 17 ruft Ingo Kreisinger von der Baader Bank in den Handelssaal: „Das Orderbuch wird geschlossen!“ Danach hört man nur noch das monotone Rauschen der Kurstafel, ähnlich den Anzeigen auf dem Frankfurter Flughafen. Covestro-Chef Patrick W. Thomas und Finanzvorstand Frank H. Lutz müssen die Minuten jetzt wie eine Ewigkeit vorkommen. Dann folgt um 9 Uhr 20 die Erlösung: „Erster Kurs 26 Euro“, gibt Kreisinger bekannt, das Börsendebüt der Bayer-Kunststoffsparte ist damit zu einem gelungenen Einstand geworden. Die beiden Top-Manager schwenken im Blitzlichtgewitter erleichtert die Glocke, Applaus brandet auf.

Eine schwere Geburt findet damit ein versöhnliches Ende. Nach einem holprigen Lauf an die Börse hat das Unternehmen doch noch genügend Abnehmer für seine Aktien gefunden. Die Emission sei gut dreifach überzeichnet worden, sagt Lutz mit breitem Grinsen. 62,5 Millionen Anteilsscheine wurden zu je 24 Euro bei Investoren platziert. Damit wurden die Papiere zwar am oberen Ende der Preisspanne von 21,50 bis 24,50 Euro ausgegeben, diese hatte Covestro aber von ursprünglich 26,50 bis 35,50 Euro senken müssen und den Tag der Premiere auf diesen Dienstag verschoben. Die Bayer-Tochter sammelte 1,5 Milliarden Euro ein und liegt damit weit entfernt von den zunächst angepeilten Einnahmen von 2,5 Milliarden Euro.

Die fallenden Messer des Aktienmarkts

INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006231004
Börse
L&S

+0,07 +0,33%
+19,86€
Chart von INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Flop 20: Infineon
1 von 20

Der deutsche Chipbauer hat nach jahrelanger Talfahrt wieder den Weg nach oben gefunden. Doch im Sommer musste Infineon eine Schwächephase hinnehmen. Über 14 Prozent gaben die Papiere in den vergangenen drei Monaten nach. Damit verloren die Aktien einen Großteil ihres Gewinns des laufenden Jahres. Seit dem 1. Januar liegen die Papiere nur noch 10,5 Prozent im Plus.

Kursentwicklung (drei Monate): - 14,3 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

+0,41 +4,61%
+9,28€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Flop 19: Commerzbank
2 von 20

Das Polen-Geschäft macht der Commerzbank Sorgen. Auf die polnische Tochter mBank könnten im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten erhebliche Kosten zukommen. Einem Bericht der Zeitung „Dziennik Gazeta Prawna“ zufolge will Polens Staatspräsident Andrzej Duda nach den Parlamentswahlen den Abgeordneten ein Gesetz zur Umwandlung von Fremdwährungskrediten vorlegen. Insgesamt könnte den Geldhäusern, die Fremdwährungskredite vergeben haben, Wechselkursverluste im Volumen von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro aufgebrummt werden.

Kursentwicklung: - 15,5 Prozent

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
L&S

+0,22 +0,34%
+65,17€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Flop 18: Lanxess
3 von 20

Das Dax-Abenteuer ist nach gerade einmal drei Jahren schon wieder vorbei. Der Spezialchemiekonzern Lanxess wurde im September wieder in den MDax degradiert. Für Lanxess kam der Immobilienkonzern Vonovia in den Dax. Für Belastung sorgen konjunkturelle Störfeuer in China und den Schwellenländern. Seine Ziele will Lanxess im laufenden Jahr dennoch erfüllen.

Kursentwicklung: - 16,0 Prozent

Syngenta

WKN
ISIN
CH0011037469
Börse
n. a.

Chart von Syngenta
Flop 17: Syngenta
4 von 20

Das Management des weltgrößten Herstellers von Pflanzenschutzmitteln steht nach der geplatzten Übernahme durch Monsanto stark unter Druck. Der Saatgut- und Genpflanzen-Hersteller aus St. Louis wollte 470 Franken je Aktie oder insgesamt mehr als 40 Milliarden Dollar auf den Tisch legen, war damit bei der Syngenta-Spitze aber abgeblitzt und hatte nach monatelangem Gezerre schließlich das Handtuch geworfen. Das Schweizer Unternehmen will unter anderem mit der Veräußerung von Geschäften und einem milliardenschweren Aktienrückkauf die Gunst der Anleger zurückgewinnen – bisher ohne großen Erfolg.

