Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Continental bleibt der Liebling der Analysten Reifenhersteller rollen in viele Depots

Mächtige Hauptkunden, eine schwache Automobilkonjunktur und steigende Rohstoffpreise sind eigentlich kein gutes Szenario für die Aktien der Reifenbranche. Dennoch zeigen sich viele Analysten optimistisch.
  • Carsten Herz und Josef Hofmann (Handelsblatt)

HB FRANKFURT. „Die Reifenhersteller sind durch das Geschäft mit dem Privatkunden – also dem Ersatzgeschäft – weniger abhängig von konjukturellen Schwankungen“ als andere Zulieferer, sagt Rolf Woller, Autoanalyst der Hypo-Vereinsbank. Zweiter wichtiger Grund für die Zuversicht ist, dass Bridgestone, Michelin, Continental und Co. im Gegensatz zur Rabattschlacht auf dem Automarkt einen Preiskrieg bislang sorgsam vermieden haben. „Die Preisdisziplin in der Branche ist sehr hoch“, betont Fredrik Westin, Autoanalyst der WestLB.

In den vergangenen Jahren ist es den Firmen immer wieder gelungen, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen und damit ihre Renditen und den Aktienkurs zu beflügeln. So hat der US-Marktführer Goodyear allein in den vergangenen 16 Monaten die Preise vier Mal den höheren Kosten angepasst, Konkurrent Bridgestone verlangt für seine Reifen seit einigen Wochen auf dem größten Automobilmarkt der Welt acht Prozent mehr für seine Produkte. Möglich wird dies durch die Struktur der Branche. Die drei größten Anbieter Michelin, Goodyear und der japanische Bridgestone-Konzern teilen sich 56 Prozent des Weltmarktes, die Verfolger Continental und Pirelli teilen sich ein wei-teres Sechstel. Zur Macht der Automobilhersteller bilden sie daher ein deutliches Gegengewicht.

Am wenigsten ist die Continental AG aus Hannover den konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Sie ist auch der Favorit der meisten Analysten. Conti profitiert davon, dass das Unternehmen längst kein reiner Reifenproduzent mehr ist. Mit Fahrzeugkomponenten wie ESP und ABS profitiert der Konzern auch bei langsam steigender Nachfrage vom ständig steigenden Ausstattungsgrad dieser Systeme, die längst den Weg bis hin zu den Kleinwagen gefunden haben. Acht von zehn bei Bloomberg registrierten Analysten sehen Conti als Kauf, zumal das Unternehmen nach Rekordjahren in Folge für 2005 erneut einen Spitzenwert beim Ergebnis angekündigt hat. Dass die Conti-Aktie bereits in den vergangenen beiden Jahren der am deutlichsten gestiegene Dax-Wert war, stört nicht. Denn beispielsweise Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim prognostiziert bis zum Jahr 2007 eine weitere Steigerung des operativen Ergebnisses um etwa 50 Prozent gegenüber 2004.

Dass die Aktie nach Veröffentli-chung der Rekordzahlen für das erste Quartal erst einmal deutlich nachgegeben hat, zeigt aber auch, dass das Risiko durch Gewinnmitnahmen steigen könnte. Begründet wurde der Kursknick aber auch damit, dass die Wachstumsdynamik etwas nachgelassen hat.

Während die meisten Experten denn auch deutlich geringere Chancen für Kursgewinne bei Pirelli und Bridgestone sehen, ist sich die Analystenschar bei Michelin völlig uneinig. So weisen die Analysten von Credit Suisse First Boston darauf hin, dass die Franzosen im ersten Quartal auf allen wichtigen Märkten Anteile verloren haben und prognostizieren für den Wert deutliche Kursverluste auf Sicht von zwölf Monaten. Dagegen sieht Michael Raab von Sal. Oppenheim Chancen für einen Kursanstieg. Auch HVB-Analyst Woller ist zuversichtlich. Die Franzosen gehören als Marktführer im Truck-Segment zu den Hauptprofiteuren des boomenden Nutzfahrzeuggeschäfts, so seine Begründung. Michelin verdiene im Geschäft mit LKW-Reifen eine zweistellige Marge, sagt Woller.

Auch bei Bridgestone gibt es keine einhellige Meinung. Für Irritationen sorgten die Ergebnisse des ersten Quartals. Die Japaner meldeten rückläufige Gewinne und begründeten dies mit gestiegenen Öl- und Stahlpreisen. Preiserhöhungen sollen das nun kompensieren. Daher hob Bridgestone die Halbjahresprognose sogar an, da zusätzlich die Kosten für Rohkautschuk niedriger als erwartet ausfielen. Nun wird es darauf ankommen, ob die Japaner dieses Versprechen einhalten können. An der Börse wird daran offensichtlich gezweifelt. Der Kurstrend in den vergangenen Monaten zeigte nach unten.

Große Zweifel gibt es auch bei Amerikas größtem Reifenhersteller, Goodyear. Dem Unternehmen ist zwar nach deutlichen Verlusten die Rückkehr in die Gewinnzone geglückt, die Margen liegen jedoch noch deutlich unter denen der Konkurrenz. Zudem hängt Goodyear stärker als die Konkurrenten von der Entwicklung auf dem umkämpften amerikanischen Automobilmarkt ab.

Bei der italienischen Pirelli sorgte zwar zuletzt ein gestiegener Quartalgewinn für einen leichten Kursanstieg, doch das Papier notiert noch immer unter dem Wert zum Jahresbeginn. Die Bewertung des Papiers wird dadurch erschwert, dass sich Pirelli in Gesprächen über den Verkauf seiner Kabelsparte befindet, die fast für die Hälfte des Umsatzes steht. Der Ausgang ist noch ungewiss. Erzielt das Unternehmen einen guten Preis und investiert das Geld, wie angekündigt, ins Kerngeschäft, dürfte das Papier Potenzial haben, glauben Marktbeobachter.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite