Technologieriese Tencent

Der Aktienkurs des chinesischen Unternehmens ist im Vergleich zu seinem diesjährigen Höchstkurs um ein Drittel eingebrochen.

(Foto: Reuters)

Chinesischer Technologieriese Warum der Tencent-Kursrutsch nichts mit dem Handelsstreit zu tun hat

Der Kursrutsch des Technologieriesen Tencent lässt auch andere Indizes schwächeln. Doch das Minus hängt nicht mit dem Handelsstreit zusammen.
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Peking/DüsseldorfFür viele Analysten steht fest: Der Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt für eine komplett unterschiedliche Entwicklung an den Börsen. Während der S&P 500 seit Jahresanfang mehr als sieben Prozent zugelegt hat und damit knapp unter dem Allzeithoch liegt, sind chinesische Aktien im Bärenmarkt gefangen. Der Index Shanghai Composite ist bereits in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent gefallen und erfüllt damit die notwendige Bedingung für diese Bezeichnung.

Auch der MSCI Emerging Markets Index, der anhand von knapp 850 Aktienwerten die Entwicklung an den Börsen der wichtigsten Schwellenländer widerspiegelt, ist in diesem Jahr um mehr als zwölf Prozent gefallen. Chinesische Aktien stellen bei diesem Index rund ein Drittel der gesamten Marktkapitalisierung.

Doch ein weit wichtigerer Grund für die Schwäche bei den Indizes MSCI und Shanghai Composite ist die miserable Performance eines Wertes. Der Aktienkurs des Technologieriesen Tencent, mit knapp fünf Prozent der mit Abstand am höchsten gewichtete Wert in den beiden Börsenbarometern, ist gegenüber seines diesjährigen Höchstkurses um ein Drittel eingebrochen.

Die Marktkapitalisierung ist von ehemals 572 Milliarden Dollar am Jahresanfang auf gut 378 Milliarden Dollar gefallen. Doch der Verlust von knapp 200 Milliarden Dollar hängt weniger mit dem Handelsstreit zusammen, sondern mehr mit dem kommunistischen System in China.

„Der Behörden-Umbau beeinträchtigt unsere gesamte Industrie“, erklärte Tencent-Präsident Martin Lau vor einigen Tagen das schwache Quartalsergebnis im Gespräch mit Investoren. Denn im März hatte der chinesische Volkskongress einem weitreichenden Umbau der Regierung zugestimmt. Davon sind unter anderem das Kulturministerium und die Nationale Behörde für Radio und Fernsehen betroffen, die beide Spiele-Lizenzen erteilen, es aber seit fünf Monaten nicht mehr getan haben.

Experten bestätigen diese Sichtweise. Da der Umbruchprozess gerade in Gange sei, „ist momentan unklar, wer von den beiden eigentlich für die Genehmigungen verantwortlich ist“, erklärt Shawn Yang, der die Beratungsfirma Blue Lotus Capital Advisors leitet.

Der Internet-Riese Tencent hat mit seinem Messenger WeChat mehr als eine Milliarde Nutzer. Auf der Plattform verkauft der Konzern unter anderem Minispiele sowie Spielgegenstände und verdient Geld mit Werbung sowie Zahlungen über das Handy.

Doch ohne Lizenz von den Behörden kann Tencent die Spiele nicht zu Geld machen, wie zum Beispiel im Fall des immens beliebten „PlayerUnknown’s Battlegrounds“. Darin treten Spieler auf einer Insel gegeneinander an und bekämpfen sich gegenseitig mit diversen Waffen und Vehikeln bis es nur noch einen Überlebenden gibt. Um damit dennoch Geld zu verdienen, könnte Tencent virtuelle Gegenstände verkaufen, die dem Fortkommen im Spiel behilflich sein können. Das ist bei Spielern aber höchst unbeliebt.

Lau gestand ein, dass der Gaming-Sektor derzeit eine „Schlüsselschwäche“ darstelle, wenn es ums Umsatzwachstum gehe. Denn Online-Spiele stellen mit 3,6 Milliarden Dollar Umsatz und 34 Prozent im zweiten Quartal Tencents größte Einnahmequelle dar. Doch im Vergleich zum Vorjahr nahm Tencent bei den Smartphone-Spielen 19 Prozent weniger ein und bei den PC-Spielen sechs Prozent, auch weil der in Shenzhen ansässige Tech-Riese just diese Woche noch ein weiteres Problem mit den Behörden hatte.

So musste das Unternehmen das Spiel „Monster Hunt: World“, das über eine Million Mal vorbestellt worden war, wieder aus dem Verkehr ziehen, weil die Regulatoren dem Spiel die Lizenz entzogen hatten. Lau nannte diesen Vorfall „ein einmaliges Problem“ und versicherte, dass man daran arbeite, den Inhalt anzupassen.

Mehrere Unternehmen klagen über Lizenz-Stau

Der Lizenz-Stau betrifft aber nicht nur Tencent, sondern auch seinen heimischen Spiele-Konkurrenten Netease. Der Betreiber des Dauerbrenners „World of Warcraft“ steht den gleichen regulatorischen Risiken gegenüber und musste in den vergangenen fünf Tagen einen Kursverlust von fast zwölf Prozent einstreichen.

Dennoch hält Neil Campling von Mirabaud Securities die Panik für übertrieben. Tencent konnte trotz des regulatorischen Problems einen Quartalsprofit von 2,7 Milliarden Dollar verbuchen. Der Umsatz wuchs um 30 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar.

Die Gründe dafür: Das Unternehmen gewann 154 Millionen neue Abonnementen für sein Video-Streaming-Service, die Online-Werbeeinnahmen wuchsen um 39 Prozent zum Vorjahr und in anderen Bereichen wie dem Cloud-Service gab es mit 2,5 Milliarden Dollar ein Umsatzplus von 81 Prozent. Zudem versicherte Lau, dass man an den Genehmigungen arbeite. „Es ist keine Frage, ob, sondern wann wir die Lizenzen erhalten“, sagte er.

Auch den Kursverlust der Tencent-Aktien dieses Jahr sieht Campling gelassen, obwohl Tencents Marktkapitalisierung von seinem 572-Milliarden-Dollar-Hoch am Jahresanfang inzwischen um ein Drittel eingebrochen ist. „Anfangs war die Aktie noch ein Schnäppchen im Vergleich zu ihren Konkurrenten wie Facebook. Doch inzwischen ist sie im Premiumsektor und daher anfällig für Profiteure, die bei den ersten Anzeichen einer Profitverlangsamung sofort verkaufen“, erklärt er.

Mark Schlarbaum, Partner bei Krane Fund Advisors, ist auch optimistisch. Bei Tencent, so sagte er Bloomberg-TV, gebe es sehr viel „aufgestautes Wachstum“.

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