Kursentwicklung: - 16,7 Prozent

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
L&S

+0,64 +0,81%
+79,24€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Flop 16: BASF
5 von 20

Die BASF-Tochter Wintershall hat mit dem russischen Gas-Riesen Gazprom einen Milliardendeal abgeschlossen. Geholfen hat es den Aktien von BASF jedoch nicht. In den vergangenen drei Monaten rauschten die Papiere fast 18 Prozent ins Minus. Die Kasseler BASF-Tochter Wintershall wird ihre Beteiligung an dem bislang gemeinsam betriebenen Gashandels- und Gasspeichergeschäft wie ursprünglich geplant vollständig an die Russen abgeben. Im Gegenzug soll BASF mehr Anteile an großen Erdgasfeldern in Sibirien erhalten.

Kursentwicklung: - 17,7 Prozent

LINDE AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006483001
Börse
L&S

+2,43 +1,39%
+177,35€
Chart von LINDE AG INHABER-AKTIEN O.N.
Flop 15: Linde
6 von 20

Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat die Einstufung für Linde nach einer Investorenveranstaltung auf „buy“ mit einem Kursziel von 224 Euro belassen. Der Hersteller von Industriegasen und Anlagen sei gut positioniert, um von globalen Wachstumstrends in den Industrie- und den Schwellenländern zu profitieren, schrieb Analyst Nils-Peter Gehrmann in einer Studie. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn de Branche ist laut NordLB-Analyst Thorsten Strauß von erhebliche Umwälzungen geprägt.

Kursentwicklung: - 18,1 Prozent

RENAULT S.A. ACTIONS PORT. EO 3,81

WKN
ISIN
FR0000131906
Börse
L&S

+2,20 +2,93%
+76,85€
Chart von RENAULT S.A. ACTIONS PORT. EO 3,81
Flop 14: Renault
7 von 20

Die Konjunkturschwäche in China bereitet vielen Autobauern Sorgen. Der Chef des französischen Autokonzerns Renault hingegen zeigt sich davon weitestgehend unbeeindruckt. „Wenn es einen Autobauer gibt, dem die Situation in China keine Sorgen bereitet, dann sind wir es“, sagte Konzernchef Carlos Ghosn der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“. Die Anleger scheinen anderer Meinung zu sein. In den Sommermonaten rutschten die Renault-Aktien deutlich ins Minus.

Kursentwicklung: - 18,4 Prozent

Doch heute Morgen ist die schwierige Wegstrecke kein Thema mehr, Sektgläser werden gereicht, illuminiert wird die Szene mit 7.500 Blinkwürfeln in kunterbunten Covestro-Kunststoffgläsern. „Ich bin sehr aufgeregt und sehr zufrieden“, sagt Konzernchef Thomas, er sei stolz, dass man das Orderbuch so schnell füllen konnte, nachdem die Preisspanne korrigiert war. Jeder in Europa sei höchstens zehn Meter von einem Covestro-Produkt entfernt, wirbt er in die zahlreichen Mikrofone. Auch die begleitenden Investmentbanker sind guter Laune, schließlich winken Gebühren in Millionenhöhe.

„Das gibt dem gesamten Markt Mut“, sagt Klaus Fröhlich, Leiter Kapitalmarktgeschäft für Deutschland bei Morgan Stanley. „Wir hatten eine schwierige Phase in der Roadshow“, sagt Lutz. Als sich die Märkte in den vergangenen Tagen wieder beruhigt haben, hatte ich schon erwartet, das alles gut wird“, ergänzt der Finanzchef, der wie alle andere Covestro-Manager auch Krawatte und Einstecktuch in den Regenbogenfarben des Konzerns trägt – entweder Pink, Lila oder Orange. Vor 14 Tagen kamen die Pakete mit einer ganzen Palette dieser Accessoires – jetzt haben die Manager jeden Tag die Qual der Farbwahl.

Analysten hatten gewarnt
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